Aurich - Wenn eine Mannschaft im Handballsport auswärts 35 Tore wirft, dann reicht das in der Regel zum Sieg. Für den Drittligisten OHV Aurich langte diese Anzahl am vergangenen Samstag nicht. Sage und schreibe 40 Gegentreffer kassierten die Ostfriesen gegen den Aufsteiger MTV Großenheidorn. Die Frage, wo der Grund für die Niederlage zu suchen war, stellte sich nach dem Schlusspfiff nicht.
„Wir mussten auf unseren Abwehrchef Jannes Hertlein und Stammtorhüter Edgars Kuksa verzichten“, erklärte Pedro Alvarez. Das allein reichte, um aus einer stabilen, eine höchst wackelige Abwehr zu schaffen. Egal ob 6:0-, 5:1- oder 5+1-Variante – alles, was Alvarez seiner Mannschaft am Samstagabend an die Hand gab, wollte im Auswärtsspiel nicht zünden. Und das ärgert den Auricher Coach immens. Er sah vor allem seine beiden jungen Keeper Marten Jungvogel und Kai Ebeling, die für Kuksa in die Bresche springen mussten, im Stich gelassen. „Man kann die beiden nicht mit Eddy vergleichen. Die brauchen einfach mehr Unterstützung. Ihnen fehlt noch die Routine, die Eddy mitbringt“, erklärte Alvarez. Vor allem die mangelnde Blockarbeit und zu wenig Aggressivität in der Arbeit gegen den Gegenspieler wurmten den Trainer.
Angriff ist diesmal nicht das Problem
Dabei deutete sich das Abwehrdebakel nicht unbedingt an. Bis zum Seitenwechsel schafften es die Auricher, einen Fünf-Tore-Rückstand zum 16:18 zu reduzieren – ein Rückstand, der im Handballsport schnell aufgeholt ist. „Ich habe in der Pause ein paar Korrekturen vorgenommen“, sagte Alvarez. Trotzdem zogen die Hausherren erneut auf fünf Tore davon. Doch die Auricher kämpften. Im Gegensatz zum Spiel vor rund zwei Wochen, als es im Angriff gewaltig klemmte, erspielte sich der OHV diesmal ein ums andere Mal gute Chancen und traf.
Momentum lag aufseiten des OHV Aurich
Nach einer tollen Aufholjagd waren die Auricher beim 25:25 (43.) wieder dran und hatten eigentlich das Momentum auf ihrer Seite. Denn das Spiel der Gastgeber war nun fehlerbehaftet. Eine Zeitstrafe gegen Petar Puljic unmittelbar nach dem Ausgleichstreffer sollte aber der Knackpunkt im Spiel werden. „Da hat Großenheidorn gemerkt, dass es doch noch gewinnen kann“, erklärte Pedro Alvarez, der allerdings nicht Puljic die Verantwortung für die Niederlage auflasten wollte, sondern von kollektivem Versagen sprach. Denn allein in den letzten elf Minuten war das, was die Auricher in der Abwehr veranstalteten, vogelwild. Sie kassierten allein in dieser kurzen Zeit zehn Gegentreffer. So kann man kein Spiel gewinnen.
Mehr Ruhe und Routine vonnöten
Es gibt viel zu tun, für Pedro Alvarez, der hofft, dass ein wenig mehr Ruhe ins Training kommt. „Jede Woche fehlen uns krankheitsbedingt zwei Spieler“, erklärt der Coach. Zudem ärgerte ihn, dass in der abgelaufenen Trainingswoche aufgrund des Oktoberfests in der Sparkassen-Arena in verschiedenen Hallen und zusätzlich ohne Haftmittel trainiert werden musste. „Eine Mannschaft braucht Routine, die war nicht gegeben“, sagt der Coach.
