Aurich - Ein Spektakel in der ersten Spielhälfte, ein Handballkrimi in der zweiten: Der OHV Aurich hat sich im Drittligaduell mit den Sportfreunden Söhre einen Kampf mit offenem Visier geliefert. Am Ende waren es die Torhüter auf beiden Seiten, die mit entscheidenden Paraden für ein gerechtes 30:30 sorgen sollten.
Mit großartigem Abwehrspiel wollten sich beide Mannschaften in der ersten Spielhälfte nicht abgegeben. „Run and Gun“ - Laufen und Schießen war bei beiden Teams die vorgegebene Marschrichtung. Wie erwartet drückten die Rückraumspieler der Partie ihren Stempel auf. Bei den Sportfreunden Söhre überzeugte dabei vor allem Artjom Antonevitch, der nicht auf Rechtsaußen, sondern angesichts der Körpergröße, ein wenig überraschend zunächst auf Rückraum rechts auftauchte, dort aber für mächtig Wirbel sorgte. Überhaupt präsentierten die Gäste ein schnelles und solides Angriffsspiel, gute Einzelaktionen und viel Zug zum Tor. Es brauchte schon eine vierminütige Überzahl, damit sich der OHV, angeführt von einem starken Kevin Wendlandt erstmals beim 9:7 auf zwei Tore absetzen konnte (11. Minute).
Edgars Kuksa mit dem richtigen Riecher
Das Tempo wurde danach kaum geringer. Die Gäste blieben dran, kamen auf 14:14 ran, als OHV Coach Pedro Alvarez zur grünen Karte griff und die Teams in die Auszeit schickte (21). Der Auricher Trainer wechselte gleich vier Spieler aus, nahm sogar seinen bis dato besten Schützen vom Feld und machte damit alles richtig. Während seine Spieler vorne wirbelten, die einstudierten Spielzüge alle griffen, zeigt Edgars Kuksa, warum er Nationaltorhüter Lettlands ist. Bei einem Kempa-Trick der Gäste hatte er den richtigen Riecher und riss im entscheidenden Moment das rechte Bein Richtung Hallendecke. Unmittelbar darauf entschärfte er in Weltklasse-Manier einen freien Wurf vom Kreis. Noch während die Halle Kopf buchstäblich Kopf stand, setzte sich der wie entfesselt spielende OHV Aurich auf 21:18 ab. Vor zwanzig Jahren wäre das eine Endergebnis gewesen, doch die Schiedsrichter pfiffen erst zur Pause. Durchatmen.
Patrick Kinzel nervt die OHV-Angreifer
Es blieb eine ganz enge Kiste in der Sparkassen-Arena. Beide Mannschaften hielten das Tempo weiterhin hoch. Die Gäste kämpften sich in Überzahl auf 24:24 heran (40.). Alvarez reagierte wieder überraschend und tauschte auf der Torhüterposition. Für Kuksa kam Marten Jungvogel ins Tor. Doch die Paraden zog nun ein anderer. In Halbzeit eins noch glücklos ausgewechselt, lief der ins Tor der Sportfreunde zurückgekehrte Pascal Kinzel zu großer Form auf und nervte die OHV-Angreifer gewaltig. Söhre drehte das Spiel. Beim 25:27 (46.) bat Pedro Alvarez erneut zur Auszeit. Doch das Torewerfen blieb nun ein zähes Geschäft für die Ostfriesen. Und sie scheiterten jetzt auch vom Siebenmeterpunkt am Söhrer Schlussmann, vergaben einen potenziellen Tempogegenstoß aufs leere Tor.
Ein Kempa-Trick soll den Sieg bringen
Die Schlussphase sollte nichts für schwache Nerven sein. 47 Sekunden waren beim Stand von 30:30 zu spielen. Alvarez hatte mit einer weiteren Auszeit die Taktik vorgeben, die Halle stand geschlossen, doch die Auricher scheiterten kläglich. Söhre hatte noch eine Chance und 22 Sekunden auf der Uhr. Auch Sven Lakenmacher, Trainer der Gäste, nutzte die Auszeit. Söhre spielte es bis zur letzten Sekunde. Ein Kempa-Trick über Yannick Ihrman sollte den Sieg bringen. Aber Marten Jungvogel parierte. Es blieb bei der durchaus gerechten Punkteteilung, den beide Mannschaften irgendwie zu feiern wussten.
