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NWZonline.de Sport

Wm: Handballer halten an großen Zielen fest

24.01.2017

Paris Im Morgengrauen verließen die frustrierten „Bad Boys“ die Stätte ihres WM-Albtraums. Während die deutschen Handballer die unerwartete Heimreise aus Paris antraten, plante Vizepräsident Bob Hanning bereits die Zukunft. „Der Verarbeitungsprozess ist zielorientiert in Gang gekommen. Auch wenn es verwundert – ich habe relativ gut geschlafen und bin gar nicht so unzufrieden“, sagte Hanning am Montag.

Dringlichster Punkt auf seiner Agenda ist die Suche nach einem neuen Bundestrainer, der das Gold-Projekt für Olympia 2020 nach dem Abschied von Dagur Sigurdsson fortführen soll. „Damit werden wir uns jetzt intensiver beschäftigen“, meinte Hanning: „Es soll nicht mehr ganz so lange dauern.“

Trainer-Jungstar Christian Prokop ist der erklärte Wunschkandidat des Verbandes, Weltmeister Markus Baur (TVB Stuttgart) eine starke Alternative. Denn noch hat sich der Deutsche Handballbund (DHB) mit dem Bundesligisten SC DHfK Leipzig, wo Prokop bis 2021 unter Vertrag steht, nicht über die Höhe der Ablösesumme einigen können. „Wir sind in Verhandlungen, haben aber in dieser Angelegenheit eine Schmerzgrenze“, sagte Präsident An-dreas Michelmann.

Der neue Mann soll den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und die Auswahl dauerhaft in der Weltspitze etablieren. „Wir müssen aus den jüngsten Erlebnissen lernen – dann werden wir sowohl bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio als auch 2019 bei der gemeinsam mit Dänemark auszurichtenden WM erfolgreich sein“, sagte Hanning. Nächstes Ziel ist zuvor die erfolgreiche Titelverteidigung bei der EM 2018 in Kroatien.

Spätestens bis zum 1. Juli soll die Nachfolge geregelt sein. „Wir werden uns jetzt in aller Ruhe hinsetzen, wir haben keine Eile“, sagte Hanning. Den herben Rückschlag nahm er relativ gelassen hin: „Ich habe immer gesagt, dass wir Zeit brauchen, etwas Großes aufzubauen. Dabei haben wir jetzt schon eine olympische Bronzemedaille und EM-Gold geholt. Von daher ist der Schnitt nicht so verkehrt.“

Zunächst muss das junge Team aber die Enttäuschung über das Aus im WM-Achtelfinale verarbeiten. Denn die 20:21-Pleite gegen Katar hinterließ tiefe Spuren. „Ich bin gnadenlos enttäuscht. Wir hatten uns vorgenommen, Weltmeister zu werden“, redete Torhüter Andreas Wolff Klartext. Paul Drux beschrieb die Stimmungslage mit drastischen Worten: „Das ist ein total beschissenes Gefühl.“

Auch Bundestrainer Sigurdsson war nach dem vorzeitigen Ende seiner Erfolgsära am Boden. „Es ist mit Abstand die größte Enttäuschung. Natürlich hätten wir uns alle mehr vorgestellt“, meinte der Isländer. Seine private Zukunft liegt in der Heimat, seine sportliche in Japan.

Auch wenn das Werk des 43-Jährigen unvollendet blieb, möchte der DHB dem scheidenden Coach einen feierlichen Abschied bereiten. „Es ist denkbar, dass Dagur beim Allstar Game verabschiedet wird“, sagte Hanning. Dabei trifft die Nationalmannschaft am 3. Februar in Leipzig auf eine Bundesliga-Auswahl.

Ex-Bundestrainer Heiner Brand sieht eine rosige Zukunft: „Das ist im Augenblick natürlich sehr schade. Aber ich sehe überragende Möglichkeiten. Die Mannschaft ist so gut aufgestellt und hat Perspektive“, sagte der Weltmeister-Trainer von 2007.

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