HANNOVER - Der Sportbund habe keinen Einfluss auf den Judoverband genommen. Der Ex-Judopräsident schade dem Sport.
Von Olaf reichert
HANNOVER - In der Affäre um den verhafteten Judo-Olympiatrainer Jürgen K. (53) wehrt sich der Landessportbund (LSB) gegen Vorwürfe von Norbert Schulz, dem Ex-Präsidenten des Niedersächsischen Judo-Verbandes (NJV). Schulz hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt, der LSB habe im Jahr 2002 auf interne Untersuchungen gegen den Trainer zu Gunsten von K. Einfluss genommen. „Wir behalten uns rechtliche Schritte gegen Schulz vor“, so LSB-Präsident Wolf-Rüdiger Umbach.Der 53-jährige Polizist und Judotrainer Jürgen K. war seit 1999 vom Land zu 50 Prozent für den LSB zur Betreuung von Top-Athleten freigestellt worden. Ihm wird u.a. Bestechlichkeit und Betrug vorgeworfen.
Der LSB habe in der „Angelegenheit Trainer K.“ keinen Einfluss auf den NJV genommen, seine „Prüfpflichten und -möglichkeiten in vollem Umfang erfüllt, nicht mit Gefälligkeitsgutachten gearbeitet“ und „durch sein Verhalten die Höhe eines eventuell entstandenen Schadens nicht beeinflusst“, so der Verband.
Schulz hatte dem LSB vorgeworfen, einen K. belastenden Revisionsbericht unter Verschluss zu halten. Dazu stellt der LSB fest, dass es sich dabei um das Ergebnis einer Sichtung gehandelt habe, die Grundlage eines Revisionsverfahrens gewesen sei. Dabei wurden die Abrechnungsvorgänge im NJV gegenüber dem LSB überprüft. „Die Prüfung fand in Osnabrück statt, dem Wohnort des damaligen Schatzmeisters“, so der Sportbund. Sie habe zu „neuen, transparenten Abrechnungsmodalitäten“ geführt.
Die vom NJV verlangte Aufhebung der Freistellung des Trainers lehnte der LSB im April 2002 ab, weil er „keine direkte Verbindung zwischen den Vorwürfen des Verbandes und der Tätigkeit als Trainer am Olympiastützpunkt Niedersachsen erkennen konnte“.
Später habe das LSB-Präsidium einen weiteren Bericht in Auftrag gegeben, um dem zusätzlichen Vorwurf des Zeitbetruges durch K. nachzugehen. „Beide Prüfungen erbrachten keine Hinweise auf eine Schädigung des LSB“, so der Verband. Auch das Innenministerium habe den Vorwurf des Zeitbetruges verneint. Der LSB betont zudem, dass die Teilnehmer eines Schlichtungsgesprächs bei Präsident Umbach am 25. Juni 2002 am Ende des Treffens einen Vereinbarungstext vorgelegt bekamen, der keine Schweigeverpflichtung enthalten habe.
„Ich bedauere dieses öffentliche Auftreten des ehemaligen Judo-Präsidenten sehr, denn er schadet dem Ansehen des organisierten Sports“, sagte Umbach. „Sein Verhalten kann ich mir nicht erklären, denn er und der NJV haben die Unterlagen vorliegen, die seine Interpretationen einfach nicht zulassen.“
