HARPSTEDT - In den zwölf Jahren, in denen Jürgen Badberg seinen Dienst in Harpstedt versieht, musste er erst drei- oder viermal eine Person festnehmen, musste nie mit seiner Dienstwaffe auf jemanden zielen oder sich gar eine wilde Verfolgungsjagd mit einem Flüchtigen liefern. In der Polizeistation an der Burgstraße in Harpstedt, der einzigen in der Samtgemeinde, geht es eher ruhig zu. Was nicht heißen will, dass Jürgen Badberg und sein Kollege Detlef Hannemann nicht auch im Sinne des Bürgers und der öffentlichen Sicherheit wertvolle Arbeit leisten.

„Wir sitzen nicht den ganzen Tag im Büro und warten, dass etwas passiert“, räumt Jürgen Badberg mit der Vorstellung auf, in einer Zwei-Mann-Station, die nur tagsüber besetzt ist, gebe es nicht viel zu tun. Neben der Aufnahme von Strafanzeigen bei Eigentumsdelikten, Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen, gehören Vernehmungen, Ermittlungen und Befragungen zum Alltag, werden kleinere Einbrüche und Unfälle aufgenommen, Schulwege überwacht sowie Streifenfahrten durch die Samtgemeinde Harpstedt, der flächengrößten Gemeinde im Landkreis Oldenburg, unternommen. „Das meiste ist zudem mit viel Schreibarbeit verbunden“, erzählen die Polizeibeamten Badberg (50) und Hannemann (52).

Besonders wichtig ist den beiden Ordnungshütern, die seit fünf Jahren ein Team bilden, sich als Anlaufstelle für „die kleinen Sorgen des Bürgers“ zu verstehen. „Wir sind die Jungen für alles“, sagt Jürgen Badberg lachend. Auch wenn die meisten Bürger mit Kleinigkeiten kämen, über die sie sich geärgert haben, oder es oftmals um zivilrechtliche Angelegenheiten gehe, für die die Polizei nicht zuständig sei, so sei eines gewiss: „Wir versuchen, niemanden wegzuschicken, ohne ihm zumindest einen Ratschlag mitzugeben“, so die beiden Kommissare, die übrigens nichts dagegen haben, als „Dorfpolizisten“ bezeichnet zu werden. „Den Begriff sehe ich nicht als negativ. Er sagt doch, dass man uns als zum ,Dorf‘ dazugehörig sieht“, ist Jürgen Badberg überzeugt, auch wenn er und Detlef Hannemann nicht in der Samtgemeinde wohnen. „Im Vergleich zu Wildeshausen ist es hier intimer, und im Laufe der Jahre kennt man sich“, so die beiden Familienväter. Und dadurch, dass die Polizeistation an Harpstedts

Hauptverkehrsstraße liege, sei auch die Hemmschwelle geringer, reinzukommen und sein Anliegen vorzutragen.

Dass diese exponierte Lage nicht verhindert, auch einmal von Straftätern „besucht“ zu werden, zeigt ein Vorfall vor einigen Jahren. Damals warfen Unbekannte das Fenster zur Polizeistation mit einem Gullydeckel ein und stahlen ein Funkgerät. Das blaue Polizeischild außen wurde sogar schon zweimal von „Langfingern“ entwendet. . .