HARPSTEDT - Ein Leben ohne Pferde und Reitsport ist für Carola Straube-Thiel fast undenkbar. Schon im Alter von sechs Jahren entdeckte sie das Glück der Erde auf dem Rücken eines Voltigier-Pferdes. Im Reitverein Samtgemeinde Harpstedt beließ sie es aber nicht beim Voltigieren, sondern schwang sich in den Reitsattel.

„Im Laufe der Jahre ritt ich mit meinem Pony ,Nausi Toscana‘ in der Vielseitigkeit – ich war sogar Zweite bei der Deutschen Meisterschaft. Danach entfachte erst die Leidenschaft für die Dressurreiterei. Hier konnte ich als 21-Jährige auch bei der Deutschen Meisterschaft teilnehmen und platzierte mich damals sogar vor Nicole Uphoff mit ,Rembrandt‘", erklärte Straube-Thiel in einer Pause beim Vereinsturnier der Waldreitschule Dötlingen. Dort saß sie als Richterin. Aktuell bewertet sie Prüfungskandidaten bis zur Klasse S in der Dressur. Bereits seit 1999 übt die Harpstedterin dieses Amt aus. Doch der Weg dorthin war weit und nicht immer einfach.

Auf der eigenen Anlage mit 60-Meter-Viereck und kleinem Stall mit Pflegerin konnte sie ihr Talent weiter entwickeln und reitet seit Jahren selber bis zur Klasse S in der Dressur. Im Stall steht „Hero of Fashion“, ein Hannoveraner Wallach, der auf den Namen „Heinrich“ hört. Daneben hat die Harpstedter Unternehmerin aber auch noch ein junges Eisen mit Namen „Darwin“ im Feuer. Den Trakehner-Wallach von Buddenbrock will die Dressurreiterin in diesem Jahr ab der Klasse M auf Turnieren vorstellen.

Doch wie kommt man aus dem Sattel in den Richterstuhl, wechselt quasi die Seiten? „Irgendwann bin ich von den renommierten Richtern Fidi Ahlers und Dierk Wardenburg gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, Richterin zu werden. Ich willigte ein, und habe 1999 meine Grundprüfung abgelegt – weiter ging es mit Basis und Aufbau, sprich Jungpferde-Prüfungen, M-Dressur sowie M-Springen. Und im November 2007 habe ich nun meine Prüfung der S-Dressur-Richterin in Warendorf vor der Deutschen Richtervereinigung bestanden", erklärte sie nicht ohne Stolz. Bis Intermediare I darf Straube-Thiel auf Turnieren nun richten. „Ich werde auch gerne im Dressurbereich weitermachen", meinte sie, denn da gibt es noch den Grand Prix Special und Intermediare II. Freilich muss dazu noch eine weitere Prüfung bestanden werden.

Mentor von Carola Straube-Thiel war Dierk Wardenburg aus Berne. Er schulte die Harpstedterin und gab ihr die nötige Unterstützung. Nun greift Carola Straube-Thiel den Nachwuchsrichtern unter die Arme, denn seit 2007 ist auch sie Mentorin für die Richter-Nachwuchsausbildung.

Die Richterszene gerade im Oldenburger Land kann sich freuen, denn Nachwuchs ist rar gesät. Erfreulich ist, dass mit Carola Straube-Thiel eine Reiterin aus der Praxis das Richterhandwerk fortführen will – und das als Frau in einem Bereich, der vor einigen Jahren noch eine Männerdomäne war.