HATTEN - Die Olympischen Spiele von Athen waren der bisherige Höhepunkt seiner Laufbahn. Hindernisse für Springpferde fertigt er selbst an.
Von Manuela Ellmers
HATTEN - Die beiden Wochen vom 20. August bis zum 3. September 2006 sind im Terminkalender von Hans-Werner Sattler bereits rot umrandet. Denn dann trifft sich die Elite des internationalen Reitsports zu den Weltreiterspielen in Aachen. Auch Sattler ist dann mit von der Partie. Als Parcours-Designer stellt der 57-Jährige aus Hatten (Landkreis Oldenburg) Ross und Reitern berufsbedingt Hindernisse in den Weg. „Die Gespräche, inwieweit ich dort eingebunden werde, laufen Anfang Februar“, erzählt er.Die Olympischen Spiele 2004 in Athen bezeichnet Sattler als bisherigen Höhepunkt seiner Laufbahn. Als Co-Parcours-Chef war er für den Aufbau der Hindernisse beim Springreiten mitverantwortlich. Dass die deutschen Parcours-Designer international buchstäblich eine Vorreiterrolle spielen, liegt aus seiner Sicht an der sprichwörtlichen Gründlichkeit und Zuverlässigkeit. „Der Aufbau ist immer eine Gratwanderung“, sagt der 57-Jährige.
„Reiter und Pferd sollen sich im Verlauf der Veranstaltung einerseits steigern, andererseits soll ja auch selektiert werden.“ Aus seiner Sicht ist der Aufbau eines Parcours heute technischer und optisch anspruchsvoller geworden. „Früher war die Linienführung der Springbahnen oft sehr monoton, die Hindernisse waren schwarz-weiß und wuchtig“, erklärt Sattler. Er fertigt in seiner Tischlerei selbst Oxer und andere Barrieren und liefert sie bis nach Saudi-Arabien und Japan.
„Je leichter und luftiger die Hindernisse wirken, desto höher ist der Schwierigkeitsgrad.“ Dekorationselemente, die zum Beispiel von anderen Sportarten wie Fußball oder Leichtathletik beeinflusst sind, sollen den Parcours für die Zuschauer zusätzlich attraktiv machen.
Derzeit arbeitet Sattler am Computer die Parcours-Entwürfe für das Kampmann-Pferdesportfestival vom 23. bis 26. Februar in Bremen aus. „Nach dem Umbau der ehemaligen Stadthalle zum AWD-Dome gibt es jetzt eine etwas größere Reitfläche“, erzählt er. Insgesamt betreut Sattler als Parcours-Chef knapp 30 nationale und internationale Turniere im Jahr. „Es gibt in Deutschland eine Hand voll guter Leute und da ist Sattler mit den anderen in einem Atemzug zu nennen“, sagt Friedrich Otto-Erley, Abteilungsleiter Turnier- und Spitzensport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, und betont: „Andere Länder haben nur einen oder zwei.“
Dabei war es ein Zufall, der den gelernten Fahrzeugbauer auf die Pferdestärken umsatteln ließ. „Ich war bis zum Ende meiner Bundeswehrzeit selbst im Reitsport aktiv“, erzählt der 57-Jährige. „Als ich damit aufhörte und mein Freundeskreis auseinander zu fallen drohte, wurde ich angesprochen, ob ich nicht mal eine Springbahn aufbauen wollte. Das war vor 30 Jahren und es macht mir immer noch Spaß.“
