Westerscheps - Auf einem großen Schild am Eingangsbereich bei der Sandabbaustelle an der Kortenmoorstraße in Westerscheps wird gewarnt: „Lebensgefahr – Betreten und Baden verboten“ heißt es da.

„Baggerseen sind tückisch“, sagt Wolfgang Hilgen, Geschäftsführer des Friedrichsfehner Unternehmens Hilgen Busreisen/Transporte/Erdarbeiten, das die Sandabbaustelle betreibt. „Baggerseen sind nicht nur mit 25 bis 30 Metern tiefe Gewässer, sondern sie haben auch steile, labile Ufer. Diese können plötzlich abbrechen und Badende mit sich reißen. Außerdem sind die Temperaturen in Baggerseen sehr unterschiedlich.“ Das Oberflächenwasser sei im Sommer warm, aber wenn man hineinspringe, gerate man in kühles Wasser., das könne einen Kälteschock mit Herzversagen zur Folge haben.

Vor Jahren hatte das Unternehmen große Probleme mit Badenden, berichtet Hilgen, weil trotz Sicherheitsszaun und Warnschilder immer wieder Badende aufs Gelände kamen, um sich zu sonnen und schwimmen zu gehen.

„Das glitzernde Wasser lockt, aber es kann leicht zu einer tödlichen Falle werden“, sagt Ralf Zimmermann von der Ortsgruppe Bad Zwischenahn der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Die meisten Badeunfälle, bei denen Menschen ertrinken würden, geschähen in Baggerseen und an unbewachten Badestellen wie in Flüssen oder Seen. Baggerseen, wo mit großem Gerät Sand oder Kies abgebaut werde, seien besonders gefährlich. Beim Baggersee ginge es oft wenige Meter flach ins Gewässer hinein, dann werde es plötzlich richtig tief. Das würden Badende ebenso leicht unterschätzen wie die unterschiedlichen Wassertemperaturen. Außerdem könnten sich durch Zu- und Abläufe Strömungen bilden und die Ufer könnten abbrechen, obwohl an der Stelle gar nicht gearbeitet würde.

Unabhängig von den Gefahren sei es Hausfriedensbruch, wenn man sich trotz eines Zauns und Hinweisschildern Zutritt zu dem Gelände verschaffe, so Zimmermann. Unbefugtes Betreten könne auf Antrag des Eigentümers auch verfolgt werden.

Wenn man auf einen See hinausschwimme, das niemals ein Baggersee sein solle, sollte man aus Sicherheitsgrünen ohnehin zu zweit sein, so der Fachmann. Mit einem Krampf, den man plötzlich bekäme, könnten nur sehr erfahrene Schwimmer umgehen; andere gerieten in Panik und benötigten Hilfe.

„Wir können trotz aller Bemühungen nicht verhindern, dass Menschen, wenn es partout wollen, auf unser Gelände kommen“, sagt Wolfgang Hilgen. Man könne einfach nur an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen appellieren und sie vor leichtsinnigem Verhalten warnen. „Geht in Bädern oder an bewachten Gewässern, aber niemals an einen Baggersse schwimmen“, fordert er.

74 Hektar groß ist das Gelände an der Kortenmoorstraße, das dem Friedrichsfehner Unternehmen gehört. Sand wird derzeit vor allem auf dem hinteren Teil abgebaut. Eingesetzt wird der Rohstoff auf vielfältige Weise, vor allem zum Bau von Häusern und Straßen (zum Beispiel zum Austausch dicker Moorschichten).

Auch wenn der Sandabbau an der Kortenmoorstraße noch Jahre dauern wird, gibt es schon Pläne für die Zukunft. „Wir vom Fischereiverein Scheps haben den Baggersee gepachtet und wollen dort mittel- bis langfristig einen Biotop anlegen“, sagt Hans-Jürgen Doweideit, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Geplant sei in enger Zusammenarbeit mit dem Landesfischereiverein unter anderem, an den seichten Stellen Pflanzen anzusiedeln, auf dem Gelände Nistmöglichkeiten für Vögel zu schaffen und Biotopfische im Gewässer auszusetzen. „Wir wollen dazu beitragen, dass hier ein Refugium für Flora und Fauna entsteht“, berichtet das Vorstandsmitglied der Schepser Fischer.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede