Frankfurt - Die frühere Tennis-Königin Maria Scharapowa kann sich nach der Wende im Meldonium-Fall neue Hoffnung auf Straffreiheit machen. Der Tennis-Weltverband ITF hat nach der Lockerung der Regularien durch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada eine Anhörung der suspendierten Russin angekündigt. „Angesichts der jüngsten Stellungnahme der Wada bezüglich der Behandlung der Fälle mit Meldonium“ werde die ITF die frühere Weltranglisten-Erste „in Übereinstimmung der Wada-Empfehlungen“ befragen, teilte der Verband am Donnerstag auf seiner Internetseite mit.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat derweil mit Genugtuung auf die Lockerung reagiert: „Diese Substanz konnte niemals als Dopingmittel betrachtet werden.“ Während Doping-Experte Mario Thevis die Wada für ihre Lockerung in Schutz nahm, bezeichnete der deutsche Leichtathletik-Chef Clemens Prokop den Vorstoß in puncto Meldonium als „Skandal“. Dies sei „ein schwerer Schlag gegen die Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf“, sagte der Jurist. Der Rückzieher sei „ein Armutszeugnis“ der Wada. Sportrechtler Michael Lehner kritisierte das Einnahme-Verbot des Mittels als „Schnellschuss“. Meldonium bezeichnete er als „russisches Aspirin, das frei zu bekommen ist“.

Die Wada hatte Meldonium zum 1. Januar 2016 auf die Dopingliste gesetzt. Scharapowa wurde bei den Australian Open im Januar positiv getestet und ist derzeit suspendiert. Die Frage ist, wie hoch die Konzentration in ihrer positiven Probe war. Bei einem von der Wada nun akzeptiertem Wert von unter einem Mikrogramm pro Milliliter hätte sie nichts zu befürchten. Bei einem Wert zwischen 1 und 15 wären weitere Untersuchungen fällig.

Laut Forscher Thevis von der Deutschen Sporthochschule in Köln zeige die Studie, „dass es offenbar zwei Phasen der Ausscheidung gibt. Eine sehr schnelle und eine sehr langsame. Die zweite Phase kann möglicherweise einige Monate andauern. Das ist so nicht erwartet worden“, kommentierte Thevis eine Pilotstudie, die zur Lockerung der Regularien geführt hatte.