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Segelfliegen Hoch hinaus über Großer Höhe

Große Höhe - Na gut, die Sitzschale knarzt kräftig bei jedem Richtungswechsel, das mag an meinem Gewicht liegen. Unüberhörbar nervt auch der Dauerton des akustischen Signals, das im Steigflug zum schrillem Fiepen mutiert und beim Absinken in immer tieferes Dröhnen verfällt. Wer also meint (so wie ich bisher), beim Segelflug sei nichts zu hören als das Rauschen der Lüfte, wird gleich nach dem Start eines Besseren belehrt.

Aber die kleinen Nebengeräusche beeinträchtigen nicht im Geringsten das große Gefühl, einfach durch den Himmel zu schweben – hunderte Meter über dem Boden, ohne Motor und Propeller, nur mit Hilfe von Thermik und Aerodynamik. Dieses Gefühl lernte am Wochenende ein gutes Dutzend Segelflug-Neulinge kennen: bei einem Schnupperkursus des Luftsportvereins Delmenhorst auf der Großen Höhe.

„Cool war’s“, schwärmt am Sonntagmittag Oliver Kleps aus Seckenhausen, nachdem er just von einer halbstündigen Tour mit Fluglehrer Heiko Gesierich zurückgekehrt ist. „Nur manchmal, wenn wir langsamer wurden, hatte ich ein Kribbeln im Bauch“, gesteht der 14-Jährige.

Mit 14 in die Lüfte

Ab 14 Jahren dürfen Jugendliche beim LSV Delmenhorst in die Luft gehen. Im Doppelsitzer bringt ihnen der Fluglehrer bei, was sie wissen müssen, und schon nach gut zehn Stunden Flugzeit – das sind zwischen 60 und 80 Starts – dürfen sie allein fliegen. „Das kommt auf das Geschick des Einzelnen an“, meint Jürgen Bremer, Flugleiter des Vereins. „Segelfliegen ist leicht zu erlernen.“

Oliver Kleps kann sich vorstellen, aus dem Schnuppern ein festes Hobby zu machen, ebenso die gleichaltrigen Cedric Trülzsch aus Delmenhorst und Sergio Camgöz aus Stuhr. Auch sie absolvieren an diesem Wochenende die ersten Segelflüge ihres Lebens und sind begeistert. „Nach jedem Kursus bleiben zwei, drei Teilnehmer bei uns hängen“, freut sich Jürgen Bremer über permanenten Nachwuchs im 130 Mitglieder starken Luftsportverein.

Aber nicht nur Jugendliche kommen zum Schnuppern auf die Große Höhe. Klaus Hobbiebrunken zum Beispiel ist schon 55 und vorher auch noch nie ohne Motor in die Luft gegangen. „Ich wollte das immer schon mal machen“, erzählt der Westersteder, „ein Kollege von mir fliegt hier im Verein, und jetzt habe ich mal die Gelegenheit genutzt.“

Sicherheit geht vor

Bis zu sechsmal können die Kursteilnehmer am Wochenende mitfliegen, zwischendurch helfen sie beim Start oder tauschen einfach bei strahlender Sonne im grünen Gras ihre Eindrücke aus. Am Anfang gibt es eine Sicherheitseinweisung und ein bisschen Grundlagenwissen, danach steigen sie abwechselnd in die insgesamt vier Flieger, die der Verein für das Schnupper-Wochenende bereitgestellt hat.

Mit Hilfe einer Motorwinde werden die Segler an einem 55 Millimeter starken Kunststoffseil in die Luft gezogen, in 350 bis 400 Metern Höhe klinkt der Pilot das Seil aus. Und dann sucht er nach geeigneter Thermik, die auf der Großen Höhe leicht zu finden ist. „Der trockene Sandboden hier ist ideal fürs Segelfliegen“, erklärt Jürgen Bremer. Ein erfahrener Pilot kann stundenlang in der Luft bleiben und dabei hunderte Kilometer Strecke zurücklegen.

So lange fliegen die Kursteilnehmer nicht, sie sollen ja alle mal drankommen und erstmal nur schnuppern. Ich bin übrigens schon nach 15 Minuten wieder gelandet. Aber schön war’s!

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)
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