Schladming - Maria Höfl-Riesch hatte feuchte Augen, als sie die deutsche Nationalhymne leise mitsang. Nur mit größter Mühe hielt sie ihre Tränen zurück. Weltmeisterin in der Super-Kombination – das kam der 28-jährigen Partenkirchnerin ganz offensichtlich vor wie ein unwirklicher Traum.
Ohne die ganz großen Erwartungen war sie fünf Tage zuvor nach Schladming gekommen. Nach einer mühsamen Saison mit vielen kleinen Enttäuschungen. Nun stand Höfl-Riesch, 2010 schon Olympiasiegerin im alpinen Zweikampf und im Slalom, am Fuße der Planai plötzlich ganz oben auf dem Podium.
Jubelsprung im Zielraum
„Gold, das ist Wahnsinn, Wahnsinn!“, rief sie nach einem ihrer „größten Siege“, dem zweiten bei einer WM nach jenem 2009 im Slalom: „Das hat den höchsten Stellenwert, den man sich nur vorstellen kann. Ich kann es gar nicht glauben“, betonte sie wieder und wieder.
Höfl-Riesch, die trotz der klobigen Skistiefel beschwingt umher lief und jeden umarmte, der ihr in die Quere kam, war Vierte gewesen nach der Abfahrt. Sie lag nur 0,20 Sekunden hinter der Führenden: Und die hieß Tina Maze, die alles überragende Läuferin des Winters und Weltmeisterin im Super-G.
Im Slalom griff Höfl-Riesch an, fast schien es allerdings, als würde es wieder nicht reichen. Doch als Maze ins Ziel fuhr und die „2“ hinter dem Namen der Slowenin aufleuchtete, hüpfte Höfl-Riesch schlagartig hoch und stürmte in den Zielraum. Dort fuhr Maze auf sie zu und umarmte „Gold-Marie“ herzlich. Beide sind auch Mitfavoritinnen auf den Abfahrtstitel an diesem Sonntag (11 Uhr/ARD).
„Ich habe so viel Druck am Start gefühlt, wollte ruhig bleiben. Ich habe gekämpft, aber Maria war einfach besser“, sagte Maze, die 0,46 Sekunden langsamer war. Dritte wurde Nicole Hosp aus Österreich, die den Gastgebern die erste Medaille bescherte. „Dass ich die Tina Maze hier schlagen kann, das hätte ich nie geglaubt“, meinte Höfl-Riesch: „Sie ist so stark, da habe ich mir gedacht: Silber ist auch super – und jetzt bin ich Weltmeisterin.“
Familie jubelt auf Tribüne
Auf der Tribüne jubelten die Eltern Monika und Sigi, auch Ehemann Marcus. Dieser hatte Höfl-Riesch nach den Problemen im Saisonverlauf sogar geraten, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Auch ich habe manchmal gezweifelt an meinen mentalen Stärken“, gab sie offen und ehrlich zu.
Am Freitag aber hatte sie alles im Griff. Die Nerven. Die Konkurrenz. Höfl-Riesch erschien zum Slalom schon mit einem Lächeln am Starthaus – und fuhr zu Gold.
