Ovelgönne - „Klar, wenn man Triathlon betreibt, muss man schon eine kleine Macke haben.“ Eher eine große – könnten zumindest diejenigen denken, die den Trainingsplan des in Ovelgönne aufgewachsenen Christian Hörper kennen. Bis zu 30 Stunden investiert der 27-Jährige pro Woche in seinen Sport. Er ist seit kurzem stolzer Inhaber einer Profi-Lizenz.
Am Mittwoch ist Hörper ins französische Aix en Provence aufgebrochen, um dort seinen ersten Profi-Wettkampf zu bestreiten. Am Sonntag kämpft er in der Disziplin Ironman 70.3 um den Sieg. Das bedeutet: Er muss 1,9 Kilometer schwimmen, 90 Kilometer Rad fahren und einen Halbmarathon über 21,2 Kilometer laufen. Obwohl Hörper eine gute Platzierung anstrebt, dient der Wettkampf eher als Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. „Am 9. August findet in Wiesbaden die Europameisterschaft statt“, sagt Hörper. Genau an diesem Tag möchte er sich in Topform befinden.
Aber wie kommt ein Sportler überhaupt auf die Idee, seinen Körper derart zu schinden? „Ich habe Spaß daran, mich zu quälen“, sagt Hörper. Das sei die Grundvoraussetzung, um an seine körperlichen Grenzen und darüber hinaus zu gelangen.
Gute Zeit ohne Aufwand
Dabei hatte er in seiner Jugend noch nicht viel mit Sport am Hut: Ab und zu mit Freunden in die Muckibude – das war’s. Die Liebe zum Ausdauersport fand Hörper erst nach seinem Eintritt in die Bundeswehr 2005. „Dort fand irgendwie alles im Dauerlauf statt“, erzählt Hörper. Schnell reifte der Gedanke, irgendwann einmal einen Marathon laufen zu wollen. Als er diesen ohne großen Trainingsaufwand in guten 3:17 Stunden absolvierte, schlugen seine Ausbilder vor, es vielleicht auch einmal mit Triathlon zu probieren. „Dann habe ich mir ein Fahrrad gekauft, bin mit dem Schwimmtraining angefangen, und schon ging es los“, sagt Hörper. Seit 2012 startet er für den Triathlon-Club Oldenburg – auch „Die Bären“ genannt.
Einen großen Leistungssprung machte er 2013 mit der Verpflichtung des Startrainers Lubos Bilek aus Freiburg. Der Tscheche hat auch Sebastian Kienle unter seine Fittiche. Kienle hat im vergangenen Herbst den weltberühmten Ironman auf Hawaii gewonnen hatte. „Ich tausche mich mit Lubos Bilek regelmäßig aus. Er schreibt meine Trainingspläne. Seitdem wir zusammenarbeiten, werden meine Zeiten immer besser“, sagt Hörper. In der Rangliste seiner Altersklasse ist Hörper innerhalb eines Jahres von Platz 48 auf Platz zwei geklettert.
Vor kurzem hat er ein dreiwöchiges Trainingslager auf Fuerteventura absolviert. Dort trainierte er bis zu 30 Stunden pro Woche. Derzeit hat er den Trainingsumfang gedrosselt – er feilt rund 18 Stunden pro Woche an seinem Körper. Die Einheiten haben es dennoch in sich: Er schwimmt viermal die Woche vier Kilometer, läuft überdies bis zu 60 Kilometer und legt 200 bis 300 Kilometer mit dem Rad zurück.
Hobbykoch
Neben dem Sport und seiner Arbeit als Versicherungs- und Finanzanlagefachmann bleibt kaum noch Zeit für andere Aktivitäten, obwohl er sich gerne mit seinen Freunden trifft. Auch Kochen gehört zu seinen Hobbys. „Durch den Sport habe ich zudem meine Leidenschaft für das Reisen entdeckt“, sagt Hörper.
Die Reisen zu den Wettkämpfen, der Trainer und die Ausrüstung müssen auch finanziert werden. „Ich muss deshalb auf viele Dinge verzichten. Aber ich mache das gerne“, sagt er. Immerhin hat er mittlerweile ein paar Sponsoren an seiner Seite, doch diese decken längst nicht alle Kosten. Ein Sieg in Wiesbaden würde das Konto füllen. Der Europameistertitel wird mit 14 000 US-Dollar honoriert.
Dass Hörper seinen Status vom Amateur zum Profi verändert hat, ist mit großen Zielen verbunden. „Ich will an die Weltspitze und mich mit den Allerbesten messen“, sagt er. Ein paar Jahre lang möchte er noch in der Disziplin Ironman 70.3 unterwegs sein, dann aber auf die Langstrecke wechseln. Dort wird er die doppelten Distanzen absolvieren müssen: Dann müsste er 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einen Marathon laufen. Hörper hat schon recht: Man muss eben eine kleine Macke haben, um diesen Sport zu betreiben.
