HOOKSIEL - Rund 50 Hunde aus Spanien jeden Alters, jeder Größe und jeder Fellfarbe flitzen über den Strand von Hooksiel. Sie spielen und toben ausgelassen, springen in die Nordsee, schnuppern hier und da und setzen zum nächsten Sprint an.
Begleitet werden sie dabei von rund 60 Menschen, bei denen sie ein Zuhause gefunden haben. Gemeinsam mit ihren Frauchen und Herrchen nahmen sie am Dienstagnachmittag am großen Hundespaziergang des Vereins „Hunderettung-aktiv“ aus Schortens um Vorsitzende Sabine Bijnen teil.
Der Verein, der seit Juni 2010 besteht, holt Hunde aus Spanien nach Deutschland und vermittelt sie an ausgewählte Familien. Seit der Vereinsgründung fanden Bijnen zufolge rund 200 Hunde in Deutschland ein neues Zuhause.
Weite Anreise
Einige der sogenannten „Adoptanten“ haben mit ihren Hunden sogar eine weitere Anreise in Kauf genommen, um an dem Treffen teilzunehmen, so Bijnen. „Der Kontakt ist sehr gut und heute sind sogar Familien aus Hannover und Diepholz dabei“, berichtet sie.
„Es ist ein tolles Gefühl, die Hunde mit ihren ehemaligen Leidensgenossen jetzt so fröhlich zu sehen“, sagt Sabine Bijnen. „Wir haben eine sehr geringe Rücklaufquote, bisher sind nur vier Hunde wieder an uns zurückgegeben worden. Das liegt daran, dass wir sehr genau kontrollieren, wohin unsere Hunde vermittelt werden. Schließlich soll es ihnen endlich gut gehen“, so die Tierschützerin.
Die Hunde am Strand von Hooksiel scheinen ihre Vergangenheit inzwischen weit hinter sich gelassen zu haben. Es ist ihnen nicht mehr anzusehen, dass sie aus spanischen Tierheimen und spanischen Tötungsstationen, sogenannten Perreras, kommen, in denen die Bedingungen Bijnen zufolge „ziemlich schlecht sind“.
Leidensgeschichten
„In den Perreras können alle Hunde einfach abgegeben werden, egal ob sie alt oder jung, gesund oder krank sind. Auch Hundemütter mit ihren Welpen landen dort“, sagt sie. Finden sie innerhalb von 14 Tagen kein neues Zuhause, dann wartet auf sie nur noch der Tod. „Auch die Bedingungen in den Tierheimen sind nicht optimal, es gibt dort einfach zu viele Hunde, um alle gut zu versorgen“, meint sie.
Die meisten Hunde, die am Hundetreffen teilnehmen, das zweimal im Winter und einmal im Sommer stattfindet, haben eine derartige Vergangenheit hinter sich. Sie waren Straßenhunde und mussten sich durchschlagen, sie waren Weihnachtsgeschenke und wurden lästig, sie waren Gebrauchsgegenstände und wurden entsorgt. Jeder Hund hat ein individuelles Schicksal, bei vielen liegen die Details aber im Dunkeln. „Die Hunde haben in Spanien keinen Stellenwert, sie werden oft schlecht behandelt oder von ihren Besitzern abgeschoben, wenn sie ihnen lästig werden“, berichtet Bijnen.
Dennoch gebe es auch Hoffnung, denn „ganz langsam beobachte ich bei der jungen Bevölkerung in Spanien ein Umdenken, deshalb ist es auch so wichtig, nicht nur Hunde nach Deutschland zu holen, sondern auch nachhaltig zu arbeiten. Wir arbeiten deswegen mit Tierschützern in Spanien zusammen, die auch in Kindergärten und Schulen gehen und dort über Tierschutz sprechen, wir schreiben Petitionen an die Politiker und unterstützen Kastrationsprogramme“.
Menschen, die ihr vorwerfen, sie solle ihre Energie lieber in die Einhaltung von Menschenrechten stecken, erwidert sie: „Jeder muss selbst entscheiden, wofür er sich sozial engagiert. Es ist wichtig sich überhaupt zu engagieren, dabei kommt es nicht drauf an, ob es Menschen oder Tiere sind, denn alle leiden. Zudem hat meine Erfahrung gezeigt, dass diese Kritiker selbst oft keinen Finger rühren – für niemanden“.
