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Seenotrettung Mit Segeln und Riemen in See

Melanie Hanz

HORUMERSIEL - Das Ruderrettungsboot „August Grassow“ des Vereins Historische Seenotrettung Horumersiel hat wieder Segel: Am Sonnabend präsentierten die Mitglieder um Vorsitzenden Wieland Rosenboom stolz ihr Boot mit aufgetakelten Segeln auf dem Marktplatz und informierten über ihre Aktivitäten.

2005 gegründet, befasst sich der Verein mit 42 Mitgliedern mit der Geschichte der Seenotrettung in Horumersiel: Seit 1866 gab es im Hafen von Horumersiel eine Rettungsstation, die von Horumersielern unterhalten wurde. „Das waren keine Seeleute, sondern Handwerker, Apotheker, Bauern, die ihr Rettungsboot zu Wasser ließen, wenn ein Schiff die Seenotflagge hisste“, berichtete Rosenboom. „Als Handelshafen war damals viel Betrieb in Horumersiel – die Küstenschifferei ernährte viele Familien.“

Boot liebevoll restauriert

Die „August Grassow“ wurde 1906 gebaut und von den Mitgliedern mit viel Liebe zum Detail restauriert. Auch einen Wagen, mit dem das Ruderrettungsboot einst von sechs bis acht Pferden – zusammen wiegen Rettungsboot und Wagen rund 2,5 Tonnen – zum Einsatz gezogen wurde, haben die Mitglieder nachgebaut. „Segel konnten wir allerdings nicht selbst nähen – das muss schließlich alles passen und sitzen“, so Rosenboom.

Mit Unterstützung der Volksbank Jever und des Horumersieler Wirtepaars Silke und Arno Meents, die zum 30-jährigen Bestehen des „Alten Zollhaus“ auf Geschenke verzichtet und Geld für die Segel gesammelt hatten, konnte das Tuch für 3600 Euro im vergangenen Jahr bestellt werden. Genäht wurden die zwei Luggersegel und eine Fock bei der Segelmacherei der Motorenwerke Bremerhaven.

Die Vereinsmitglieder wollen die „August Grassow“ noch in diesem Jahr zu Wasser lassen, um vorzuführen, mit welcher Kraftanstrengung die Rettungsmänner früher Menschen in Seenot zu Hilfe kamen. Bis es so weit ist, müssen die heutigen Retter allerdings noch üben: „Es ist gar nicht so einfach, das Boot zu rudern, und auch das Segeln müssen wir ausprobieren“, sagt Rosenboom.

„Das waren früher schon wagemutige Männer“, weiß Enno Meinen vom Verein: „Sie waren ja alle keine Seeleute, waren aber bei Rettungsaktionen manchmal drei Tage lang auf See.“ An Bord der „August Grassow“ gab es deshalb auch eine Toilette: Einen Deckel-Eimer mit ausgesägtem Loch. „Bei schlechtem Wetter konnte man ja nicht den Hintern über Bord hängen“, meint Meinen. Solch einen Eimer haben die Vereinsmitglieder bereits nachgebaut – allerdings noch nicht installiert.

Zweites Boot

Eine weitere Besonderheit des Bootstyps: Dank Korkauftrieb an den Seiten sowie Lufttanks im Bug und seitlich ist er unsinkbar. „Selbst wenn die ,August Grassow‘ mit Wasser vollläuft, kann sie noch 20 Leute tragen“, sagt Meinen.

Im Rettungsschuppen im Hafen Wangersiel wartet noch ein zweites Boot, die „Fürstin Bismarck“, auf Sanierung. Die „Fürstin“ war bis 1938 auf Wangerooge stationiert. Allerdings fehlt dem Verein Historische Seenotrettung dafür zurzeit das Geld.

Ein weiteres Projekt, das Rosenboom angehen will, ist der Wiederaufbau des „hohen Stuhls“, der von 1885 bis 1947 am damaligen Horumersieler Hafen – an der Stelle des heutigen „Alten Zollhaus“ – stand. Auf dem Ausguck stand stets ein Wachtposten, der nach Notsignalen Ausschau hielt. „Dieses ehemalige Wahrzeichen Horumersiels wurde 1947 abgerissen, weil es marode war, und als Brennholz vergeben“, weiß Rosenboom.

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