Varel - Noch ist nichts verloren im Kampf um den Klassenerhalt – trotz der schmerzhaften Auswärtsschmach am vergangenen Wochenende im Kellerduell beim OHV Aurich (20:22). Doch wird die Luft für die Drittliga-Handballer der HSG Varel-Friesland sechs Spieltage vor dem Saisonende in der dicht gedrängten zweiten Tabellenhälfte, in der sich aktuell ab dem achten Platz noch keine Mannschaft sicher fühlen darf, immer dünner.
Da das Team des nach der neuerlichen Pleite gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf zunächst spürbar desillusionierten HSG-Trainers Andrzej Staszewski in diesem Jahr auswärts bislang komplett leer ausgegangen ist, muss nun an diesem Sonnabend (19.30 Uhr, Manfred-Schmidt-Sporthalle) ausgerechnet gegen den Tabellenzweiten HF Springe möglichst Zählbares her.
Die HSG-Spieler haben sich unter der Woche in einer mannschaftsinternen Besprechung auf den heißen Saisonendspurt eingeschworen. „Natürlich waren wir nach dem schwachen Spiel in Aurich alle richtig niedergeschlagen, daher war es gut, dass wir uns mal ein paar Wahrheiten und Ansichten gesagt haben“, berichtet HSG-Torwart Andre Seefeldt. „Es ist uns allen unerklärlich, warum wir es alle 14 Tage zu Hause hinkriegen, aber an den anderen Wochenende auswärts eben nicht. Fakt ist aber: Wir stehen noch nicht auf einem Abstiegsplatz und haben es immer noch selbst in der Hand, die Klasse zu halten.“
Dass die Handballfreunde aus Springe nicht unverwundbar sind, wurde am vergangenen Wochenende deutlich, als das Team des Gästetrainers und ehemaligen Nationalspielers Sven Lakenmacher nach sieben Siegen in Folge völlig überraschend zu Hause mit 24:27 dem Oranienburger HC unterlag. Hoffnung aus HSG-Sicht macht zudem, dass die Vareler in diesem Jahr mit den heimischen Fans im Rücken fünf Siege in fünf Heimspielen eingefahren haben – darunter Erfolge gegen den Dritten Altenholz, Vierten Flensburg/Handewitt II und Fünften Potsdam.
Die Gäste aus Springe, zu denen auch der ehemalige Vareler Zweitliga-Spieler Tim Coors gehört, dürften die Partie allerdings schon deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil sie mit einem Auswärtssieg in Varel bereits ihr Minimalziel, die Vizemeisterschaft, rechnerisch sicher unter Dach und Fach bringen würden. Dann könnte sich das Lakenmacher-Team in Ruhe auf eine mögliche Zweitliga-Relegation gegen die ebenfalls aufstiegswilligen Zweitplatzierten der anderen drei Drittliga-Staffeln vorbereiten.
Das Hinspiel gewannen die Handballfreunde letztlich souverän mit 32:26 gegen die HSG. Damals konnten die Vareler, die allerdings ohne Kreisläufer Till Schinnerer angetreten waren und in der 44. Minute zudem Kapitän und Abwehrchef Helge Janßen mit einer Roten Karte verloren, die Partie nur 35 Minuten lang offen gestalten. „Im Positionsangriff hatten wir Springe gut unter Kontrolle“, erinnert sich Seefeldt. „In der zweiten Hälfte haben sich allerdings unsere Fehler im Angriff gehäuft – und diese hat die Mannschaft aus Springe, die das stärkste Tempospiel der Liga praktiziert, knallhart bestraft.“
Im Rückspiel wird es daher vor allem darauf ankommen, den brandgefährlichen Tempohandball der Springer noch besser und über weitere Strecken auszubremsen. Dafür ist vor allem ein blitzschnelles Umschaltspiel von eigenem Angriff auf Abwehr vonnöten. Zudem müssen die Vareler in der Offensive wieder deutlich mehr Durchschlagskraft zeigen als zuletzt in Aurich.
Dabei hoffen die HSG-Anhänger, dass vor allem die zuletzt schwächelnden Torben Lemke, Marek Mikeci und Renke Bitter in dieser entscheidenden Saisonphase wieder mehr Zug zum Tor entwickeln. Auch die enorm hohe Fehlerquote gilt es deutlich zu minimieren, um Gegentreffer der Gäste nach erster oder zweiter Welle zu vermeiden.
Während die Gastgeber personell aus dem Vollen schöpfen können, wird bei Springe HF-Spielmacher Jannis Fauteck (Bänderanriss in der Schulter) fehlen. Zudem steht hinter dem Einsatz von Linkshänder Claus Karpstein, der in der Partie gegen Oranienburg umgeknickt war, ein dickes Fragezeichen.
