Varel - Mit leeren Händen sind die Drittliga-Handballer der HSG Varel-Friesland nicht unerwartet vom schweren Auswärtsspiel bei den Handballfreunden Springe zurückgekehrt. Bis zur 35. Minute (15:14) konnte die Mannschaft von Trainer Andrzej Staszewski die Partie beim Tabellenzweiten zwar offen gestalten, dann brachte ein 4:0-Lauf des Vizemeisters der Vorsaison sowie die wenig später erteilte Rote Karte gegen HSG-Abwehrchef Helge Janßen (44.) die vorab favorisierten Hausherren vor 448 Zuschauern auf die Siegerstraße. Nach der 26:32 (12:12)-Niederlage rutschten die Friesländer auf den vorletzten Tabellenplatz ab, während Springe einziger ernsthafter Verfolger des Tabellenführers Wilhelmshavener HV bleibt.

„Zurzeit gucke ich nicht auf die Tabelle, sondern konzentriere mich voll und ganz auf die Gegner, die machbar sind“, blickte Staszewski bei der Rückfahrt bereits auf die kommenden Aufgaben und bescheinigte seinen Mannen eine gute Leistung in Springe. „Die Jungs haben wirklich versucht, den klaren Favoriten möglichst lange zu ärgern. Es ist keine Schande gegen eine solch starke Mannschaft zu verlieren. Meine Mannschaft hat wieder alles gegeben und an die 55 Minuten lang sehr gute Leistung gegen Aurich angeknüpft.“

Ausschlaggebend war neben der individuellen Klasse der nach der Pause aufdrehenden Mannschaft von HF-Trainer Sven Lakenmacher deren deutlich ausgeglichener und besser besetzte Bank. „Wir mussten um jedes Tor hart kämpfen“, analysierte Staszewski, der auf den mitgereisten, aber grippekranken Till Schinnerer verzichten musste, während der gerade erst wiedergenesene Jonas Schweigart nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. „Bei Springe war es egal, wen Lakenmacher ins Spiel gebracht hat, der Gegner hat dabei nichts an Leistung verloren.“

Den besseren Start in die Partie hatten allerdings die Vareler erwischt. Angeführt von Marek Mikeci, der seine vier Treffer gegen die offensive 6:0-Abwehr der Gastgeber allesamt vor der Pause erzielte, und Regisseur Oliver Staszewski führten die Gäste mit 5:3 (11.) und erkämpften sich nach 30 Minuten ein verdientes 12:12-Remis. Derweil hatte die Vareler 5:1-Abwehrformation vor allem die äußerst gefährliche rechte Angriffsseite der Springer gut im Griff.

Nach dem Seitenwechsel drückte Springe noch mehr aufs Tempo, während die Vareler im Angriff immer öfter mit Zeitspiel konfrontiert und zu Abschlüssen aus schlechten Wurfpositionen gezwungen wurden. Der erste Knackpunkt folgte mit einem Zwischenspurt der Hausherren, bei denen Rechtsaußen Pawel Pietak über Tempogegenstöße (10/3) sowie Lukas Ossenkamp und Jannis Fauteck (beide 5) über die linke Angriffsseite am häufigsten zum erfolgreichen Torwurf kamen.

Springe zog in Überzahl binnen vier Minuten von 15:14 (35.) auf 19:14 (39.) davon. Nachdem Helge Janßen dann nach einem Foul an Ossenkamp die berechtigte Rote Karte gesehen hatte (44.), machte sich der Kräfteverschleiß bei den Friesländern immer mehr bemerkbar. In der 49. Minute lagen sie erstmals mit sieben Treffern in Rückstand (19:26) – die endgültige Vorentscheidung.

„In der zweiten Halbzeit hat mein Team ein anderes Gesicht gezeigt. Wir haben in der Abwehr konzentrierter agiert und sind früher auf die Rückraumspieler herausgetreten“, bilanzierte HF-Coach Lakenmacher und war froh über den am Ende hohen Heimsieg: „Ich wusste, dass es ein schweres Spiel wird.“ Derweil lobte Staszewski nicht nur die Freundlichkeit und Fairness der Springer Mannschaft sowie Zuschauer, sondern auch die „gute Leistung des jungen Schiedsrichtergespanns“.

Henning Busch
Henning Busch Redaktion Friesland (Lokalsport)