Altjührden - Recht bekommen, aber einen Punkt verloren: Auf diese Kurzformel lässt sich das 30:30-Unentschieden der Drittliga-Handballer der HSG Varel-Friesland gegen den TV Korschenbroich am Sonnabendabend in der Manfred-Schmidt-Sporthalle in Altjührden zusammenfassen.

80 Sekunden vor dem Schlusspfiff führte das Team von HSG-Trainer Andrej Staszewski noch mit 30:27, musste dann aber zum Entsetzen der knapp 500 Zuschauer und zum Jubel der mitgereisten Korschenbroicher Fans noch das Remis hinnehmen.

Einen entscheidenden Anteil an der Glückseligkeit der Gäste hatte das Schiedsrichtergespann Peter Bergmann und Daniel Lochner aus Hamburg. Kurz nach dem 28:30-Anschlusstreffer für Korschenbroich durch Max Zimmermann brach Hektik aus.

Die jetzt mit offener Manndeckung agierenden Gäste erkämpften sich erneut den Ball. Zur Bestürzung der Korschenbroicher hatte aber HSG-Trainer Staszewski noch bei Ballbesitz der Vareler eine Team-Auszeit bei dem dafür zuständigen Zeitnehmer Henning Merkelbach beantragt.

Doch Bergmann/Lochner setzten sich über die Entscheidung des Zeitnehmers hinweg und entschieden auf Ballbesitz für den TVK – mit Folgen. Nicolai Zidorn verkürzte auf 29:30 und in der Schlusssekunde hämmerte Michel Mantsch einen Siebenmeter zum 30:30 in die Vareler Maschen. „Der Schiedsrichterbeobachter hat mir gesagt, dass die Schiedsrichter mit ihrer Entscheidung falsch gelegen haben“, ärgerte sich Staszewski noch Minuten nach dem Abpfiff über die Referees.

Doch die Schuld für den unnötigen Punktverlust nur bei den Schiedsrichtern zu suchen, wäre zu kurz gegriffen. Die Vareler konnten nur phasenweise an die Glanzvorstellung der vorigen Woche, als sie den VfL Fredenbeck 30:28 besiegten, anknüpfen. Zu Beginn des Spiels lief es für die Gastgeber zwar wie am Schnürchen – schnell führte die HSG mit 6:2 (9.) –, aber dann schlich sich zunehmend Unkonzentriertheit vor allem in der Offensive ein. Marek Mikeci, Malvin Patzack und Tom Wiedenmann zielten übers Korschenbroicher Gehäuse. Nach dem Ausgleich der Gäste (12.) setzten sich die Vareler aber bis zum Pausenpfiff wieder auf 16:12 ab.

Im Gegensatz zum Fredenbeck-Spiel, als die HSG mit einem Blitzstart in Hälfte zwei den Grundstein für den Sieg legte, schienen die Vareler diesmal nicht wach zu sein. Innerhalb von nur fünf Minuten war der komfortable Vier-Tore-Vorsprung dahin. Mit Unterstützung der Fans fanden die Gastgeber dann aber über den Kampf wieder ins Spiel. Das Manko blieb in der Folgezeit aber die mangelnde Chancenverwertung.

Die HSG tat sich gegen die quirligen Korschenbroicher Abwehrspieler immer wieder schwer. Zudem wurde zu häufig der Abschluss über den Rückraum versucht. Das variable Spiel, das die Vareler in den letzten Heimspielen zelebrierte, war diesmal nicht zu sehen. „Wir habe zu wenig über die Außen und über den Kreis gespielt“, resümierte Staszewski.

Dennoch hätte es noch locker zum sechsten Heimsieg der Saison reichen können, wenn HSG-Kreisläufer Till Schinnerer beim Spielstand von 29:26 ins Tor und nicht das Quergebälk getroffen hätte (56.) oder die Schiedsrichter sich anschließend an die Regeln gehalten hätten.

„Wir haben Varel mit vielen technischen Fehlern zu schnellen Toren eingeladen. Angriffsmäßig bin ich mit 30 Toren sehr zufrieden. Für alle Teams ist jeder Punkt, von Platz fünf bis unten, nahezu lebenswichtig“, sagte TVK-Trainer Ronny Rogawska. „Für uns ist das ein herber Punktverlust“, meinte Staszewski.

Bei den Gastgebern überzeugte Marek Mikeci mit zehn Treffern. Fünf davon verwandelte der Slowake eiskalt vom Siebenmeterpunkt. Die besten Torschützen der Gäste waren Spielmacher Justin Müller und Max Zimmermann mit jeweils neun Treffern.