Hude - Wer merkt, dass psychisch etwas mit ihm nicht in Ordnung ist, traut sich oft nicht, es selbst Familienangehörigen oder dem Hausarzt zu erzählen. „Oft ist es nur ein vages Gefühl“, weiß Josef Kraus aus Groß Gerau.
Psychische Erkrankungen können viele Ursachen haben. Es gibt Möglichkeiten, die Depression zumindest in den Griff zu kriegen. Das klappt aber nur mit Hilfe, sagt Jürgen Türsken (57) aus Bochum. „Man muss sich eingestehen, dass man die Krankheit hat“, sagt er. Das sei der erste Schritt.
Türsken hat für sich einen Weg gefunden, nachdem ihn die erste schwere Krise schon in jungen Jahren erwischte. Dieser Weg war beschwerlich. Wichtig sei es, sich helfen zu lassen. Den Sport, die Natur und die Gemeinschaft zu erfahren – das sind für Türsken wichtige Dinge. Türsken hat für sich im Verlauf der Jahre eine Liste erarbeitet – mit Dingen, die ihm gut tun. Dazu gehöre auch, sich vermehrt vegan zu ernähren, sagt er aus Erfahrung.
Jürgen Türsken ist ebenso wie Josef Kraus Teilnehmer der diesjährigen „Mut-Tour“. Sechser-Teams auf drei Tandems touren derzeit durch Deutschland, werden immer wieder auch von anderen Menschen begleitet und verteilen Info-Material. Sie machen sich während ihrer Tour stark für einen offeneren Umgang mit Depressionen. Sie möchten anderen Menschen Mut machen, mehr dafür zu tun, „einmal in einer Gesellschaft zu leben, in der sowohl betroffene als auch nicht-betroffene Personen angst- und schamfrei mit psychischen Erkrankungen umgehen können“. Das sei zurzeit leider noch nicht der Fall.
„Man muss sich nicht verstecken mit der Krankheit“, möchte Jürgen Türsken gemeinsam mit dem restlichen Team der Mut-Tour Mut machen. Das Aktionsprogramm Mut-Tour gibt es seit 2012. Die Tandemfahrer sind in Hildesheim gestartet. Ziel der Tour, die wechselnde Teams absolvieren, ist Münster.
