HUDE/EDEN VALLEY - Ein halbes Jahr ist es jetzt her, als ich in Bremen ins Flugzeug stieg, um dahin zu fliegen, wo ich schon lange hinwollte. Hier in Minnesota erwartete mich ein neues Leben.

Manchmal kommt es mir vor, als würde ich hier schon für eine viel längere Zeit leben, denn für mich ist alles zur Gewohnheit geworden. Vor ein paar Wochen hatte ich meinen ersten Traum auf Englisch und denken tue ich schon fast automatisch auf Englisch.

Der kalte Winter ist fast überstanden, obwohl mir gesagt wurde, dass man hier in Minnesota nie weiß, wie lange die Kälte und der Schnee anhalten. Ich bin mir aber sicher, dass ich den vielen Schnee nächstes Jahr vermissen werde.

Sehr wichtig für mich und ungefähr 100 andere Schüler ist im Moment Basketball. Die Hälfte der Saison ist vorüber, und obwohl mein Team mehr Spiele verloren als gewonnen hat, habe ich sehr viel Spaß. Mein Team ist sehr cool, und ich habe so die Chance, noch mehr Zeit mit meinen Freundinnen zu verbringen. Mein persönliches Highlight gab es, als ich meine ersten Punkte in einem Spiel gemacht habe. Das war ein toller Moment für mich, in dem ich viel Selbstbewusstsein bekommen habe. Mit Training an jedem Schultag und zwei bis drei Spielen in der Woche sind wir sehr viel unterwegs. Nebenbei organisieren wir Veranstaltungen, um Geld für das Team zu verdienen. Damit können wir Ausflüge unternehmen, um uns ein bisschen vom Spiel zu erholen.

In ein paar Wochen ist die reguläre Saison vorüber. Danach geht es in Sections, wobei wir hoffen, weit zu kommen. Die besten Teams spielen Mitte März um die Staatsmeisterschaft, die in Minneapolis ausgetragen wird. Ich hoffe sehr, dass unsere Schule so weit kommt, denn das wäre eine tolle Erfahrung.

Neben Basketball ist die Schule ebenfalls sehr wichtig, vor kurzem habe ich mein Halbjahreszeugnis bekommen, womit ich sehr zufrieden bin. Der Unterricht ist hier sehr anders, und mir fällt vieles leichter, was sich auch in meinen Noten widergespiegelt hat. Meine Noten liegen zwischen 75 und 98 Prozent. Mein bestes Fach ist Mathe, was ich ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz begreifen kann, denn in Deutschland war Mathe immer eines meiner schlechtesten Fächer. Neben den regulären Fächern habe ich Stunden wie Chor, Spanisch, Kochen oder kreatives Schreiben, wo ich unter anderem für die Schülerzeitung schreibe.

Zudem haben wir sehr viele Projekte. Diese Woche hatten wir zum Bespiel die Aufgabe, eine „Lifemap“ zu erstellen, in der wir unseren Lebensablauf und unsere Erfahrungen darstellen sollten. Außerdem gab es kürzlich die „Snow Daze“-Woche, in der es eine ganze Woche lang Aktivitäten für die Schüler gibt. Es begann mit der Krönung der Prinzessin und Prinzen. Dabei hatte die ganze Schule aus zehn Leuten aus dem 11. Jahrgang gewählt. Darauf folgten „Dress up“-Tage. An einem Tag kamen alle im Schlafanzug, an einem anderen im Partnerlook. Es gab sportliche Wettkämpfe zwischen den Jahrgängen, und es fanden Diskussionen und Projekte zum Thema Mobbing statt.

Ein weiteres Highlight steht Mitte März an, wenn ich Besuch von meiner Familie bekomme. Darauf bin ich sehr gespannt, denn ich kann meiner Familie so mein amerikanisches Leben zeigen. Wir werden zusammen eine Rundreise durch den östlichen Teil der USA unternehmen. Unser Ziel wird South Carolina sein, wo wir mit meiner Gastfamilie zusammen deren Freunde besuchen werden.

Autorin des Textes ist die Huderin Ann-Christin Schubert. Die 16-jährige Schülerin des Graf-Anton-Günther-Gymnasiums verbringt ein Austauschjahr in den USA.