Hude - Mareike Tielemann liebt und lebt den Handballsport mit all seinen Facetten. Für den ehrgeizigen Neuzugang des Oberligisten HSG Hude/Falkenburg ist allerdings jede Trainingseinheit und jedes Spiel eine besondere Herausforderung: Die 27-Jährige ist seit ihrer Geburt auf beiden Ohren hochgradig schwerhörig. Doch das Handicap kann sie beim Ausüben ihres Lieblingssports nicht ausbremsen – im Gegenteil.

Irgendwie ist für Mareike Tielemann gerade alles neu: der Verein, die Liga oder auch die lange Fahrtstrecke von ihrem Heimatort zu den Einsätzen. „Es ist ziemlich spannend“, sagt sie und freut sich „über die tolle Aufnahme im Team“. Die in Jaderberg lebende Sportlerin will es nach ihrer Zeit bei ihrem Heimverein SG Neuenhaus/Uelsen noch einmal wissen. „Nach der Geburt meiner Tochter hatte ich wieder richtig Bock auf Handball. Da mein bisheriger Verein aber zwei Ligen tiefer in der Landesklasse spielt und mich Hudes Trainer Timo Stein zu einem Probetraining einlud, kam später der Wechsel zustande“, erklärt die in Wilhelmshaven bei der Bundeswehr arbeitende Tielemann.

Seit sie vor 14 Jahren in der C-Jugend der SG Neuenhaus/Uelsen mit dem Handballspielen loslegte, ist ihr treuester Begleiter stets dabei: das Hörgerät. „Ohne das Ding wäre ich aufgeschmissen“, sagt die torgefährliche Rückraumschützin, die bei der HSG auch am Kreis als Anspielstation dienen soll.

Die Anweisungen des Trainers, die Rufe ihrer Mitspielerinnen, die Pfiffe der Schiedsrichter – all das würde Mareike Tielemann ohne technische Unterstützung nicht wahrnehmen. „Selbst mit dem Hörgerät kann ich bestimmte Töne wegen der eingestellten Frequenz nicht hören und bekomme die Sachen, die hinter mir passieren, meist nicht mit.“ Sie geht daher vor Spielbeginn zu den Schiedsrichtern und weist sie auf ihre Einschränkung hin.

„Es kam schon vor, dass ich einen Siebenmeterpfiff nicht mitbekommen habe“, erklärt die Neu-Huderin. Läuft Schweiß ins Hörgerät, muss sie das sensible Röhrchen einmal kurz sauber pusten. Früher beim Schulsport sei ihr einmal ein Ball gegen das am Ohr liegende Hörgerät geflogen. „Dann kann es natürlich gefährlich werden“, räumt sie ein.

Um die neue Spielerin möglichst gut einzubinden, studiert die Oberliga-Auswahl der HSG Hude/Falkenburg Handzeichen ein, um Spielsysteme anzuzeigen. „Meine Augen sind meine Art der Kommunikation, ich lese meistens auch alles von den Lippen ab. Ich freue mich sehr, dass sich der Trainer und meine Mitspielerinnen so auf mich einstellen“, sagt Mareike Tielemann. Als A-Jugendliche hatte sie schon vor zehn Jahren mit ihrem ehemaligen Club Oberliga-Luft geschnuppert. Nach der Babypause hat sie jetzt den Reset-Knopf gedrückt und schlägt bei der HSG ein neues Kapitel auf – ein hoffentlich erfolgreiches.