HUDE - „Das war doch kein Handballspiel – wo waren die Tore?“ fragte sich ein Zuschauer beim Verlassen der Halle am Huder Bach. In der Tat herrschte beim Drittliga-Derby zwischen der HSG Hude/Falkenburg und dem VfL Oldenburg II Torflaute, und so hieß es nach zähem Verlauf 15:20 (7:8) aus Sicht des tapfer kämpfenden Aufsteigers gegen den Titelanwärter.
„Es wäre schön gewesen, wenn es eine Überraschung gegeben hätte, aber wir haben unser Bestes gegeben“, wirkte HSG-Trainer Werner Rohlfs nicht unzufrieden. „Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert und den Zuschauern auch etwas geboten“, so Rohlfs. Dennoch schaute auch der Handball-Lehrer mit etwas Verwunderung auf die Anzeigetafel, die nur 15 eigene Treffer auswies: „Die Oldenburger haben hinten dicht gemacht. Wir wussten ja, dass sie hinten kompakt stehen und beherzt zugreifen. Ein Durchkommen war besonders im zweiten Durchgang kaum möglich.“
Da sich die Angreiferinnen vornehm zurückhielten und sich meist festliefen oder vom sehr schwachen Schiedsrichter-Gespann ausgebremst wurden, rückten die Abwehrreihen in den Vordergrund. Und dort wusste in erster Linie Hiske Jacobi zu glänzen. Die HSG-Torhüterin erwischte einen glanzvollen Tag und parierte zwölf Würfe der Oldenburger Bundesliga-Reserve, zudem wehrte sie drei Siebenmeter ab. So verpufften gleich mehrere Gegenstöße des Tabellenführers. „Hiske hat uns im Spiel gehalten“, lobte Rohlfs.
Dass die Bälle nicht im Minutentakt im Netz landen würden, war bereits in den Anfangsmomenten der Partie deutlich erkennbar. Der VfL zog vor dem eigenen Kreis ein wahres Bollwerk auf, das in einer 5:1-Variante agierte und dabei nicht gerade zimperlich mit den HSG-Spielerinnen umging. Die Unparteiischen beließen es aber viel zu häufig bei Ermahnungen, anstatt die Fouls konsequent zu ahnden. Nachdem die Gäste 4:0 vorn lagen, durfte nach genau 10:25 Minuten dank Inke Meyerholz der HSG-Anhang das erste Mal ein Tor ihres Teams bejubeln. Die Gastgeberinnen ließen nicht locker, wagten immer wieder den Weg dorthin, wo es auch wehtat, wurden dafür – wenn auch spärlich – belohnt. Beim 5:6 (21.) und 7:8 (28.) war die HSG dran. Den möglichen Ausgleich ließ Merle Osterthun aus, sie vergab kurz vor der Pause einen Siebenmeter.
„Die Unparteiischen liegen mit vielen Entscheidungen falsch, da fehlt eine Linie. Oldenburg hätte schon längst die eine oder andere Zeitstrafe kassieren müssen“, ging HSG-Vorsitzender Werner Lingenau in der Halbzeit hart mit den erfahrenen Schiedsrichtern Patrick Isler (Norderstedt) und Markus Stockfleth (Lüneburg) ins Gericht. Selbst die vielen VfL-Fans rauften sich angesichts einiger fragwürdiger Pfiffe die Haare.
Völlig richtig lag das Duo aber bei der Matchstrafe gegen Jennifer Winter, die die allein aufs VfL-Tor zulaufende Jessica Galle umriss. Kurz zuvor hatte Galle zum 9:9 ausgeglichen, die Freude darüber währte jedoch nur kurz. Mit 9:12 und 10:14 lag die HSG wenig später wieder im Hintertreffen. Nach dem Platzverweis gegen die Torjägerin war bei Hude/Falkenburg noch einmal Hoffnung aufgekeimt, die ausgeglichen besetzte VfL-Truppe fing das Fehlen von Winter aber gut auf. Auch, weil die Huderinnen nach dem Hinunterstellung ganze 13 Minuten auf einen eigenen Torerfolg warten mussten.
In der Endphase schaukelte der Spitzenreiter, der sich im Angriff viele leichte Fehler erlaubte, den mühsam erkämpften Sieg nach Hause – und das mit den wenigsten erzielten Treffern in dieser Spielzeit. Die HSG – die 15 Tore sind für den Tabellenachten ebenfalls der schlechteste Saisonwert – können erhobenen Hauptes in die letzten Spiele in Buxtehude (30. April) und gegen Rostock (7. Mai) gehen.
HSG Hude/Falkenburg:
Jacobi – Michaela Cordes, Galle 2, Gärtner 1, Mühlbach 2, Meyerholz 2, Merle Osterthun 3/3, Nele Osterthun, Zetzmann 5/3, Sonja Cordes, von Freeden.VfL Oldenburg II: Köther, Jandt – Schulte 1, Bitter 3, Zwick 1, Barger 3, Limberg, Neßlage 3, Bathelt 2, Balthazar 1, Müller, Heeren, Hansel 1/1, Winter 5.
Siebenmeter: Hude/Falkenburg 7/6, Oldenburg 4/1.
Zeitstrafen: Hude/Falkenburg 3, Oldenburg 2.
Rote Karte: Jennifer Winter (40.) nach einer Notbremse gegen Jessica Galle.
Schiedsrichter: Isler, Stockfleth (Norderstedt, Lüneburg).
