HUDE - Das lange Brett auf dem Tisch in seinem Wohnzimmer in Hude kann sich Marcel Viand gar nicht mehr wegdenken. „Das steht immer hier“, sagt der 27-Jährige. Er ist Jakkolo-Spieler. Erfolgreich. Und das Brett auf dem Tisch ist sein „Spielgerät“.
Mit dem Gewinn des Supercups beim 21. Wüstinger Jakkolo-Turnier hat er den letzten Titel gewonnen, der ihm in Deutschland noch in seiner Sammlung gefehlt hat. Damit schließt sich für ihn ein Kreis: Das gleiche Turnier war es schließlich, auf dem er vor etwa 19 Jahren seinen ersten Auftritt als Spieler hatte. Acht Jahre war er damals. Über sich selbst sagt er: „Ich bin am Jakkolo-Brett groß geworden.“ Mittlerweile habe er zehn davon.
Druck gehört dazu
Nachdem er als Kind eher zufällig mit dem Spiel in Berührung kam, war er sofort fasziniert. Und ist es noch heute: „Jakkolo wird nicht langweilig, weil jedes Spiel anders ist“, findet er. Immer wieder liegen die Scheiben anders, bei Turnieren kommt der Druck hinzu. „Den brauche ich auch, das gehört zum Sport dazu“, sagt Viand. Konzentration, Kondition und mentale Stärke seien gefragt.
Ein Spiel dauert etwa eineinhalb Minuten. In der Liga treten die Teams in mehreren Partien gegeneinander an. „Das dauert dann gute zwei Stunden“, erklärt der Jakkolo-Fan. Pro Woche absolviert er etwa fünf bis 10 Spiele. Mehr lasse sein Beruf nicht zu. Marcel Viand ist Polizist.
Seine Eltern seien dagegen jeden Abend mit Jakkolo beschäftigt. Schon als Kind habe er seine Familie in den Sport mit „reingezogen“. Gemeinsam gründeten sie den DSV Hude. 2011 haben sie sich mit dem DSV Erdnocken zusammengeschlossen. „Weil wir Probleme hatten, genügend Leute für die Niedersachsenliga zu bekommen“, begründet Viand. Gemeinsam sind sie seitdem sehr erfolgreich. Die dritte und zweite Mannschaft landete im vergangenen November auf dem zweiten Meisterschaftsplatz. Die erste Mannschaft wurde sogar Meister.
Fragende Gesichter
In seinem Umfeld blickt Viand häufig in fragende Gesichter – zumindest, wenn er von Jakkolo berichtet. „Die meisten fragen dann, was das ist. Und wenn ich es ihnen erkläre, sagen sie: ’Ah, das kenne ich doch aus dem Urlaub.’“ Jakkolo ist in Deutschland ein Randsport. Aber mit großer Leistungsdichte an der Spitze, wie Viand betont. „Ich gehöre zu den Top fünf in Deutschland. Unter denen kann jeder jeden schlagen“, sagt er. Entscheidend sei die Tagesform.
Zuvor war er unter anderem Niedersachsenmeister im Einzel und Koppel, holte den Deutschlandpokal. Bei der Weltmeisterschaft vergangenes Jahr in Hude erreichte er mit Deutschland Platz zwei. Und schon warten die nächsten Termine auf ihn. Am Gründonnerstag steht die Qualifikation zur Niedersachsenmeisterschaft in Jeddeloh an.
Es sieht nicht danach aus, als sei Marcel Viand nach 19 Jahren Jakkolo-müde.
