HUDE - Der 12-jährige Huder übt sich seit sechs Jahren in der Kunst der Selbstverteidigung. Die EM war erst sein zweiter Wettkampf.

VON BENJAMIN KLARE

HUDE - „Im ersten Moment bin ich froh gewesen, dass Jan den Kampf überlebt hat!“ Kirstin Keiser kann sich noch gut an das Finale der Jiu Jitsu-Europameisterschaften in Schortens erinnern, in dem ihr Sohn gegen einen schwereren und stärkeren Gegner antreten musste. Angst habe sie um ihren zwölf Jahre alten Sprössling gehabt, als ihn der Kontrahent zweimal aus dem Liegen über den Kopf geworfen hatte.

Sieht man einmal von ein paar blauen Flecken ab, hat sich Jan Keiser aus Hude beim Jiu Jitsu aber noch keine schwereren Verletzungen zugezogen. Auch nicht bei Raufereien auf dem Schulhof, die bei Jungs in seinem Alter hin und wieder mal vorkommen. Nur einmal musste er dabei aus Notwehr auf das Erlernte zurückgreifen, als ihn ein Mitschüler in der Grundschule von hinten attackierte.

Anstatt wie viele gleichaltrige Jungs Fußball zu spielen, hat sich Jan schon mit sechs Jahren für den Kampfsport entschieden. „Beim Judo gab es immer ein Weihnachtsturnier“, erinnert sich der Siebtklässler, warum er beim TV Hude mit dem Kampfsport begonnen hatte. „Der erste Preis war ein riesiger Weihnachtsmann.“ Hinzu kam, dass sein Vater Andreas diesen Sport ebenfalls ausübte und ihn anfangs – im Wechsel mit dem ehemaligen Nationalmannschafts-Judoka Sönke Caspers – trainierte. „Als dann vor drei Jahren ein neuer Trainer kam und wir viel Konditionsübungen machen mussten, bin ich zum Jiu Jitsu gewechselt“, erinnert sich der Gymnasiast. „Ich konnte meinen gelb-orangenen Gürtel behalten und vielseitigere Techniken erlernen.“ Jan, der inzwischen den grünen Gurt trägt, muss bis zum ersten Meistergrad (Dan) nur noch drei Prüfungen bestehen.

Anders als Judo ist Jiu Jitsu ein defensiver Kampfsport, in dem es darum geht, auf Angriffe eines Gegners zu reagieren. Michael Schumacher, der Jan in der Stilrichtung „Shinzenryu“ trainiert und bereits Inhaber des 6. Dans ist, lehrt ein dreistufiges Verteidigungsmodell: „Wir arbeiten nach der Methode eins, zwei, drei. Eins steht für den Angriff eines Gegners, zwei für Abwehrmaßnahmen und drei für den Konter.“ Vor allem Wurftechniken beherrsche Jan aufgrund seiner Judo-Erfahrung besonders gut, schildert Schumacher die Stärken seines ehrgeizigen Schülers, dessen Ziel eine WM-Teilnahme ist. „Da muss sich Jan aber noch etwas gedulden, denn an einer Weltmeisterschaft kann er frühestens im Alter von 16 Jahren teilnehmen“, bremst der Trainer die Erwartungen.

Wenn es dann endlich soweit ist, rechnet Jan vor, wird auch eine Medaille für ihn herausspringen: „Bei meinem ersten Turnier habe ich den ersten Platz belegt, bei der EM, meinem zweiten Wettkampf, bin ich Zweiter geworden – also schaffe ich bei der WM den dritten Platz.“

Weitere Informationen, Vereine und Schulen im Internet: www.shinzen-ryu.de, www.djjb.de