Ganderkesee - Ponywallach Sternchen ist mächtig aufgeregt. Beim Satteln stillzustehen, das sieht er nicht ein – zu viele Eindrücke prasseln an diesem Sonnabend auf dem Turnierplatz des Reitervereins Ganderkesee auf ihn ein. Reiterin Luisa Wiegmann sorgt das nicht weiter. „Der ist immer so aufgeregt, wenn wir auf dem Turnier sind“, erzählt die Achtjährige lachend. Luisa weiß aber, dass Sternchen ein Routinier ist – schließlich ist er schon 23 Jahre alt, und sobald die Prüfung beginnt, weiß er, was zu tun ist.
Seit eineinhalb Jahren sind die beiden ein Team und trainieren regelmäßig zu Hause in Ganderkesee für Turniere. So einige Erfolge konnten die beiden schon auf Turnieren verbuchen – unter anderem den Sieg im „Krümelchampionat“ des Kreisreiterverbandes Delmenhorst. Doch bislang zählte auch Luisas Mama Maren Wiegmann zum Erfolgsteam: Bis zum Ende der vorigen Saison ritt Luisa, die für den RV Grüppenbühren antritt, noch in der Führzügelklasse.
Jetzt muss die Grundschülerin alleine zurechtkommen: Beim Ganderkeseer Pfingstturnier tritt sie das erste Mal in einem Reiterwettbewerb an, in dem sie und Sternchen in Schritt, Trab und sogar Galopp ohne „Bodenpersonal“ überzeugen müssen.
Auf dem Vorbereitungsplatz wird es wuselig. Doch Luisa steuert Sternchen souverän zwischen zahllosen anderen Ponys und den Großpferden hindurch, die hier gerade für Spring- und Dressurprüfungen aufgewärmt werden. Dann geht es in die Halle, wo der Reiterwettbewerb stattfindet. Während draußen auf dem Springplatz die Könner zu lauter Musik und Applaus ihre Ehrenrunde absolvieren, beginnt Luisas Prüfung.
Im Schritt und Trab geht es für die fünf Teilnehmer Runde um Runde um die Bahn. Alles klappt wie am Schnürchen. Dann bitten die Richter Kassandra Mohr und Norbert Giesecke freundlich aber bestimmt alle nacheinander zur Galopptour. Aufs Kommando galoppiert Luisa an. Als Sternchen allerdings an der Gruppe vorbei soll, fällt er in den Trab, und Luisa hat einige Mühe, ihr Pony wieder auf Kurs zu bekommen.
Hat sie das nun die entscheidenden Punkte gekostet? – Vielleicht. Platz vier und eine blaue Schleife springen am Ende heraus. Ein bisschen enttäuscht reitet Luisa aus der Halle. Doch der Unmut darüber, nicht wie zuvor so oft in der Führzügelklasse mit einer gelben Siegerschleife aus dem Viereck zu reiten, hält nicht lange an: „Eine blaue Schleife fehlte mir eh noch!“, ruft die Grundschülerin ihren Eltern fröhlich zu.
Die Antwort auf die Frage nach Luisas Vorbild kommt wie aus der Pistole geschossen: „Sandra Auffarth“. Auch die Vielseitigkeits-Weltmeisterin, die ebenfalls beim Pfingstturnier am Start ist, dürfte die ein oder andere blaue Schleife in ihrer Sammlung haben.
