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Mehrere Fahrzeuge auf A28 verunglückt – Teilsperrung
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Aktualisiert vor 5 Minuten.

Unfall In Oldenburg
Mehrere Fahrzeuge auf A28 verunglückt – Teilsperrung

NWZonline.de Sport

Wo ist eigentlich die Hunte schon wieder?

25.09.2018

Im Nordwesten „Radtouren entlang von Flüssen – das machen doch vor allem Ehepaare ab Mitte fünfzig. In ihrem Sommerurlaub.“ Das hat ein Freund von mir mal gesagt, mit leicht spöttischem Unterton. Ich habe nicht widersprochen, habe sogar mitgelacht. Ich habe aber auch nicht gesagt, dass ich selbst großer Fan von Radfernwegen, die an Flüssen entlangführen, bin.

Was es da nicht alles gibt: Donauradweg (2850 Kilometer durch acht Länder), Rheinradweg (1233 Kilometer durch vier Länder), Elberadweg (1260 Kilometer durch zwei Länder), um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und dann gibt es noch den Hunteradweg (137 Kilometer durch vier, äh, Landkreise). Zugegeben: Der Hunteradweg fällt vergleichsweise kurz aus. Das wird aber zum Vorteil, wenn die Zeit für 1000 Kilometer und mehr gerade nicht reicht. Auf der offiziellen Website des Hunteradweges wird empfohlen, die knapp 140 Kilometer in vier Etappen von je 30 bis 35 Kilometern aufzuteilen. Ich habe mich für eine unregelmäßige Aufteilung in zwei Etappen entschieden, machbar an einem Wochenende.

Nur zwei Etappen

Weil ich in Oldenburg wohne, die Hunte in nicht mehr als zwei Tagen abradeln und dabei so wenig wie möglich auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen wollte, teilte ich mir die Strecke wie folgt ein: In eine erste Etappe – Oldenburg-Elsfleth-Oldenburg (ungefähr 60, plus ein paar Umwegskilometer) – und eine zweite Etappe – Oldenburg-Dümmer-Diepholz (ungefähr 110 Kilometer, plus einige Verfahrenskilometer).

Es gibt für 6,90 Euro Radführer zu kaufen, entweder bei den Touristeninformationen entlang der Strecke oder online hier. Kann man machen, muss man aber nicht. Denn: Man kann sich auch ganz blauäugig auf die Beschilderung mit der blauen Huntewelle verlassen und sich zur Sicherheit einen GPS-Track, den es auf dieser Homepage gibt, auf das Smartphone laden. Dies – ergänzt mit GoogleMaps – lässt die Wahrscheinlichkeit, weit ab von der Strecke zu landen, relativ gering werden.

Verspäteter Beginn

Starten wollte ich an einem Samstagmorgen im Hochsommer, allerspätestens um elf Uhr. Es wurde halb drei. Einen Rucksack mit drei Litern Wasser, Brötchen, Banane und Keksen geschultert, schwinge ich mich also in der Nachmittagshitze aufs Rad und rase los in Richtung Hunte. Ja, ich rase. Entspanntes Radfahren gelingt mir aus unerklärlichen Gründen nur selten. Das erste Hunteradweg-Schild finde ich mithilfe des oben beschriebenen GPS-Tracks irgendwo in der Nähe eines schwedischen Einrichtungshauses in Oldenburg sofort. Bald schon geht es kilometerweit am Deich entlang. Anfangs stoppe ich noch alle paar Meter: Links der Deich mit Hunderten von Schafen, rechts die Weite der Wesermarsch. Ich sause weiter und weiter, vom Deich geht es an Neuenhuntorf und Huntebrück vorbei – Idyll pur!

Irgendwann frage ich mich aber: „Wo ist sie nun eigentlich, die Hunte?“ Denn der klitzekleine Haken am Radweg ist, dass längst nicht alle Streckenabschnitte tatsächlich am Fluss entlangführen – oder die Hunte sich hinterm Deich versteckt. Wer sich bei dieser Tour auf hundertprozentiges Flussradeln eingestellt hat (so wie ich), sollte sich dennoch nicht enttäuschen lassen: Schön und vor allem abwechslungsreich ist die Strecke allemal.

Kaum darüber nachgedacht, ist sie endlich wieder da: Rechter Hand lasse ich die Elsflether Werft hinter mir und schon glitzert die Hunte in der Sonne, kurz bevor sie von der großen Weser verschluckt wird. Offiziell beginnt (oder endet) der Radweg am Bahnhof in Elsfleth. Es wäre aber doof, denke ich mir, hier kehrtzumachen. Und flitze weiter, das letzte Stück bis zum Huntesperrwerk. Langsam (!) rolle ich zwischen Hunte und Jachthafen hinab, setze mich dort, wo die Hunte die Weser küsst auf den staubigen Boden und blicke den Schiffen auf der Weser nach.

Keine Menschenseele

Das erste Stück wäre also geschafft, denke ich selig. Dann fällt mir ein, dass das erste Stück – rund 30 Kilometer – nun wirklich nicht der Rede wert ist. Das war nur das Warmfahren. Auf dem Rückweg nach Oldenburg entscheide ich mich nach dem Überqueren der B 212 vor Elsfleth, nicht nach links Richtung Huntebrück zu fahren, sondern verlasse die offizielle Strecke, indem ich geradeaus weiterfahre und der radweggrünen Beschilderung „Oldenburg“ folge.

Die unbekannte Strecke führt mich vorbei an Feldern und Sielen, unter surrenden Stromtrassen hindurch, hin und wieder stakst ein Storch über eine Wiese, Kühe schauen mir beim Radeln zu, Menschen sehe ich nirgends. Der einzige weit und breit bin ich. „Jetzt bloß kein Schild mit grünem Pfeil verpassen, sonst landest du am Ende noch in Bockhorn oder Butjadingen“, ermahne ich mich selbst. Einige Male biege ich ab, dann lande ich wieder auf dem Deich und in der Ferne blitzt die Hunte in der Abendsonne. Vorbei an Schafherden, einmal sogar mitten durch eine Herde tiefenentspannter Schafe hindurch und – endlich! – für einige Kilometer direkt an der Hunte entlang, trete ich kräftig in die Pedale. Bald sause ich unter der Huntebrücke hindurch, am Hafen vorbei in Richtung Innenstadt und schon bin ich zu Hause. Morgen geht’s weiter. Startschuss ist für halb neun geplant.

Sackgasse bei Sandkrug

Um kurz vor halb zehn fahre ich los. Über Hundsmühlen, Tungeln und vorbei am Tillysee flitze ich frisch und motiviert Richtung Wardenburg. Irgendwo zwischen Wardenburg und Sandkrug verfahre ich mich zum ersten Mal so richtig. Ich wundere mich einige Kilometer lang über die überhaupt nicht mehr fahrradfreundliche Huckelpiste, bis ich irgendwann in einer Sackgasse lande. Erst dann konsultiere ich den GPS-Track und ärgere mich, dass ich so lange in die falsche Richtung gefahren bin und dadurch viel Zeit verloren habe.

Wieder auf der richtigen Spur angekommen, radele ich weiter. Zwischen Sandkrug und Sandhatten führt der Hunteradweg durch ein wunderschönes Waldstück. Zwischen Sandhatten und Dötlingen verfahre ich mich erneut. Ich strample mich wacker an Ostrittrum vorbei durch Dötlingen und freue mich, dass ich zwischen Dötlingen und Wildeshausen tatsächlich zu einem großen Teil am Hunteufer entlangfahren. Kurz vor Wildeshausen gönne ich mir eine Rast. Es ist ganz schön heiß mittlerweile. Vorbei an Colnrade geht es Richtung Goldenstedt. Von der Hunte ist wieder nicht allzu viel zu sehen, ich überquere sie allenfalls drei-, viermal.

Anstrengender Endspurt

Der Streckenabschnitt zwischen Goldenstedt und Barnstorf langweilt mich zunächst nur, kurz vor Barnstorf schlaucht er mich. Die Stimmung kippt. Ich habe keine Lust mehr. Ein paar Meter weiter erscheint linker Hand plötzliche eine Wassermühle, auf einem Schild davor steht „Schwarzwald Wassermühle“. Schwarzwald? Habe ich mich verfahren? Fange ich an zu halluzinieren? Dehydriert oder unterzuckert? Ich esse vorsorglich ein paar Kekse, steige wenig motiviert aufs Rad und fahre stoisch weiter. Wo ist eigentlich schon wieder die Hunte?

In Diepholz packt mich plötzlich der Ehrgeiz wieder. Bis zum Dümmer See sind es noch einmal rund zehn Kilometer. Diese möchte ich möglichst schnell hinter mich bringen. Falsch gedacht: Kurz nachdem ich Diepholz hinter mir gelassen haben, führt der Hunteradweg durch einen Skulpturenpark. Ich muss mir das eine oder andere Kunstwerk etwas genauer anschauen. Besonders beeindrucken mich die „Fibonacci-Würfel“ von Petra Pfaffenholz: Riesige durchlässige Würfel aus Stahl stehen mitten auf verstaubten, trockenen Feldern. Surreal wirkt das Ganze.

Abgesehen von den kleinen Kunstpausen strampel ich die letzten paar Kilometer zügig ab, wo die Hunte entlang fließt, ist mir mittlerweile auch egal – und plötzlich glitzert wieder Wasser vor mir in der Sonne: Nicht die Hunte ist’s, sondern der Dümmer See. Geschafft!


Die Reportage gibt’s auch unter   www.klarnordisch.de 
Nathalie Meng
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

Weitere Nachrichten:

Nordwest-Zeitung | Elsflether Werft

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