Mit Erschrecken habe ich den Bericht über die Aufgabe eines Spielplatzes und die Teilung eines anderen, um jeweils einen neuen Bauplatz zu schaffen, gelesen. Als ehemaliger Ratsherr habe ich mich über die Jahre dafür eingesetzt, Spielplätze nicht zu Bauplätzen zu machen.
Die offizielle Begründung einer solchen Maßnahme war schon vor Zeiten die mangelnde Nutzung dieses oder jenes Spielplatzes. Diese wird aber immer geprägt durch die momentane Altersstruktur in den Wohngebieten. Man muss aber ja immer wieder beobachten, dass in ein altes gewachsenes Wohngebiet neue Familien mit kleinen Kindern einziehen und sich die Struktur nach und nach verändert und der Bedarf wieder ein anderer ist, als der derzeit beobachtete. Einen Spielplatz in einen Bauplatz zu verwandeln ist ein Schritt, den man nicht umkehren kann. Der Gemeindesäckel ist sicher nicht so leer, dass die Gemeinde gezwungen ist, diesen Weg zu gehen.
Als ich ein Kind war, gingen wir nach den gemachten Hausaufgaben raus aus der Wohnung. Dort trafen wir immer auf andere Kinder, die es genauso machten und mit denen wir spielen konnten. Die Zeiten haben sich geändert. Eltern können sich immer weniger vorstellen, ihre Kinder ohne Beaufsichtigung einfach nur mal draußen spielen zu lassen. Spielplätze werden in ihrer doch mittlerweile recht trostlosen Ausstattung kaum noch genutzt. Doch statt sich zu überlegen, wie man dieses Angebot im Sinne unserer heutigen Kinder verbessern kann, wird darüber nachgedacht, wie man noch mehr Profit aus diesen Flächen herausholen kann.
Gerade Kinder, deren Eltern sich nicht teure Ersatzangebote wie Musikunterricht, Sport u.ä. für den Nachmittag leisten können, brauchen attraktive Spielflächen. Und wo kann gelungene Integration unserer neuen kleinen Mitbürger besser gelingen, als wenn unsere Kinder gemeinsam mit ihnen spielen, ihnen die Sprache „spielerisch“ beibringen, sich gegenseitig kennenlernen, Freundschaften bilden und so für die nächste Generation soziale Bindungen schaffen?
Eine Frage nach „Abschaffen“ kann es nach dieser Erhebung nicht sein, sondern die nach einer besseren Ausgestaltung dieser Spielflächen! Dann schicken Eltern ihre Kinder auch gerne wieder auf die Spielplätze, die dort auch spielen wollen.
