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INTERVIEW „Der Trainer hat eine Vorbildfunktion“

Petra Sobel arbeitet als hauptamtliche Sozialpädagogin beim Sportverein Nordenham. Die Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen liegt ihr besonders am Herzen.

Von Manon Garms

NWZ:

Frau Sobel, warum ist das Thema Suchtprävention für Sie wichtig?

petra Sobel:

Im Sportverein gibt es einerseits ein gefährdendes Potenzial, andererseits aber auch ein schützendes Umfeld, was das Thema Sucht betrifft. Zum einen haben wir die Problematik, dass bei Festen und Spielen der Alkohol eine Rolle spielt, wenn Siege gefeiert werden und das gesellige Beisammensein im Mittelpunkt steht. Das ist der Teil, bei dem ich ein leichtes gefährdendes Potenzial sehen würde. Andererseits besteht aber auch ein sehr starker sozialer Zusammenhalt und eine Verbundenheit über den Sport, die unter Anleitung der Trainer ein schützendes Umfeld bietet.

nwz:

Sie kommen durch Ihre Arbeit im SVN häufig mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt. In welchem Alter beginnen die Jugendlichen, Alkohol zu trinken?

petra Sobel:

Das wird bei uns wichtig, wenn wir Spielaktionen für Jugendliche planen und uns dann fragen, ob sie kommen, wenn wir kein Bier anbieten und es nur alkoholfreie Getränke gibt. Da denke ich, sind es die Jugendlichen ab 14 bis 16 Jahren, die dann sagen „Da würden wir aber gern Alkohol trinken.“

NWZ:

Wie sieht Ihre Präventionsarbeit aus?

petra Sobel:

Es ist wirklich so, dass die Jugendlichen immer früher Alkohol trinken. Wir arbeiten im präventiven Bereich und wollen schon sehr frühzeitig gegenlenken und den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten bieten, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Wichtig ist uns auch, die jungen Menschen so in ihrer Persönlichkeit zu stärken, dass sie mit dem Thema Sucht und Alkohol anders umgehen können. Suchtprävention ist keine Pflichtaufgabe des Sportvereins, aber wir haben trotzdem sehr viele Möglichkeiten, auf diesem Gebiet etwas zu tun. Wir können die Kinder aus dem Leistungsdruck herausholen.

NWZ: Es geht im SVN also nicht nur um den Leistungssport, sondern auch darum, den Spaß am Sport ohne Wettkampfdruck zu entdecken?

petra Sobel:

Uns ist die Förderung der Kinder, die nicht so leistungsstark sind und nicht in einen Wettkampf hineingehen möchten und deshalb in Vereinen oft auf der Strecke bleiben, sehr wichtig. Wir haben spezielle Angebote im Breitensport für Kinder und Jugendliche, die in Richtung Freizeitgestaltung gehen. Das gilt insbesondere auch für die Ferienzeit, in der viele Kinder und Jugendliche nicht so recht wissen, was sie machen sollen.

nwz:

Besteht Ihrer Ansicht nach ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Vereinssport und dem übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen?

petra Sobel:

Es darf auf keinen Fall sein, dass auf der Fahrt zu einem Auswärtsspiel unbedingt noch eine Kiste Bier mitgenommen werden muss. Der Trainer hat hier natürlich eine wichtige Vorbildfunktion. Ich will nicht abstreiten, dass es mal vorkommt, aber ich denke nicht, dass es ein großes Problem ist. Problematischer ist es eher bei Festen, denn dort spielt der Alkohol eine viel größere Rolle. Wir nehmen Mitte Juni an einer Suchtwoche teil, die vom Deutschen Olympischen Sportbund ausgeschrieben wird. Genau an dem Wochenende, an dem auch die Nordenhamer Präventionstage stattfinden, gibt es eine Aktion, bei der es ein ganzes Wochenende keinen Alkohol im Sportverein gibt.

nwz:

Wird denn sonst auf Festen des SVN für Jugendliche Alkohol ausgeschenkt?

petra Sobel:

Nein, Alkohol wird nicht ausgeschenkt. Wir haben auch schon ganz bewusst ein Fest verlegt, da wir der Ansicht waren, dass am Strand ein viel höheres Gefährdungspotenzial besteht als hier bei uns auf dem Sportgelände, wo wir Kontrollmöglichkeiten haben.

nwz:

Das heißt also, dass Jugendliche, die Alkohol mitbringen, keinen Zutritt zum Fest haben?

petra Sobel:

Ganz genauso ist es. Denn in einem solchen Fall müssen wir sehen, dass wir die Kinder und Jugendlichen schützen.
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