Von Wolfgang Loest
Frage:
Frau Ohlenbusch, ab Montag wird in den kommunalen Kindergärten gestreikt. Ist auch die „Sonneninsel“ betroffen?Ohlenbusch:
Nein, denn als Einrichtung, die nicht tarifgebunden ist, können wir nicht in den Ausstand treten. Aber wir haben uns per Unterschriftenliste solidarisch erklärt.Frage:Sie halten
also die Forderungen nach besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen für gerechtfertigt?Ohlenbusch:
Das ist längst überfällig. Es fehlt beispielsweise ein effektiver Gesundheitsschutz. In meinem Team von elf pädagogischen Mitarbeitern befinden sich vier, bei denen Bandscheibenvorfälle medizinisch diagnostiziert worden sind. Diese hohe Quote dokumentiert die körperliche Anstrengung, die neben der sozial-emotionalen Belastung zum Alltag der Mitarbeiterinnen im Kindergarten gehört. Das sehen unsere Elternvertretung und der Betriebsrat genauso.Frage:
Sind denn die Gruppen im Laufe der vergangenen Jahre größer geworden?Ohlenbusch:
Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass die Regelgruppe aus „bis zu 25 Kindern“ und zwei Erziehern besteht. Diese Obergrenze wird inzwischen konsequent ausgeschöpft.Frage:
In welche Richtung sollte die Entwicklung aus Ihrer Sicht gehen?Ohlenbusch:
Wir brauchen eine Veränderung der Rahmenbedingungen. EU-Standard sind Gruppen mit maximal 18 Kindern, die von drei Pädagogen betreut werden. Davon können wir leider nur träumen.Edith Ohlenbusch leitet die Kindertagesstätte „Sonneninsel“. Die Einrichtung wird von der Lebenshilfe getragen.
