JADE - Geht es um den Friesensport und speziell das Boßeln, dann bekommt der 86-jährige Helmut Schmidt in seinem neuen Domizil, dem Neubau in Jaderberg mit seiner Frau Hilde, leuchtende Augen und in den Erzählungen werden viele alte Geschichten hervorgekramt. Davor war ihr Arbeitsleben die Landwirtschaft in Jaderkreuzmoor, quasi das „Wohnzimmer“ des Boßelsports des KBV Kreuzmoor. Und dieser Sport bei jedem Wetter an der frischen Luft hält wohl fit. So nahm er im Herbst noch an dem beliebten Werfen um den Seniorenpokal im Verein teil. Für die Chancengleichheit gibt es pro Lebensjahr einige Metervorgaben hinzu, und so zeigte er den Jüngeren hin und wieder wo die „Harke hängt“, mit dem Gewinn des großen Wanderpokals. Helmut Schmidt gehörte mit zu den Eifrigen, die das Vereinsleben nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1948 wieder aufleben ließen. Das Boßeln spielte sich auf der Klinkerstraße in Jaderkreuzmoor ab, mit der hohen Berme. Helmut Schmidt: „Dort konnte man gut entlang werfen. Pech war, wenn man ein Loch traf, wo die Straßenwärter, Volksmund Chauseewärter, die Berme zum Wasserablauf abgestochen hatten.“ Die ersten Boßelkugeln wurden noch selbst angefertigt aus Apfel- oder Birnholz. Doch auch das härteste Holz zersprang leicht auf der Klinkerstraße.

So entschloss man sich nach zwei Jahren (1950) nur mit der Gummikugel zu werfen. Als der erste Sieg gegen die Leuchtenburger gelang, war der Lohn ein Fass Bier und das Feiern im „Kreuzmoorer Krug“ dauerte entsprechend lange. Man ließ sich die Bratheringe schmecken. War der Hering vertilgt, blieb die Frage, wohin mit dessen Schwanz. Die Decke in der Gaststube soll ein beliebter Ort gewesen sein. Mit der richtigen Wurftechnik versehen, wohl für einen Boßler nicht schwierig, blieben sie dort auch länger kleben. Auch heute unvorstellbar und nicht mehr erlaubt: Von Diekmannshausen boßelte man vom Deich kommend durch Schweiburg, und dann auf der jetzigen Bundesstraße zum Ziel zurück. „Die Kameradschaft war hervorragend“, so der 86 jährige und ergänzt mit einem Lächeln: „ Ganz Kreuzmoor war im Verein und die gemütlichen Abende und Vereinsbälle waren einfach Pflicht. Das Kassieren von Haus zu Haus wurde gerne gemacht und nahm auch seine Zeit in Anspruch.“

Beliebt auch schon damals die Theateraufführungen der Laienspielgruppe, wo schon Stunden, bevor der Vorhang aufging, die Stühle für den besten Platz, wie noch heute, besetzt wurden.