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NWZonline.de Sport

James Bond kommt nicht aus Bochum

09.08.2014

München Entspannt sitzt Teresa Di Vicenzo in ihrer Hotelsuite an der Münchner Maximilianstraße. Sie wartet auf ihren Verlobten. Der Spion, der sie liebt, flaniert derweil durch die Stadt. In einem Juwelierladen bei Schloss Nymphenburg findet er zwei schöne Ringe. James Bond, der notorische Frauenheld, hat sich entschieden: Er will im britischen Konsulat in München mit seiner Tracy den Bund fürs Leben besiegeln.

So schildert es Ian Fleming in seinem 1963 erschienenen Schmöker „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Es ist einer der glücklichsten Momente im Leben von 007, und auch der Autor schwebt auf einer Welle des Erfolgs. Er erlebt noch mit, wie Sean Connery seinen Roman- zum Filmhelden werden lässt. Nur wenig später, am 12. August 1964, stirbt Fleming.

50 Jahre nach seinem Tod zählen die Bond-Filme noch immer zu den größten Kassenschlagern. Um die 14 Bücher ist es deutlich stiller geworden. So ist nur wenigen Zeitgenossen bekannt, dass der 007 der Romane längst nicht so eindimensional ist wie seine Leinwandadaption. Und dass einer der wichtigsten Momente im Leben des Agenten in Bayern spielt.

Das kommt nicht von ungefähr: Ian Fleming hatte einst in München und Genf studiert. Seine in dieser Zeit kultivierte alpine Leidenschaft übertrug er auf seine Figur. Als Jugendlicher, so schreibt Fleming, hat Bond in Sankt Anton am Arlberg das Skifahren gelernt.

Generell gibt Fleming nicht viele Informationen über Herkunft und Vergangenheit von Bond preis, „man erfährt eigentlich mehr über seinen Charakter, sein Wesen und seine Denkweise“, erklärt Annika Klüver. Zusammen mit Stephanie Pannen hat sie für den Cross Cult Verlag alle Bond-Romane in den vergangenen drei Jahren erstmals ungekürzt ins Deutsche übertragen.

Bonds Eltern, so viel erfährt der Leser, hießen Andrew und Monique, geborene Delacroix. Doch die in Deutschland beliebte Legende, dass James 1920 im Bochumer Stadtteil Wattenscheid geboren worden sein soll, ist ausweislich der Romane nicht haltbar, auch wenn sie häufig zitiert wird. Die Legende stammt aus John Pearsons fiktiver Bond-Biografie von 1973.

Bei ihrer Arbeit trafen Pannen und Klüver auch auf einen nachdenklichen, Gefühle zeigenden Bond. Etwa zu Beginn von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, als sich 007 am Strand plötzlich an seine Kindheit und die Urlaube am Meer erinnert. Und ihm klar dabei wird, dass diese Zeit der Unschuld für immer vorbei ist.

Solche rührseligen Gedanken sind dem stets auf Kontrolle bedachten Agenten unangenehm, doch er kann sie nicht verhindern. „Diese Mischung aus Sentimentalität und Härte macht die Figur aus, und genau das macht den Roman-Bond auch so einzigartig“, sagt Klüver.

Vergleichsweise fortschrittlich ist auch das Verhältnis Bonds zum weiblichen Geschlecht, findet die Expertin - trotz mancher Macho-Allüren: „Er behandelt Frauen respektvoller, als man es vielleicht erwarten würde und erkennt ihre Intelligenz an.“

Meist sind seine Beziehungen nicht sehr tief - doch zwei Frauen dringen durch seine Fassade. Da ist zum einen Vesper Lynd im ersten Buch „Casino Royale“, die nach einer innigen, aber kurzen Romanze ums Leben kommt. Und da ist Tracy, die Bond vor seinem gefährlichen Lebensstil warnt: „Die Art und Weise, wie du Cowboy und Indianer spielst. Das ist so ... so egoistisch.“ Bond kommt sogar ins Grübeln, wie Fleming schreibt: „Ihm war nie in den Sinn gekommen, dass irgendjemand tatsächlich ernsthaft etwas für ihn übrig haben könnte.“

Auf dem Rückweg vom Juwelier hat es der Bräutigam nicht sonderlich eilig. Er lädt den Taxifahrer, einen früheren deutschen Luftwaffen-Piloten, in den Franziskanerkeller ein. „Dort aßen sie einen Haufen Weißwürste, tranken jeder vier Maßkrüge Bier und schworen sich, dass sie einander nie wieder bekämpfen würden“, schildert der Autor den spontanen Junggesellenabschied.

Doch das Eheglück hält nicht lange: Noch auf der Fahrt in die Flitterwochen wird Tracy von einer Killerin des Finsterlings Blofeld erschossen. Zurück bleibt der kühle, unnahbare Agent.

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