Jever - Das Schöne am Laufen? Es geht eigentlich immer und überall. Wenn dann eine der schönsten Strecken noch direkt vor der Haustür liegt, dann ist das ein Geschenk. Denn die zeitliche Freiheit ist ein Grund, warum das Laufen auf Platz zwei meiner Lieblingssportarten steht. Platz eins ist und bleibt unangefochten das Radfahren.
Meine Hausstrecke ist das Moorland. Aus dem Wohngebiet Klein Grashaus geht’s über die Mühlenstraße und an der Brücke zwischen Pflegebutler und Famila rein in die Natur. Hier ist der Naturweg mit feinem Kies und Sand befestigt und bereits nach wenigen Metern ist der Verkehrslärm hinter mir nur noch ein abklingendes Nebengeräusch. Durch die Bebauung der Schöfelwiesen rechter Hand dauert es etwas länger, bis man vollends in die Natur eintauchen kann, was aber die Ruhe der Strecke, die diese ausstrahlt, nicht schmälert. Es geht über die Bahnschienen (Achtung! Dies ist ein unbeschrankter Bahnübergang), hinter den Gleisen kann die Strecke dann leicht etwas matschiger werden.
Paradiesische Ruhe
Wenn es geregnet hat, weicht der Grasboden auf, wird schlammig und Pfützen stehen großflächig auf dem Weg. Rechts und links lässt es sich aber meist immer noch vorsichtig entlang traben – ein paar kleine Schlammspritzer muss man jedoch in Kauf nehmen.
Ganz früh am Morgen oder im Sommer am Abend ist es hier paradiesisch ruhig. Und genau das ist es, was ich brauche. Die Füße traben, der Kopf schaltet mit jedem Meter mehr ab, ich höre nur meinen Atem und die zwitschernden Vögel. Oder mal das ferne Glockenläuten aus der Stadt. Kopfhörer mit Musik? Unterhaltung mit einem Laufpartner? Fehlanzeige. Ebenso Pulsmesser oder Sport-App auf dem Smartphone. Ich möchte einfach nur laufen.
Kurz vor der kleinen Brücke übers Moorlandstief, aus dem ab und an mal eine erschrockene Ente aufflattern kann, wird der Weg wieder besser. Deshalb kommen mir dann auch mehr Spaziergänger, Jogger, Hundebesitzer oder auch mal Reiter entgegen. Schließlich gabelt sich der Weg: Hier kann ich entweder geradeaus weiterlaufen Richtung Gaststätte Waldschlösschen oder ich biege an der Brücke rechts ab, um über die Südergast wieder in die Stadt zu kommen. Meist laufe ich geradeaus, denn das Stück bis zur Addernhausener Straße ist von hohen Bäumen gesäumt und der schmale Weg gleicht einer kleinen Allee.
Ab in den Wald
Beim Waldschlösschen kann ich dann – nach gut drei zurückgelegten Kilometern – umkehren, einfach Retour laufen. Je nach Stimmung, Zeit und Tagesform geht’s aber meist noch über die Straße rüber (relativ stark befahren) und ein Stück in den Upjeverschen Forst rein. Sofort riecht es nach Wald. Während im Moorland meist der Wind pfeift und über Strecken auch kaum Schatten vorhanden ist, ist es im Forst vor allem im Sommer angenehm kühl und generell geschützter. Der weiche Waldboden lässt lockeres Laufen zu, und während ich im Moorland eher auf Schlamm und Pfützen achten muss, sind es nun hier und da Baumwurzeln.
Die Länge des Waldstücks ist so variabel wie nur irgendwas, denn es führen derart viele kleinere und größere Wege durch den Forst, dass die Länge dieser „Zusatz-Runde“ beliebig gewählt werden kann. Entscheide ich mich für mein „Standard-Karree“, dann kommen im Wald noch einmal gut drei Kilometer dazu. Es kann aber mal auch nur ein Kilometer sein. Am Waldschlösschen geht’s wieder über die Straße und ins Moorland – nicht über den schmalen Alleeweg, sondern über den parallel verlaufenden Hauptweg. An der Brücke entscheide ich meist ganz spontan, ob es weiter geradeaus Richtung Mühlenstraße geht oder ob ich links abbiege.
Der Rückweg
Von der Streckenlänge nimmt es sich nicht viel, und da ich den mit Birken und Büschen gesäumten Weg mag, biege ich meist links ab, auch wenn das vielleicht fünf Minuten länger dauert. Hier herrscht wieder mehr Betrieb, denn die meisten Spaziergänger und Radfahrer kommen aus dieser Richtung von der Stadt ins Moorland. Am Ende des leicht kurvigen Weges, auf dem auch hier und da mal eine Pfütze stehen kann, kreuzt wieder der unbeschrankte Bahnübergang, dahinter beginnt der asphaltierte Teil der Strecke, der mich über die Straßen Südergast und Beim Tivoli zur Mühlenstraße und zurück ins Klein Grashaus führt.
„Ein Ründchen – ein Stündchen“ lautet das Motto einer Freundin, die ebenfalls spontane Bewegung an frischer Luft jeder festgelegten Hallensportzeit vorzieht. Mein Ründchen ist jederzeit möglich. Nur nach tagelangem Regen weiche ich auf die alternative Strecke am Hookstief aus.
Und ob der Lauf nun ein Stündchen oder fünf Minuten mehr beziehungsweise weniger dauert, ist egal. Wenn’s in den Beinen leicht zieht und der Kopf frei ist, war jede Minute mehr als gut investierte Zeit.
Zur Person: Cornelia Lüers
Cornelia Lüers (51) ist Gesamterdaktionsleiterin Jeversches Wochenblatt / Wilhelmshavener Zeitung und wohnt in Jever. Wann immer es geht, legt sie jede Strecke mit dem Fahrrad zurück. In ihrer Freizeit läuft sie gern, um einfach den Kopf freizubekommen. Beim Jever-Fun-Lauf lief sie mehrfach die zehn Kilometer, zweimal die zehn Meilen, mit dem Wochenblatt-Team die fünf Kilometer.
Alle Infos zur Strecke durchs Moorland
Schwierigkeitsgrad: Diese Strecke weist keinerlei besondere Schwierigkeiten auf. Das Teilstück zwischen Bahnlinie und Brücke ist je nach Wetterlage uneben und kann matschig sein – erinnert dann eher an einen kleinen Crosslauf.
Parkplätze: Wer mit dem Auto kommt, kann sein Fahrzeug entweder bei Famila abstellen oder die Strecke quasi von hinten aufrollen und beim Waldschlösschen/Eingang Wald parken.
Boden: Der Untergrund ist komplett naturbelassen, Gras, Trampelpfade, verfestigter Schotter.
