Fußball-Talente – Made in Oldenburg: Wer die Homepage des JFV Nordwest öffnet, sieht zuerst diesen Slogan, der vor einem Jahrzehnt einen Meilenstein im Oldenburger Nachwuchs-Fußball setzte. VfB und VfL – beileibe in den Jahren zuvor nicht immer beste Freunde – kooperierten, um Kräfte zu bündeln und Talente aus dem Nordwesten zu fördern. Ein „historischer Moment“, sagte der damalige VfL-Präsident Günther Bredehorn.
Dass der in der Jugend traditionell breit aufgestellte VfL den damals finanziell in Zugzwang geratenen VfB-Junioren half, spielte danach öffentlich kaum eine Rolle. Der Schulterschluss funktionierte nämlich. Er brachte den Aufstieg der U 19 in die Bundesliga mit Highlight-Spielen gegen Werder Bremen und den Hamburger SV. Und er formte Talente wie den heutigen A-Nationalspieler Anton Stach als herausragendes Beispiel. Der JFV Nordwest – das war zweifellos ein Erfolgsmodell, das wie geplant auch die Kader des Fast-Immer-Regionalligisten VfB und des Fast-Immer-Oberligisten VfL gezielt verstärkte.
Dennoch ist zum zehnten Geburtstag plötzlich alles aus. Die Abhängigkeit von potenten Sponsoren ist eben auch im Jugendfußball unabdingbar. Weil der Hauptsponsor EWE im Zuge der Corona-Krise den Geldfluss drosselte, als Folge daraus die Ergebnisse mäßiger und die Stimmung trister wurde, gehen beide getrennte Wege.
Schade ist das allemal. Ob die Idee der Kräftebündelung in Oldenburg damit gescheitert ist, darüber darf gestritten werden – es gab schließlich auch die fetten Jahre. Fest steht gleichwohl: Der VfL hat eine so gewachsene Jugendabteilung, dass er die JFV-Auflösung auffangen kann. Dem VfB hingegen, dessen Männer-Unterbau mit einer zweiten Mannschaft in der 2. Kreisklasse (!) unterirdisch ist, stehen größere Aufgaben bevor.
Diese sind Chance und Risiko zugleich. Risiko, weil die finanzielle Belastung durch drei neue Jugendteams bei einem möglichen Wiederabstieg der Männer in die Regionalliga Nord in diesem Sommer beträchtlich ist. Aber auch eine große Chance, die Marke VfB durch eine qualitativ besser werdende Juniorenabteilung zu stärken. Der Verein steht damit nun in der Pflicht, seine A-, B- und C-Junioren Schritt für Schritt so aufzubauen, dass auch aus diesen Spieler wie Linus Schäfer, Dominique Ndure oder Jakob Bookjans herauswachsen können, die früher im JFV-Trikot spielten und heute für Oldenburg in der Dritten Liga auflaufen.
Fußball-Talente – Made by VfB: Das wäre etwas, das dem Club neben dem wahrscheinlichen Bau der neuen Arena gut zu Gesicht stehen würde.
