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NWZonline.de Sport

Hobby: Jugend bleibt dem Schießstand fern

16.07.2013

Brake /Hannover Der Ansturm beim Schützenfest in Hannover ist gewaltig. Im Vereinsalltag aber macht sich der Nachwuchs rar. Traditionspflege und Waffensport kommen bei jungen Leuten kaum noch an. Mit Babyprämien und Bogenschießen wollen die Schützen gegensteuern. Um die Jugend wieder für den Schießsport zu begeistern, lässt der Schützenverein Boitwarden in Brake nichts unversucht: Geschossen wird zum Spaß auf aufgeblasene Luftballons oder der Schießstand wird in Nebel gehüllt. Nur noch neun der 139 Vereinsmitglieder sind unter 21 Jahren alt. Brake gehen die Schützen aus – eine Entwicklung, über die Schützenvereine bundesweit klagen. Im niederrheinischen Voerde winken die Schützenbrüder deswegen sogar mit einer Babyprämie.

Trend entgegenwirken

Die Traditionspflege steht beim 484. Schützenfest in Hannover im Mittelpunkt. Zum traditionellen Ausmarsch werden rund 5000 Schützen und 100 Musikkapellen aus dem In- und Ausland erwartet. Begleitet wird das Ereignis von einem zehntägigen Volksfest mit erwarteten 1,3 Millionen Besuchern. Schießwettkämpfe finden dort schon lange nicht mehr statt. Ähnlich ist es in den Vereinen, wo es einerseits das Königsschießen, die Uniformen und die Musikkapellen und andererseits den Leistungssport gibt.

„Die Mitgliedergewinnung ist problematisch wie in allen Sportvereinen“, sagt der Sprecher des Deutschen Schützenbundes in Wiesbaden, Birger Tiemann. Anders als früher dürften Kinder nicht mehr mit acht, sondern erst mit zwölf Jahren ein Luftgewehr in die Hand nehmen. „Da ist die Entscheidung für einen anderen Sport schon gefallen.“ Bundesweit ist die Zahl der Schützen vom Spitzenwert 1,59 Millionen 1997 auf 1,37 Millionen im vergangenen Jahr gesunken. Gegensteuern will der Schützenbund mit der Kampagne „Ziel im Visier - Zukunft Schützenvereine“.

„Die Jugend hat nicht mehr so viel Draht zur Tradition“, meint der Geschäftsführer des niedersächsischen Sportschützenverbandes, Manfred Kamm, in Hannover. Dass Amoktaten wie in Erfurt oder Winnenden die Schützen in ein schlechtes Licht rückten, glaubt er weniger. „Den Amokläufen würde ich das weniger zuschreiben wollen.“ Eher machten die in Folge verschärften Vorschriften den Sportschützen zu schaffen. Waffen müssten in besonders sicheren Schränken aufbewahrt werden, deren Aufstellung müsse der Vermieter gestatten.

Kritik an Altersregelung

„Der Bogensport hat Zulauf“, stellt Kamm indes fest. Hier seien Kinder von Anfang an dabei, da Pfeil und Bogen nicht dem Waffengesetz unterliegen. Damit auch die Jüngeren „zum Schuss“ kommen, gibt es auch Wettkämpfe mit Lichtpunkt-Gewehren. Gerade erst nahmen 450 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren an einem Landeswettbewerb in Hannover teil. Bei den „International Shooting Competitions of Hanover“ hat man sich inzwischen die Inklusion auf die Fahnen geschrieben – Behinderte und Nichtbehinderte schießen zusammen.

Die Heraufsetzung des Mindestalters für den Griff zur Sportwaffe sieht auch in Brake Schützensprecher Torsten Tormählen als Grund für Nachwuchsprobleme. „Da sind die schon im Fußball-, Handball- oder Volleyballverein.“ Allerdings seien nach den Amokläufen auch manche Eltern skeptisch bei der Wahl dieses Sportes. Ähnlich wie die Feuerwehr ständen Schützen auch wegen angeblich hohen Alkoholkonsums in einem schlechten Licht. „Das ist alles weniger geworden“, beteuert der Sprecher. Der monatliche Frühschoppen sei deshalb auch schon in Sonntagstreffen umgetauft worden.

Kreativität gefragt

Mit einer besonders pfiffigen Idee versuchen die Schützen im niederrheinischen Voerde, Nachwuchs zu gewinnen. Der Verein „Alter Emmelsumer 1868“ zahlt Eltern, die seit mindestens drei Jahren aktive Mitglieder sind, für jedes neu geborene Kind ein Jahr lang monatlich 50 Euro - vorausgesetzt, der Nachwuchs wird auch gleich im Verein angemeldet. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Statistik dadurch immerhin zwei „Jungmitglieder“, wie der Jahresbericht vermeldet.

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