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Handball-WM in Ägypten Jogi Bitter ist Wortführer und Rückhalt zugleich

Otto-Ulrich Bals

Kairo/Oldenburg - Der große Blonde aus dem Norden ist in seiner mehr als 20 Jahre währenden Profi-Karriere in der Welt des Handballs viel herumgekommen. Johannes „Jogi“ Bitter, geboren in Oldenburg und aufgewachsen in Zetel, fällt das Lächeln bei der WM in Ägypten mitunter nicht leicht. Im November selbst an Covid-19 erkrankt, sieht sich der 2,05-Meter-Mann im Land der Pharaonen in diesen Tagen mit den globalen Auswüchsen der Corona-Pandemie konfrontiert.

„Wir wussten alle, dass es bei dieser WM eine besondere Situation ist. Wirklich wohlfühlen kann man sich nicht“, sagt der 38-jährige Schlussmann der deutschen Nationalmannschaft, einer der letzten noch aktiven Weltmeister von 2007. Natürlich habe sich das Team professionell vorbereitet und mit den Umständen vor Ort arrangiert, auch hätten die WM-Verantwortlichen viele Nachjustierungen am Hygienekonzept vorgenommen.

Wehmütige Blicke

 Dennoch schildert der Routinier von kleinen Momenten der Wehmut auf dem Balkon seines Hotelzimmers, wenn er auf eines der sieben Weltwunder blickt: die Pyramiden von Gizeh. „Sie sind gefühlt zum Anfassen nah, dahin dürfen wir aber nicht. Obwohl da draußen so viel Platz ist“, beschreibt der 158-malige Nationalspieler. Stattdessen lebt der ganze Tross in einer Blase, das Hotel darf nicht verlassen werden. Die Freizeitaktivitäten sind überschaubar. Man habe eine Dartscheibe und jede Menge Kartenspiele dabei.

Ansonsten gilt die ganze Aufmerksamkeit dem Handball, was nach der Niederlage gegen Ungarn (28:29) mit Blick auf die Hauptrunde auch geboten ist. „Jetzt müssen Siege her“, wissen Bitter und Co. um die Schwere der Aufgabe an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/ZDF) gegen Spanien sowie danach gegen Brasilien und Polen. Das Ziel bleibt das Viertelfinale. Als eine der tragenden Säulen auf dem Weg dorthin setzt Bundestrainer Alfred Gislason auf Erfahrung und Nervenstärke von Bitter.

In der Hierarchie der Torleute lautet die offizielle Lesart des Isländers: 1A Andreas Wolff, 1B Bitter und 1C Silvio Heinevetter. Gleichwohl zählt Bitter, der sich seit Jahren als Vorstand der deutschen Handball-Spielergewerkschaft Goal engagiert, zu den Wortführern im Team. „Wenn Jogi etwas sagt, hören alle zu. Er ist mit immens wichtig für die Mannschaft“, weiß Gislason.

Starke Form

Bitter hatte zwischen 2011 und 2015 aus persönlichen Gründen eine Länderspiel-Pause eingelegt. Seinen heutigen Wert für die DHB-Auswahl untermauert auch das aktuelle Zahlenmaterial. Der Kapitän des TVB Stuttgart spielte bislang eine überragende Saison. Die Statistik weist Bitter nach gehaltenen Bällen als zweitbesten Keeper der Bundesliga auf. Und sein Ehrgeiz ist auch mit 38 Jahren ungebrochen: „Die Lust ist immer noch groß, sonst würde ich erst gar nicht auflaufen“, sagt er.

WM existenziell wichtig

Dass das Turnier aufgrund der Pandemie umstritten ist, sei ihm durchaus bewusst. Gleichwohl betont er: „Diese WM ist für den Handball trotz aller Bedenken existenziell wichtig.“ Übersetzt auf den weiteren WM-Verlauf heißt das: Für ihn und seine Mitspieler zählt ab sofort nur noch der sportliche Erfolg. Nur so kann die in weiten Teilen der Bevölkerung fragwürdige WM in ein etwas freundlicheres Licht gestellt werden.

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