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NWZonline.de Sport

Justiz: Streit um Embryo von Top-Stute

21.02.2020

Karlsruhe /Lohne Es geht um Stolz, Prinzipien und viel Geld: Ein Streit um einen Embryo des Erfolgspferds Weihegold hat den Bundesgerichtshof (BGH) beschäftigt. Die Stute, mit der die sechsfache Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth im Sommer in Tokio antreten will, ist ein Vermögen wert. Ihre Nachkommen potenziell auch. Doch wer darf sich Züchter eines Fohlens nennen, das über eine Leihmutter-Stute ausgetragen wurde? Der, der den Zuchtvorgang bestimmt, entschied am Donnerstag der BGH (Az. III ZR 55/19).

Zum Zankapfel zwischen zwei namhaften Pferdezüchtern war Weihegolds Tochter Aweih geworden. Die inzwischen sieben Jahre alte Stute kam nach einem Embryonen-Transfer auf die Welt – eine gängige Praxis zur Züchtung von Sportpferden. Dabei wird der Mutterstute eine befruchtete Eizelle entnommen und einer anderen Stute eingesetzt. Mithilfe einer solchen Leihmutter können erfolgreiche Turnierpferde weiter bei Wettkämpfen eingesetzt werden und gleichzeitig Nachkommen produzieren.

Die 15-jährige Weihegold – eines der erfolgreichsten Dressurpferde der Welt – ist so bereits 14 Mal Mutter geworden, ohne ein Fohlen auszutragen. Ihre Gene sind besonders begehrt. „Ich habe kaum ein Fohlen von Weihegold unter
90 000 Euro verkauft“, sagt Besitzerin Christine Arns-Krogmann, die in Lohne (Kreis Vechta) einen angesehenen Zuchthof betreibt.

Nur im Fall von Aweih war es anders. Arns-Krogmann hatte 2011 Weihegold auf den Krüsterhof von Reitmeister Johann Hinnemann im niederrheinischen Voerde gebracht. Der bekannte Pferdetrainer und Züchter sollte das Pferd zur Grand-Prix-Reife ausbilden. Er übernahm die Kosten für Pflege, Unterbringung und Beritt. Im Gegenzug räumte Arns-Krogmann ihm das Recht ein, alle ein bis zwei Jahre einen Embryo aus Weihegold zu entnehmen.

Betrugsvorwurf

2013 kam so Aweih auf die Welt. Hinnemann ließ das Fohlen in seinem westfälischen Pferdezüchterverband eintragen, beantragte einen sogenannten Equidenpass – eine Art Personalausweis für Pferde – und gab sich als Besitzer und Züchter an.

„Züchter eines Fohlens ist, wer zum Zeitpunkt der Besamung der Mutterstute auch Eigentümer der Stute ist – und das war und bin ich“, so Arns-Krogmann, die sich auf eine Verordnung des Zuchtverbandes berief. Bei den anderen 13 Fohlen ist sie als Züchterin eingetragen. „Mir geht es um Züchterstolz und auch um die Züchterprämie, wenn die Stute erfolgreich im Sport ist. Da geht es um mehrere Tausend Euro im Jahr.“ Sie warf Hinnemann Betrug vor; Dokumente seien gefälscht worden.

Dass es ums Geld geht, hat der Erfolgstrainer stets zurückgewiesen. „Wir lieben Aweih“, betont seine Frau Gisela Hinnemann. Züchterprämien fielen ohnehin geringer aus als die Preisgelder, die den Besitzern zugutekommen.

So habe Weihegold bis Ende 2019 höchstens 30 000 Euro Züchterprämien eingespielt – ihre „Lebensgewinnsumme“ liege hingegen bei 710 000 Euro. Das Olympia-Pferd wirft besonders viel ab. Aus Sicht von Gisela Hinnemann auch dank ihres Mannes: „Weihegold wäre möglicherweise heute noch Zuchtstute, wenn mein Mann nicht Frau Arns-Krogmann überredet hätte, sie in Ausbildung zu geben.“

Zuchtvorgang bestimmt

Aweih sei vielversprechend. Doch ob sie annähernd so erfolgreich werde wie Weihegold, sei ungewiss. Gewiss ist für Johann Hinnemann aber, dass er rechtmäßiger Besitzer und Züchter von Aweih ist: „Frau Arns-Krogmann hat uns die Eizelle ihrer Stute Weihegold verkauft. Zum Zeitpunkt der Besamung gehörte die Eizelle uns“, betont seine Frau. „Wir haben den kompletten Zuchtvorgang bestimmt und bezahlt.“ Von der Auswahl des Deckhengstes über die Versorgung der Leihmutter-Stute, der Geburt des Fohlens bis hin zur Aufzucht waren dies ihr zufolge etwa 15 000 Euro.

Vor dem Landgericht Münster und dem Oberlandesgericht Hamm bekam Johann Hinnemann recht: Da ihm die Steuerung des gesamten Zuchtvorgangs übertragen wurde, „konnte er dies nur dahingehend auffassen, dass er damit auch das Recht erhalten sollte, sich als Züchter, sogenannter Zuchtbesitzer, zu bezeichnen und eintragen zu lassen“, so das OLG. An dem Urteil hatten die höchsten deutschen Zivilrichter nichts auszusetzen. Sie wiesen die dagegen gerichtete Revision von Arns-Krogmann zurück.

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