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NWZonline.de Sport

Kein Wagemut im Kommentar zu Mutlosigkeit im Spiel

28.06.2018

Als Schiedsrichter Mark Geiger zur zweiten Halbzeit pfeift, verkündet Reporter Béla Réthy: „Die letzten 45 Minuten!“ Und der Mann kann ja durchaus ein prophetisches Timbre in seine sonore Stimme legen. Doch er schiebt nach: „In der Vorrunde.“

Prinzipiell lehnt der ZDF-Kommentator sich ja nicht so weit aus dem Fenster. Da hat er viel zu viel Angst, dass er herausstürzen könnte. Er lässt es lieber beim Sicherheitsspiel. Was bedeutet: Seine Begleitung und seine Bewertung legen es erst einmal darauf an, keine Fehler zu machen. Da greifen Spiel und Kommentierung absolut ineinander.

Vielleicht ist das auch gut so. So sprechen eher die Bilder. Réthy führt zwar mal eine „psychische Erschöpfung” der Mannschaft an. Dass er später immerhin fordert: „Die Spieler müssen nun aber auch mal was riskieren“, ist für seine Verhältnisse schon kess.

Es ist in der Tat keine Freude, ein solches Spiel kommentieren zu müssen. Dafür gibt es eigentlich nur drei Kategorien: Erstens, der Reporter plaudert pausenlos. Wie, sagen wir mal, Tom Bartels. Zweitens, er redet ab und an und pausiert ab und an. Wie eben Béla Réthy. Drittens, er sagt nur das Wichtigste, also kaum etwas. Wer kann das schon?

Tom Bartels? Der hätte sich aktuell beim Spiel Dänemark gegen Frankreich entspannen können. Tat er aber nicht. Wenn der Ball ruhte, ruhte Bartels noch lange nicht. In der Liste, wer die meisten Wörter pro Minute schafft, müsste er die Spitzenposition erklommen haben. Bei ihm wäre der Zuschauer doppelt erschöpft gewesen, vom Spiel und vom Redeschwall. Vielleicht ist die Dampfplauderei eine persönliche Methode, von der Nähe der hereinbrechenden Emotionen Abstand zu halten.

Dann doch lieber dieser Réthy für dieses Spiel. Der räumt ein, „dass es gegen diese beiden Viererketten der Südkoreaner schwer ist durchzukommen.“ Oder dass es „erst einmal um eigene Stabilisierung und Sicherung geht.” Von Analysen hält er sich fern. Also spricht er auch nicht einen Klartext wie: „Das Ding habt ihr in der ersten Halbzeit vermasselt.“ Das überlässt er dem Heer der Analysten, Experten und Erklärer. Die haben noch Tage zu tun.

Ach so: Wer wäre denn der Reporter, der nur das Wichtigste sagt? Den gab es mal. Rudi Michel war so einer. Helmut Haller schoss 1966 im Finale gegen England das deutsche 1:0. „Haller. Tor!“ sagte Michel nur. Dann ließ er allein das Bild wirken, länger als eine halbe Minute. Ergänzend fügte er nur hinzu: „Haller. Mehr muss ich dazu ja nicht sagen.” Hätte diesmal auch gereicht: „Kim. Tor.“ Und dann: „Son. Tor.“ Mehr gab es da nicht zu sagen.

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