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NWZonline.de Sport

Keine Angst vor scharfen Schüssen

10.05.2016

Oldenburg Ganz konzentriert legt Ben Sander das Gewehr auf die Knöchel seiner linken Hand, setzt seinen linken Ellbogen auf das linke Knie und atmet noch einmal ganz ruhig. Der Kopf wandert auf das Luftgewehr, der 17-jährige sucht die Mitte der Scheibe und zieht behutsam den Abzug. Ganz knapp verfehlt er den 0,5 Millimeter großen Punkt der Zehn auf der Scheibe und schießt eine Neun. Er verzieht leicht das Gesicht, denn er weiß, dass er das besser kann.

„Bei den ersten vier bis fünf Schüssen von einem großen Wettkampf bin ich noch sehr aufgeregt“, erzählt der Oldenburger Nachwuchsschütze. Er wird 14.

Ben Sander ist einer von insgesamt 49 Jugendlichen, die an diesem Wochenende beim 25. Internationalen Jugendwettkampf in Oldenburg um jeden Ring kämpften. Auf hohem Niveau schossen die jungen Talente um Urkunden und Sachpreise. Nur die besten Schützen der teilnehmenden Länder reisten mit nach Oldenburg. Vertreter aus Großbritannien, eine Nationalauswahl aus Südafrika, Schweden und Nordirland traten gegen das „Team Oldenburg“ aus dem Weser-Ems-Raum an.

Auf der Schießanlage der Oldenburger Schützen von 1816 am Johann-Justus-Weg 117 herrschte vier Tage lang eine fröhlich-angespannte Stimmung. Denn alle sind gespannt auf die Ergebnisse, aber es ist auch ein großes Wiedersehen. Die Teilnehmer aus Großbritannien ist bereits seit 25 Jahren dabei, die Schweden schon 15 Jahre. So sind viele enge Freundschaften entstanden.

„Obwohl wir aus unterschiedlichen Vereinen kommen, haben wir einen starken Team-Zusammenhalt“, erzählt Ben Sander. Während er Kleinkaliber (KK) Dreistellungskampf schießt, stehen die 17-jährige Ayleen Heuft aus Gristede und weitere seiner Teamkameraden hinter ihm. Sie lächeln ihn aufmunternd an. Das kann er nach dem Knieendschießen gebrauchen.

Auch mit seinem Liegendanschlag ist der Gymnasiast nach weiteren 40 abgegebenen Schüssen nicht zufrieden. „Stehend liegt mir“, sagt er. Konzentriert sucht er nach der Mitte der Scheibe. Jetzt nicht im falschen Moment abdrücken. Ein Knall ertönt, und es raucht ein wenig am Ende des Gewehrlaufes, Geruch von Schwarzpulver verbreitet sich. Der Blick wandert auf den Bildschirm: ein roter Punkt. Das heißt eine Zehn. Jetzt jeden Schuss genauso machen. Das klappt leider nicht ganz. Mit einem Ergebnis von 1044 wird Ben 12.

Nach dem Wettkampf bespricht er mit Teamkameraden und Trainer, was er verbessern kann.

Den richtigen Knieendanschlag kann er sich bei Emilie Johannson im KK-Dreistellungskampf-Finale der Juniorinnen abschauen. Ganz genau studiert er die Vorbereitung und Körperhaltung der jungen Schwedin. Das Dehnen vor dem Schießen möchte er übernehmen. „Die unterschiedlichen Anschläge sind Geschmackssache, aber ich werde einiges ausprobieren“, sagt Ben Sander.

Er verfolgt das Finale gespannt, denn Nadine Gudert aus Bramstedt und Stine Gode aus Hude haben sich qualifiziert. 50 Zuschauer stehen hinter ihnen und sehen die Serien im Knieend-, Liegend- und Stehendanschlag,. Gespannte Stille. „Wenn man zuschaut, ist das noch aufregender, als wenn man selbst schießt“, sagt Ben. Nach und nach scheidet eine Schützin aus. Stine Gode landet auf Platz sieben. Großer Applaus von den Zuschauern.

Kampfrichter Felix Otten vom SV Ocholt-Howiek sagt die Ergebnisse der Schüsse an und muss nach der Hälfte des Kampfes die letzte Teilnehmerin aus dem Team Oldenburg verabschieden. Nadine Gudert wird Vierte. Bei den letzten zwei Schüssen steigt die Spannung weiter. Das Publikum klatscht immer schneller, bis die zwei Schüsse ertönt sind. Die Siegerin steht fest.

Das Finale klappt reibungslos. Dafür sorgen die 31-jährige Nicole Blettrup und ihr Team. „Wir haben schon im vergangenen Jahr, direkt nach dem Wettkampf mit der Planung begonnen“, erklärt sie.

Die Einladungen für den Freundschaftswettkampf werden verschickt, damit die Tickets rechtzeitig gebucht werden. Einige Helfer kümmern sich um die Technik, andere um Urkunden oder Verpflegung mit Gegrilltem und Kuchen. Alles ist vorbereitet, damit die jungen Schützen den ganzen Tag miteinander verbringen können. Sie tauschen sich über Fachliches oder über die Schule und ihre und Hobbys aus. „Wir waren auch schon Eis essen“, erzählt Ben.

Auf dem Weg in die Stadt konnten sie kulturelle Unterschiede ausmachen. „Die Schweden scheinen keine Ampeln zu kennen“, lacht Ayleen Heuft. „Mit den Briten, Schweden, Iren und Südafrikanern macht es jede Menge Spaß“, findet Ben Sander.

„Hätte ich die Internationalen Wettkämpfe nicht, wäre ich nicht so weit, wie ich es jetzt bin. Hier wächst man über sich selbst hinaus“, resümiert Ben Sander. Seine Leistungen werden kontinuierlich besser. Das macht ihn stolz.

Die Fehler aus den Wettkämpfen werden zu den Trainingsinhalten der nächsten Wochen, denn neben der Schießsportwoche der Oldenburger Schützen zum 200-jährigen Vereinsbestehen, stehen für Ben Sander und das Team Oldenburg die Landesmeisterschaften an. Das Limit für die Deutschen Meisterschaften in München hat der Oldenburger bisher immer verpasst. „Dieses Mal will ich es schaffen“, sagt der ehrgeizige 17-Jährige

Anna Lisa Oehlmann Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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