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NWZonline.de Sport

Keine Putinschen Dörfer in wintermärchenfreier Zone

24.02.2014

Django verzeiht nichts. Seit dem Italo-Western von 1966 weiß man das. „Das Eis verzeiht nichts!“ Das weiß der Fernsehzuschauer seit Februar 2014. Das „Kampfeis“ lag den Niederländern – und den Moderatoren und Kommentatoren bei ARD und ZDF auf der Suche nach griffigen Formeln für nicht immer griffige Ereignisse. Flugs wurde Felix Neureuthers geschleuderter Nacken zum „Nacken der Nation“ deklariert.

Warum manche Einfälle bei manchen Betrachtern als mitreißend erachtet wurden, bei anderen hingegen als platt oder peinlich, erschließt sich so wenig, wie die Wertung im Eiskunstlauf der Frauen. „Entsetzt“ zeigte sich Fachfrau Katarina Witt im Studio. Dass sie aber sofort Hinterhalte sachlich erklärte, brachte ihr hohe A- und B-Noten. Dass sie sonst oft quasselte, verwies sie auf hintere Ränge.

Die Altersstruktur der Zuschauer spielt in den Bewertungen eine Rolle. 35 Prozent zählten zu den Über-Fünfzigjährigen, immerhin aber 21 Prozent zu den 30- bis 39-Jährigen und zwölf Prozent zu den 14- bis 19-Jährigen, zu Zeiten von Schule oder Arbeit. Das Sotschi-Publikum war jünger als im normalen Sendeschema.

Die beiden Sender mussten allen Schichten gerecht werden. Das konnte kaum gelingen. Olympiasieger Markus Wasmeier umgarnte mit seinem sonoren bayrischen Charme ältere alpine Fans. Jüngere werden fragen: Was erklärt er denn fachlich? Dafür jonglierte Freestyle-Experte Jan Wieken im Slopestyle mit Begriffen, die jüngere Sportfans im Repertoire führen. Älteren schwirrten jedoch die Ohren. Günter-Peter Ploog schlug da Brücken. Er erklärte noch, dass der „MVP“ der „Most Valuable Player“ ist, also der „wertvollste Spieler“.

Kritik entzündet sich im Wintersport fast nur noch am Winterwort. Die Bilder, Zeitlupen, Filme oder Grafiken haben ein unstrittig hohes Niveau erreicht. Es hakt höchstens, wenn Wettbewerbe gleichzeitig laufen.

Insgeheim mag man fragen: Wie weit entspricht die emotionale Aufbereitung des Geschehens überhaupt noch der Wirklichkeit? Es wurden aber weder Potemkinsche noch Putinsche Dörfer vorgegaukelt. Dass die ureigene Herzlichkeit der Russen in Sotschi nicht wirklich durchgeschlagen ist, wurde spürbar.

Vielleicht steht ja das Fernsehen vor einer einschneidenden Differenzierung. So, wie sich der Skilanglauf in klassischen und freien Stil gespalten hat, könnte sich ein „Olympia klassisch“ halten und ein „Olympia freestyle“ entwickeln. Das war mit Live-Streams oder stets abrufbaren Zwischenständen längst im Angebot. Mit Peter Schlickenrieder ließ es sich schon während des 15-Kilometer-Langlaufs chatten.

Die kurz gehaltene und auf persönliche Neigungen zugeschnittene Information benötigt andere Darstellungsformen. Hat da noch eine Zusammenfassung Platz wie die über die Staffel der Nordischen Kombinierer? 20 Minuten Zeit nahm sich die ARD dafür – eine Zeit unter Hochspannung, mit raffinierter Dramaturgie, einer Sprache ohne jede Floskel. Die Sender mögen auch Blechmedaillen eingefahren haben. Diese journalistische Leistung aber verdiente Gold!

Die seit einigen Sommer- und Winter-Ereignissen abgedroschenste Floskel kam in Sotschi nicht zum Einsatz. Im Fernsehen waren diese Spiele wintermärchenfreie Zone.

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