Zeven/Emden - Kickers Emden hat einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zum Ziel Meisterschaft gemacht: Ein 4:0-Erfolg beim Heeslinger SV – es war Jahres-übergreifend schon der siebte Oberliga-Sieg in Serie und der vierte in diesem Jahr – bringt die Mannschaft der Trainer Markus Unger und Stefan Emmerling auf Platz eins und dem Aufstieg in die Regionalliga wieder ein Stückchen näher. Schlüssel zum Erfolg war auch ein ungewöhnlicher taktischer Kniff.
Wie sah dieser taktische Kniff aus ?
Selbst Stefan Emmerling muss ein wenig schmunzeln, wenn er davon erzählt: „Unsere Stürmer haben die Innenverteidiger Philipp Bargfrede und Tino Schulze in Manndeckung genommen, weil sie für den Spielaufbau von Heeslingen sehr wichtig sind. Bei Bargfrede (u.a. Werder Bremen) siehst du einfach, dass er mal Bundesliga gespielt hat. Wenn du den laufen lässt, spielt er dir den Ball in die Schnittstelle und hinter die Kette.“ Verkehrte Fußball-Welt: Statt sich selbst mit einem „Bewacher“ herumzuplagen, decken die Emder Stürmer die Heeslinger Aufbauspieler. Tido Steffens rückte Ex-Profi Bargfrede auf die Pelle, David Schiller stand Schulze (u.a. Germania Halberstadt) auf den Schuhen, ein Mann mit Regionalliga-Erfahrung. Situationsabhängig wurde getauscht. Emmerling: „Hat geklappt, der Torwart konnte die beiden kaum anspielen.“ Natürlich hielt auch der Rest der Mannschaft voll gegen „spielstarke Heeslinger“ (Unger), und so legte ein erfolgreicher, aber torloser „Abnutzungskampf“ (Emmerling) in der ersten Halbzeit den Grundstein für die vier Emder Tore im zweiten Durchgang.
Wie läuft das Duell der Emder Torjäger ?
Auf Hochtouren. In Heeslingen schnürte erst David Schiller einen Doppelpack (48./54.), dann Tido Steffens (84./88.). Steffens führt die Torschützenliste der Oberliga mit 15 Toren an, Schiller folgt gleich dahinter mit 13 Treffern. Vorteil Steffens – er ist als Elfmeter-Schütze eingeteilt. Beschwerden oder Neid zwischen den beiden Top-Spielern? „Das würde mich überraschen. Beide sind sehr mannschaftsdienlich“, sagt Emmerling. Und so erledigten beide auch ihren Manndecker-Job ohne zu murren. „Im Grunde ist das aber auch weniger Laufarbeit, weil man als Stürmer nicht zwischen den Innenverteidigern hin und her muss, sondern einen fest zugeordnet hat.“
Welche Spieler machten auf sich aufmerksam ?
In bestechender Form ist derzeit auch Pascal Steinwender, genannt „Calli“. In Heeslingen lieferte er wieder zwei Vorlagen – zunächst für Schiller, dann für Steffens – und sammelte weitere Scorer-Punkte. Hinter Tobias Steffen, der die meisten Standars bei Kickers tritt, ist „Calli“ der beste Vorbereiter der Emder. Emmerling: „Er hatte eine überragende Vorbereitung ohne Wehwehchen, ist jetzt vielleicht zum ersten Mal seit er in Emden ist bei 100 Prozent.“ Die Torbeteiligung von Said Abbey – er legte zum 4:0 vor – erfreute die Coaches ebenso. Da Kickers in diesem Jahr zudem noch keinen einzigen Gegentreffer kassiert hat, muss man auch der Defensivarbeit und dem Abwehrverbund ein Kompliment aussprechen.
Dann ist Kickers jetzt so gut wie Meister, oder ?
Emdens Co-Trainer Markus Unger wiegelt ab: „Wir sind jetzt Tabellenführer, haben noch Nachholspiele – das sieht gut aus, aber wir machen von Woche zu Woche weiter.“ Die Statistik des BSV ist dennoch beeindruckend: Seit 13 Pflichtspielen ist er ungeschlagen! Ist das nicht meisterlich? „Naja“, sagt Cheftrainer Stefan Emmerling, „Atlas Delmenhorst hat jetzt acht Spiele in Folge gewonnen. Egestorf, Bersenbrück, Rehden – die lassen alle nicht locker. Deshalb dürfen wir auch nicht nachlassen. Klar ist aber: Unsere Ausgangsposition ist nicht schlecht.“ Der bisherige Tabellenführer Bersenbrück war am Wochenende bei Meppen II allerdings nicht über ein 2:2 hinausgekommen.
Gab es sonst noch gute Nachrichten für Kickers ?
Ja, die gab es. Janek Siderkiewicz feierte nach einer längerfristigen Schulterverletzung sein Comeback. Er wurde in der 81. Minute für Tobias Steffen eingewechselt. Steffen kassierte gegen den Heeslinger SC zwar seine fünfte Gelbe Karte und ist für das kommende Heimspiel an diesem Mittwochabend gegen Meppen II gesperrt. Dafür war vor einer Woche Efkan Erdogan nach seinem Kreuzbandriss zurückgekehrt.
