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Kitesurfer Jannis Maus Aus Oldenburg Er ist wieder deutscher Meister und träumt nun von Olympia

Nele Claus

Oldenburg - Während andere Studenten sich sonntagmorgens noch mal umdrehen, ist Jannis Maus bereits unterwegs an die Küste. Jede freie Minute nutzt der 21-Jährige, um auf seinem Kiteboard – einem kleinen Surfbrett, das von einem Lenkdrachen gezogen wird – über das Wasser zu schießen. Das Engagement zahlt sich aus: Am vergangenen Wochenende wurde der Oldenburger zum dritten Mal in Folge deutscher Meister in der Kategorie Race, vor zwei Jahren wurde er sogar Weltmeister.

Wenn er nicht gerade trainiert oder auf einem Wettkampf ist, lernt Jannis für sein Chemiestudium. Im Sommer, während der Saison, muss er manchmal improvisieren, um Studium und Profisport unter einen Hut zu kriegen. „Die Wettkämpfe sind zum Glück oft an Wochenenden, so dass ich selten Vorlesungen verpasse“, sagt er. Die Autofahrten nach Hooksiel, Sylt oder Fehmarn nutzt Jannis, um Vorlesungen oder Praktika vor- und nachzubereiten.

Auf dem Wasser setzt Jannis auf Tempo – das Racing, also das Kitesurfen mit größtmöglicher Geschwindigkeit, ist seine Paradedisziplin. Neuartige Boards, sogenannte Hydrofoils, sorgen seit der vergangenen Saison für noch schnellere Rennen. Das Hydrofoil ist ein normales Board mit einem Mast an der Unterseite, der zwei Tragflächen hat. „Sieht aus wie ein Modellflugzeug“, scherzt Jannis.

Die Tragflächen geben dem Board Auftrieb. „Man hat kaum noch Wasserwiderstand und kann ziemlich schnell werden.“ Dank des geringen Wasserwiderstandes könne man bereits bei schwachem Wind gut fahren. „Ich fahre gerne im Schwachwind. Das Wasser ist dann spiegelglatt. Wenn nicht gerade ein Wettkampf stattfindet, ist man dann komplett allein.“

Vom Vater gelernt

Beigebracht hat ihm das Kiten sein Vater auf dem Ijsselmeer in Holland. Mit Board und Schirm fand Jannis sich schnell zurecht. Kein Wunder, denn sein Leben war schon immer sehr durch Sport geprägt: Ob Kickboxen, Tennis, Judo oder Wasserski, Skifahren, Snowboarden, Squash oder Badminton – kaum eine Sportart, die Jannis noch nicht ausprobiert hat. „Selbst Kinderballett hab ich mal gemacht“, erzählt er lachend.

Mit 13 Jahren nahm Jannis an seinem ersten Kitesurf-Wettkampf teil, seitdem ging es bergauf: Sponsoren kamen auf ihn zu, und mit ihnen die internationalen Wettkämpfe.

Nach dem Abitur ist Jannis ein Jahr lang herumgereist, hat unter anderem das Surferparadies Maui in Hawaii erkundet und als Ski-Lehrer gearbeitet. Zum Studium zog es den gebürtigen Oldenburger in seine Heimatstadt zurück. „Ich finde Chemie super interessant. Man lernt viel über den Alltag.“ Außerdem sei das Studium relativ breitgefächert und biete viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren.

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Vom Hobby zum Beruf

Am liebsten würde Jannis jedoch das Kiten zum Beruf machen: „Es sieht ganz gut aus, dass Kitesurfen 2020 oder 2024 olympisch wird. Ich hätte Lust, entweder selbst darauf hinzuarbeiten oder den Nachwuchs zu trainieren.“ Die Aufnahme ins Olympia-Programm sei entscheidend dafür, ob in eine Sportart Geld investiert werde. Momentan lasse sich vom Kiten allein nicht leben, Preisgelder gebe es für die Sportler nur selten. Entsprechend kämpft Jannis mit ähnlichen Sorgen wie andere Studenten: „Ich muss in den Ferien Zeit frei halten, um Geld zu verdienen.“

Für die vorlesungsfreie Zeit hat Jannis große Pläne: Zunächst geht’s mit dem Team seines Sponsors für einen Videodreh und Wettkampf nach San Francisco. Anschließend möchte er mit einem Freund Dänemark auf dem Kite umrunden: 1200 Kilometer auf dem Wasser. „Wenn wir am Tag fünf Stunden fahren, ist das in sechs bis acht Tagen geschafft“, meint Jannis. Die Zeit auf dem Wasser ist für ihn wie Urlaub. „Ich bin ein total naturverbundener Mensch. Und naturverbundener als beim Kiten geht’s fast nicht. Man ist völlig auf sich allein gestellt.“

Sollte es mit Olympia nicht klappen, könnte sich der Sportfan vorstellen, in Oldenburg den Masterstudiengang anzuschließen. Denn so richtig weg möchte er von hier eigentlich nicht. „Das Problem ist, dass Oldenburg so eine tolle Stadt ist. Zum Kiten sind Kiel oder Flensburg zwar praktischer, aber die gefallen mir beide nicht ganz so gut.“

Wie eine Familie

Wenn Jannis von seinen Kite-Kollegen erzählt, spricht er gern von seiner „Kite-Family“. Auf Wettkämpfen trifft er häufig die gleichen Leute, mit vielen ist er seit Jahren befreundet. „Im Wettkampf ist man knallharter Gegner. Aber wenn man nicht gerade gegeneinander fährt, hilft man sich gegenseitig. Der Sportgedanke steht im Vordergrund.“ Dass auch seine Kommilitonen bei Wettkämpfen zuschauen, freut Jannis: „Mir ist es wichtig, Freunde und Kiter zusammenzubringen. Das sollen nicht zwei Welten bleiben.“

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