Oldenburg/Paris - Die Sonne knallt, das Wasser spritzt, der Wind pfeift: Für Jannis Maus gibt es fast nichts Schöneres, als mit seinem Kiteboard durch die Wellen zu surfen. Der 27-jährige Oldenburger könnte dies schon bald auch auf der ganz großen Bühne tun: 2024 stehen die Olympischen Sommerspiele in Paris an und Kitesurfen ist offiziell als olympische Sportart mit dabei. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, wie Maus erklärt.
Die Qualifikation für Olympia findet für die Kitesurfer in mehreren Schritten statt. Zunächst entscheidet sich auf internationaler Ebene, welche Nationen in der Disziplin „Formula Kite“ vertreten sein werden. „Die besten acht Mannschaften der diesjährigen Weltmeisterschaft haben die erste Chance, sich zu qualifizieren“, sagt Maus: „Weitere Plätze werden auch noch über andere Wettkämpfe wie die EM oder World Cups vergeben. Das geht immer nach einem bestimmten Schlüssel.“ Da das Internationale Olympische Komitee IOC sich für eine Frauen- und Männerwertung entschieden hat, können pro Nation nur eine Frau und ein Mann teilnehmen.
Interne Konkurrenz
Hat sich eine Nation einen Platz sichern können, folgt anschließend die nationale Auswahl der Athleten. In Deutschland läuft es wie folgt: „Wir haben bei drei internationalen Wettkämpfen die Chance, Punkte zu holen“, erklärt Maus. Wer nach diesen drei Wettkämpfen der oder die beste Deutsche ist, darf mit dem Adler auf der Brust an den olympischen Spielen teilnehmen und den Nationenplatz füllen. „Für uns kommt es auf die Europameisterschaft im März 2024 und den World Cup bei der Princesa Sofia Regatta auf Mallorca im April an“, sagt Maus. Außerdem steht noch ein dritter Wettkampf aus, der bislang aber noch nicht bekannt ist.
Im Wetteifern um einen Olympia-Startplatz im deutschen Team dürfte für den Oldenburger die ärgste Konkurrenz Florian Gruber sein. Der 29-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen dominiert seit mehreren Jahren den deutschen Kitesport und ist auch international sehr erfolgreich. Gruber gilt als deutsche Kite-Koryphäe und ist unter anderem mehrmaliger deutscher Meister. Auch einige Welt- und Europameistertitel zählen zu seiner Trophäensammlung.
Kiten vor Marseille
Maus blickt aber trotzdem positiv nach vorne. „Flo ist schon mein ärgster Konkurrent, aber momentan würde ich die Chancen 70:30 für mich einschätzen“, sagt er über das Duell mit Gruber: „Durch mein Vollzeitstudium von Bachelor und Master hatte er bis vor zwei Jahren immer einen kleinen Trainingsvorteil, aber seitdem ich mich nach Abschluss meiner Masterarbeit voll auf den Leistungssport konzentrieren kann, habe ich ihn schon etwas überholt.“
Um bestens für die Aufgaben vorbereitet zu sein, gilt es für Maus, bei den kommenden Wettkämpfen gut abzuschneiden. „Momentan stehen vor allem Trainingslager und die Wettkampfvorbereitung für die Weltmeisterschaft in Den Haag an“, sagt der 27-Jährige. Ein wichtiges Ereignis auf diesem Weg ist unter anderem die deutsche Meisterschaft Ende Juli, die sich Maus 2021 in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gruber gesichert hatte. „Nach der WM im August folgen die Europameisterschaft im September in England und zwei World Cup Events in Österreich und vor Sardinien“, verrät der Kitesurfer.
Olympia 2024 ruft also, aber nicht nach Paris: Die Wassersport-Wettkämpfe der Olympischen Sommerspiele in einem Jahr finden an der Mittelmeerküste vor Marseille statt. Dann vielleicht auch mit Maus, der mit knapp 70 Kilometern pro Stunde und Wasser im Gesicht über das französische Mittelmeer surft. Bestenfalls zu einer Medaille.
