Kleinenkneten - Es regnet in Strömen, als Melanie Vöge aus der Reithalle kommt und sich den Weg durch den Matsch bahnt. Ihre Frau Odette ist derweil noch mit dem Radlader auf dem Reinershof unterwegs. „Schlechtes Wetter gehört eben auch dazu“, schmunzelt die 28-Jährige, als sie sich zum Pressetermin im Reiterstübchen einfindet. Dort wartet schon Gerd Hespe-Meyer, der Besitzer des Reinershofs.

Anfang Februar hat er den schmucken Hof in Kleinenkneten an die Vöges verpachtet, nachdem Vorgängerin Tanja Erdmann den Vertrag aus gesundheitlichen Gründen gekündigt hatte. Das hatte Odette Vöge, die als Hufpflegerin arbeitet, durch Zufall erfahren. „Ein großer Hof samt Reithalle war schon immer unser Traum“, berichtet die 28-Jährige, die Ganderkesee aufwuchs. Mit ihrer Partnerin Melanie, die Tierpsychologie mit Schwerpunkt Pferd studiert hat, hatte sie zuvor in Schiffdorf einen kleinen Hof betrieben.

Auf dem Reinershof ist die 31-jährige Melanie Vöge für den Reitunterricht zuständig. Über fehlende Nachfrage kann sich die gebürtige Delmenhorsterin nicht beklagen: Mit rund 30 Schülern sind die Kapazitäten voll. Bis August wird Vöge noch von Anna Unger unterstützt, ist aber jetzt schon auf der Suche nach einer weiteren Reitlehrerin.

Viel mehr Schüler sollen es aber auch dann nicht werden, damit auch die 30 Einsteller die Reithalle nutzen können. „Die Pensionspferdehaltung haben wir schließlich ganz bewusst beibehalten“, betonen die beiden.

Zurzeit leben mehr als 40 Pferde auf dem Reinershof, von denen zehn Schulpferde beziehungsweise -ponys sind. Außerdem haben die Vöges noch vier Hunde und ein paar Minibauchschweine mitgebracht. „Für weitere Hobbys ist dann aber auch keine Zeit“, gesteht Odette Vöge. Das mache aber nichts, „schließlich arbeiten wir da, wo andere Urlaub machen.“

Auf dem Reinershof schätzt das junge Ehepaar nicht zuletzt die ungezwungene Atmosphäre. Auch die Zusammenarbeit mit dem Reitverein sei super. Demnächst bekommen die beiden Frauen noch Unterstützung von Odettes Mutter und ihrem Lebensgefährten. „Die beiden übernehmen Haushalt und Garten“, freut sich die Hufpflegerin schon jetzt.

Sie selbst hat dann den Rücken frei, um ein Therapiezentrum für Pferde zu errichten, die an Hufrehe erkrankt sind. „Diese Krankheit wird nicht zuletzt durch falsche Fütterung ausgelöst“, berichtet Odette Vöge. Die hiesigen Weiden seien eher für Hochleistungskühe als Pferde geeignet, für die man eigentlich Steppengras sähen müsste. „Hinzu kommt, dass viele Besitzer ,Liebe’ füttern mit hier einem Äpfelchen und dort einem Möhrchen“, ergänzt Melanie Vöge. Im geplanten Therapiezentrum sollen die erkrankten Pferde deshalb einen speziellen Futterplan bekommen und auf einem Paddock, also einem graslosen, befestigten Auslauf, gehalten werden.

Als nächstes möchte Odette Vöge einen Paddock-Trail auf dem elf Hektar großen Grundstück bauen. „Hier können sich die Pferde 24 Stunden am Tag frei bewegen und dem Ursprungsverhalten der Wildpferde wieder näherkommen“, ergänzt Melanie Vöge.

Es bleibt also viel zu tun auf dem Reinershof, zumal für die wärmere Jahreszeit auch wieder ein Hoffest sowie ein Turnier geplant sind. Hinzu kommen Seminare, Kurse und ein Feriencamp. „So haben wir uns das vorgestellt“, freuen sich die beiden.