Oldenburg/Suhl - Tim Focken hat schwere Zeiten hinter sich. Im Oktober 2010 wurde der Oldenburger Fallschirmjäger bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan von einer Kugel verwundet, seitdem kann er seine linke Schulter und seinen Oberarm nicht mehr bewegen. Der Sport half dem 29-Jährigen, dieses Trauma zu verarbeiten – jetzt hat er sogar die Chance auf eine WM-Medaille.

Focken hält sich zurzeit in Suhl (Thüringen) auf, dort findet noch bis Sonnabend die WM der Sportschützen mit Behinderung statt. Für Focken, Mitglied der Luftlandebrigade 31 in Oldenburg und des Schützenvereins Etzhorn (SVE), wird es an diesem Mittwoch ernst: In der Disziplin Luftgewehr liegend bildet er mit dem Cottbuser Mike Mutschke und Michael Beutel aus Oettingen die deutsche Mannschaft. Der 28-jährige Mutschke kommt ebenfalls aus der Oldenburger Bundeswehreinheit und startet auch für den SVE. Er ist in Folge eines Gefechtes in Afghanistan halbseitig gelähmt und auf einem Auge blind. Beutel (26) hat von Geburt an Deformationen an der Hüfte und an den Beinen und ist auf den Rollstuhl angewiesen.

Die Aussicht auf die WM-Teilnahme hatte bei den Sportlern schon vor der Abreise Euphorie ausgelöst. „Wir haben eine Aufgabe, wir dürfen zur WM, davon haben wir nie zu träumen gewagt“, meinte Focken und Mutschke ergänzte: „Du hast Ziele, hast den Konkurrenzkampf. Das ist etwas ganz Neues. Dein ganzes Denken ist wieder mehr nach vorn gerichtet.“

Focken fand über ein Sportprogramm für einsatzversehrte Soldaten im westfälischen Warendorf zum Sportschießen. Dies wurde Ende 2012 auf Wunsch des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière eingerichtet – es soll den Schwerstverletzten dabei helfen, ihr neues Leben zu meistern und die Kriegsgeschehnisse zu verarbeiten.

Fockens Fernziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro – er wäre der erste kriegsverletzte Soldat der Bundeswehr, der es zu den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung schafft. Die Weltmeisterschaft in Suhl ist da die ideale Standortbestimmung – Focken und Mutschke gehören zwar nicht zu den Favoriten, ihnen werden aber durchaus Chancen auf die Bronzemedaille eingeräumt.

Auf die WM hat sich Focken seit Beginn des Jahres vorbereitet. Dabei wurde er auch von den Etzhorner Schützen durch tägliches Training mit den anderen Sportlern aus der Inklusionsgruppe des Vereins unterstützt. Als Coach fungierte der Präsident des Schützenvereins, Werner Fredehorst. „Oldenburgs Sportler und insbesondere die Etzhorner Schützen drücken Tim Focken und seinen Teamkollegen die Daumen“, sagte Fredehorst.