Rastede - „Wenn wir am Sonntagabend wissen, es hat alles funktioniert, und Mensch und Tier wohlauf das Gelände verlassen, dann fällt die Anspannung ab – das ist ein extrem befriedigender Moment“, sagt Klaus Schröder. Hinter dem Pferdefreund aus Wahnbek (Kreis Ammerland) liegen gerade Wochen der Planung und Organisation beim Oldenburger Landesturnier in Rastede. Zum 74. Mal findet das große Sportereignis statt, seit 24 Jahren ist Schröder dabei. Ehrenamtlich.

Der Aufbau ist in vollem Gange: Damit sich die Besucher des Oldenburger Landesturniers auf dem weitläufigen Areal zurechtfinden, hilft eine Tafel im Eingangsbereich bei der Orientierung.

LANDESTURNIER IN RASTEDE Was Besucher zum Start wissen müssen – Plätze neu angeordnet, keine Vielseitigkeit mehr

Frank Jacob
Rastede

Der Start war unspektakulär: Seine Frau Annette, die im Renn- und Reitverein Rastede die Voltigierabteilung betreut, bat ihn 1999, bei den Vorbereitungen zum Landesturnier mitzuhelfen. Sechs Jahre später übernahm Schröder die Leitung der Abteilung „Fahren/Vielseitigkeit“. „Das ist wie ein Virus; ich habe mich total infiziert“, lacht er. Und das, obwohl er selbst bis heute nicht reitet. „Ich habe Respekt vor Pferden – das Reiten überlasse ich anderen“, gibt er freimütig zu.

Erstes Mal dabei und gleich den zweiten Platz beim Talentförderpreis belegt: Emil Oetken aus Ganderkesee.

LANDESTURNIER IN RASTEDE Wie Nachwuchsreiter Emil Oetken aus Ganderkesee der große Sprung aufs Pferd gelingt

Anke Brockmeyer
Rastede

Für ihn ist auch jenseits der Pferde genug zu tun: Schon im April werden die Hindernisrichter eingeladen, es gibt erste Teambesprechungen, ehrenamtliche Mitarbeiter werden rekrutiert. Ein paar Wochen vor dem Turnier müssen die Hindernisse geprüft, repariert, neu gestrichen werden. Das Team tauscht morsche Pflöcke aus, kontrolliert die Wege auf Unebenheiten oder überstehende Zweige, wässert den Boden, richtet das Fahrerlager ein. „Ab montags ist der ganze Platz in Bewegung, da geben alle Vollgas“, erzählt er. Denn am Dienstag, dem ersten Turniertag, muss alles perfekt sein. Allein Schröders Team umfasst rund 50 Helferinnen und Helfer. Ehe der Bereich Vielseitigkeit vor zwei Jahren ausgegliedert wurde, waren es noch 20 mehr. Insgesamt sind gut 300 Ehrenamtliche vor und hinter den Kulissen des Landesturniers dabei. „Die Besucher ahnen gar nicht, welch ein Aufwand dahintersteckt. Und das ist auch gut so – sie sollen sich einfach wohlfühlen. Wenn sie anschließend sagen ,Es war ein tolles Turnier’, dann haben wir gute Arbeit geleistet“, sagt er.

Ein Duo für die schweren Prüfungen im Rasteder Schlosspark: Patrick Stühlmeyer auf seinem zwölfjährigen Wallach Quando Vengo

FLIEGENDER WECHSEL IM RASTEDER SCHLOSSPARK Patrick Stühlmeyer plant beim Oldenburger Landesturnier 20 Starts ein

Otto-Ulrich Bals
Rastede

14 Tage vor dem Turnier wird mit dem Aufbau der Infrastruktur begonnen, anschließend muss alles wieder demontiert werden. Denn der Park ist denkmalgeschützt, nichts darf hier verändert werden. Und jedes Jahr versuchen Schröder und sein Team, einzelne Schritte noch zu optimieren. „Ich habe immer einen Block dabei, auf dem ich mir notiere, was gut läuft und wo wir noch etwas verbessern können“, verrät der Wahnbeker. Auch auf anderen Turnieren holt er sich neue Ideen. Während des Gesprächs mit der Zeitung fällt ihm ein: Trillerpfeifen müssen noch besorgt werden – schnell eine Notiz im Block.

Der neue Chef des Oldenburger Landesturniers: Der Rasteder Alexander von Essen tritt die Nachfolge von Jan-Christoph Egerer an.

PFERDESPORT IN RASTEDE Wie Alexander von Essen Chef des Landesturniers wurde

Frank Jacob
Rastede

Als er noch berufstätig war, hat sich Klaus Schröder Urlaub genommen, um auf dem Landesturnier zu arbeiten. „Das Team hier ist wie eine große Familie, die Chemie stimmt einfach“, schwärmt er. Die Ehrenamtlichen, mit denen er seit Jahren zusammenarbeitet, aber auch die Nachwuchskräfte, die dazukommen, sind ihm wichtig. „Menschen um mich zu haben, auf die ich mich verlassen kann, ist ein schönes Gefühl.“

Favoritin im L-Springen: Jona Schnier aus Ganderkesee

LANDESTURNIER IN RASTEDE Der Auftakt steht ganz im Zeichen des Nachwuchses

Otto-Ulrich Bals
Rastede

Wenn am Freitag die ersten Kutschen über den akribisch hergerichteten Platz fahren, die Harmonie zwischen Pferden und Fahrer zu spüren ist und Klaus Schröder weiß, dass das alles nur mit der harten und engagierten Arbeit der ehrenamtlichen Kräfte möglich war, dann hat dieser Moment für ihn eine besondere Faszination. „Das ist ein echtes Highlight für mich“, sagt er, und in seinen Augen blitzt die Begeisterung.

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion