Schortens - Der Jever-Fun-Lauf ist ein bisschen wie die Fußball-Bundesliga: Der erste Platz ist immer schon vergeben. Dominiert im Fußball der FC Bayern München die Liga und startet als Topfavorit um die Meisterschale in die neue Saison, so sind es beim Jever-Fun-Lauf immer die Kenianer, die den ersten Platz unter sich ausmachen. Seit 1999 gewannen ununterbrochen die Athleten aus Ostafrika den Hauptlauf. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern, wenn an diesem Sonnabend, 20. August, am frühen Abend in Schortens der Startschuss für den 30. Jever-Fun-Lauf fällt.

Gleichwohl: Dass der heutige Jever-Fun-Lauf zur Premiere 1987 noch gar nicht nach einem Friesischen Brauhaus als Hauptsponsor benannt war, sondern die Athleten und Freizeitsportler noch unter dem Emblem eines großen Büromaschinenherstellers aus Roffhausen liefen, daran muss man beizeiten erinnern. Erst nach der Schließung der AEG Olympia Werke wurde das Friesische Brauhaus Hauptsponsor und Namensgeber der Laufsportveranstaltung, die sich schon in jungen Jahren zu einem Laufsport-Großereignis entwickelt hatte.

In guten Jahren gingen mehr als 2000 Läufer vom Kleinkind bis zum Senior an den Start. Bambinilauf, Schülerläufe, Läufe über die Fünf-Kilometer-Distanz, 10-Kilometer-Lauf und der Hauptlauf über zehn englische Meilen sorgten für große Teilnehmerzahlen und viel Aufmerksamkeit und Unterstützung entlang der Laufstrecke. Die Volks- und Straßenläufe werden auf einer vier Kilometer langen Runde im Zentrum von Schortens absolviert. Ziel ist stets der Bürgerhausplatz, wo es ein sportliches und unterhaltsames Rahmenprogramm gibt. Entlang der Laufstrecke gibt es Gartenpartys mit Logenplätzen. Der Jever-Fun-Lauf wurde so immer auch zum internationalen Volksfest.

Von Anfang an mit dabei ist Peter Torkler. Schortens’ Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger gehört zu den Mitbegründern und Organisatoren des damaligen AEG Olympia- und heutigen Jever-Fun-Laufs, entwickelte die Idee des Laufs über zehn englische Meilen mit. „Begonnen hat das Schortenser Laufsportspektakel vor 30 Jahren mit einer Wette“, sagt Torkler. 1986 wettete der Schortenser Unternehmer Gerd Hinrichs mit Freunden, die 1700 Kilometer lange Strecke von Rom nach Schortens in einer bestimmten Zeit zu fahren. Zur Ankunft der Radfahrergruppe in Schortens gab es ein kleines Volksfest. Daraus entstand die Idee, eine sportliche Großveranstaltung zu organisieren.

Ein Jahr später, am 29. August 1987, feierte der erste Internationale AEG-Olympia-Lauf Premiere. Fünf Jahre später übernahm das Friesische Brauhaus das Sponsoring.

Der Jever-Fun-Lauf war geboren.

Dass Peter Torkler selbst einmal ein großartiger Läufer war, erklärt seinen besonderen Hang für diese Veranstaltung. „In meiner Jugend war ich einer der besten Sprinter im Nordwesten und auch noch einige Jahre als Trainer aktiv“, sagt der Jever-Fun-Lauf-Miterfinder.

Heute, 30 Jahre später, steht der Termin für den Jever-Fun-Lauf im Laufkalender vieler Athleten, gehört der Lauf in Schortens seit Jahren zu den „Top 100 Laufevents“ in Deutschland.

Ein Ereignis der Schortenser Laufsport-Veranstaltungen ist nicht nur Peter Torkler besonders in Erinnerung geblieben: „Noch bevor 1989 jemand an eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten dachte, planten die Macher des AEG Olympia-Laufs mit langjährigen Sportkameraden in Schwerin einen Nonstop-Staffellauf von Mecklenburg-Vorpommern nach Schortens für die Veranstaltung im August 1990. Diese Deutschland-Staffel sollte in 39 Etappen über fast 400 Kilometer führen und pünktlich am Veranstaltungstag des 4. Internationalen Schortenser AEG Olympia-Laufs auf dem Bürgerhausplatz eintreffen, um dort ein ,olympisches Feuer‘ – aus Schwerin mit Fackeln transportiert – im Zieleinlauf zu entzünden“, so Torkler.

Nach mehr als 31 Stunden – auf der gesamten Strecke von den Medien begleitet – konnte der zweifache Olympiasieger im Marathon für die DDR, Waldemar Cierpinski, als Schlussläufer unter großem Beifall das Feuer in der Edelstahlschale entzünden. Ministerpräsident Gerhard Schröder war Schirmherr dieser wohl einmaligen Deutschlandstaffel, schwelgt Torkler in Erinnerungen. Teilnehmer haben seinerzeit gesagt, dass es Tränen der Rührung und eine Gänsehaut beim Überlaufen der vormals innerdeutschen Grenze in Lauenburg gab.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever