Emden/Dullstroom - Die ersten Tage in der Heimat nach dem Höhentrainingslager im südafrikanischen Dullstroom sind für Felix Ebel sehr vage gewesen: Irgendwie konnte er es nicht „fassen“, ob und was das Training in 2000 Metern über Normalnull gebracht hat. Knappe drei Wochen später weiß der Emder, dass er auf der Bahn einen „richtigen Schuss“ gemacht hat.

Allerdings hebt Ebel jetzt nicht ab. „Ich habe eine gute Form, aber auch noch einige Baustellen.“ Trotzdem möchte er bei der „Langen Laufnacht“ von Karlsruhe auf der 5000 Meter-Distanz eine neue persönliche Bestleistung erreichen. Bei 14:23 Minuten steht seine Zeit. „Ich liebäugle mit einer bestimmten Zeit, möchte die aber nicht vorab nennen.“ Seine Bestzeit hat er dann mal eben um 15 Sekunden unterboten und landete bei 14:08,14, schaffte mit dieser Zeit auch die Norm für die Deutschen Meisterschaften der Mäner in Braunschweig.

Dadurch hat er seine Ziele noch einmal neu gesteckt. Klar ist, dass er schnellstmöglich unter 14:00 Minuten laufen möchte. „Ich merke im Training jetzt die positiven Effekte aus dem Höhentrainingslager.“ 605 Trainings-Kilometer waren es insgesamt in den vier Wochen, das macht umgerechnet über 1512 Runden auf dem Sportplatz vom Johannes-Althusius-Gymnasium – dort, wo der sportliche Weg von Ebel bei der Emder Laufgemeinschaft seinen Anfang nahm. Mittlerweile startet der Student für den Braunschweiger Laufclub, studiert allerdings in Leipzig Sportwissenschaften.

Auf der Trainingsseite waren die vier Wochen nach Ebels Worten top, doch ansonsten war es eher „tote Hose“ in dem Ort. „Die Stadt ist sehr niederländisch geprägt, aber kein Erholungsort, sondern eher auf den Sport ausgerichtet.“ Wenn die Sportler einmal etwas unternehmen wollten, mussten sie weit fahren. „Es waren aber viele Leute da, die ich schon kannte, so rund 100 insgesamt.“

Dennoch waren die vier Wochen mental auch stressig. „Immer mit den gleichen Leuten vier Wochen klarkommen, da ist ein Monat auch ziemlich lang.“ Ebel meinte, dass die „Zündschnur“ bei jedem von Woche zu Woche immer kürzer wurde. „Aber es war eben ein richtiges Trainingslager, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Beim ersten Höhentrainingslager mit dem Bundeskader 2021 im österreichischen Kühtai musste Ebel überwiegend krankheitsbedingt passen.

Deshalb empfand er es jetzt viel besser. Und die finanzielle Seite war auch längst geklärt, denn zuletzt hatte der frühere Geschäftsführer von Autoport Emden, Hans-Wilhelm Wildeboer, gemeinsam mit Friedhelm Peters und der ELG eine Spendenkampagne ins Leben gerufen und Ebel auf diesem Weg finanziell unterstützt. „Ich freue mich und bin Hans-Wilhelm und der ELG dankbar dafür, dass mir dadurch diese Möglichkeit gegeben wurde.“ Auch dem Braunschweiger Laufclub, betont Ebel, verdankt er mittlerweile sehr viel.

Und noch etwas freut den Emder: Er ist wieder bei Trainer André Pollmächer. Der ist in Chemnitz, die Stunde Fahrt von Leipzig dorthin nimmt Ebel gerne in Kauf. Pollmächer hatte Ebel im Sportinternat in Hannover unter seine Fittiche genommen. Mit seiner Hilfe machte der Emder gewaltige Sprünge in seinen Zeiten.

Das wird auch in Zukunft wichtig sein, wenn Ebel seinen Traum, bei Olympia 2028 an den Start zu gehen, weiter leben will. Die nächsten Wettkämpfe sind schon fix, Ende Juni (Männer/Braunschweig) und Anfang Juli (U23/Mönchengladbach) startet Ebel noch einmal über die 5000 Meter, dazwischen über die 3000 Meter in Dortmund (7. Juni). Und dann ist da ja noch der Matjeslauf am 1. Juni in Emden. Da hatte Ebel im vergangenen Jahr die Zeit über die 5000 Meter pulverisiert – er unterbot den sieben Jahre alten Streckenrekord um eine halbe Minute. Ob er da startet, ließ er sich nicht entlocken.

Dirk de Vries
Dirk de Vries Emder Zeitung