Lemwerder - Looping und Rollen sind für Segelflieger Sebastian Scholz keine Fremdworte. Im Gegenteil: Er beherrscht sie sicher. Das hat er jetzt eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Mitglied der Airbus Weser-Fluggemeinschaft aus Lemwerder konnte sich auf dem Kunstflug-Wettbewerb um den Salzmann-Cup auf dem Flugplatz Burg Feuerstein in Oberfranken überraschend mit einer gelungenen Kür den Sieg in der Advanced-Klasse holen.
Sebastian Scholz siegte mit deutlichem Vorsprung vor Marvin Woltering aus Nordrhein-Westfalen und Sandro Rutz aus Baden-Württemberg. In der Gesamtwertung – hierzu gehören neben der Kür auch die bekannte und unbekannte Pflicht – belegte der 30-jährige Maschinenbaustudent aus Vegesack den sechsten Platz. Unter den 14 Startern der Advanced-Klasse ist das ein guter Mittelplatz.
„Der Salzmann-Cup war Sebastians erster Wettbewerb“, sagt der 1. Vorsitzende der Lemwerderaner Segelflieger, Christoph Muschner. „Noch dazu mit einem fremden Flugzeug und über einer unbekannten Gegend, in der die zum Kunstflug wichtigen Orientierungspunkte noch neu sind. Da ist ein Mittelfeld-Platz ein sehr gutes Resultat.“
Segelfliegen alleine ist schon faszinierend. Das stille Gleiten am Himmel wird nur noch übertroffen vom Kunstflug mit Segelflugzeugen, der wohl ästhetischsten Form des Fliegens, die der Mensch für sich entdeckt hat. Aus der einmal erlangten Flughöhe ohne weitere Energiezufuhr von außen am Himmel zu turnen, ist eine Kunst, die gründlich gelernt und immer wieder trainiert werden will.
Das gesamte Figurenprogramm muss in einem imaginären Würfel von 1000 m Kantenlänge geflogen werden, der sogenannten Box. Bezugslinien dazu sind Bodenmerkmale. Fliegt man außerhalb dieser gedachten Linien, gibt es Strafpunkte. Beim Programm sind Looping und Rollen noch die einfachsten Figuren. Wie die anderen Programmpunkte geflogen werden müssen, kann Sebastian Scholz nur mit kunstvoll verdrehten Händen ansatzweise dreidimensional darstellen. „Während des Programms erreicht man in Spitzenwerten 5 g“, sagt er. „Dann lastet kurzzeitig das Fünffache des eigenen Körpergewichtes auf einem“. An Geschwindigkeiten werden beim Programm bis zu 280 km/h erreicht.
Geflogen ist Sebastian Scholz mit einer SZD 59, einem Muster, das aus einem polnischen Segelflugzeug abgleitet wurde. Für eine bessere Eignung zum Kunstflug wurde die Spannweite von 15 Metern auf 13,20 Meter verkürzt und das Leitwerk verändert. Das Flugzeug gehört einem Förderverein für Segelkunstflug in Baden-Württemberg und wird nur für Wettbewerbe an qualifizierte fremde Piloten verliehen. Dadurch hatte Sebastian Scholz keine Möglichkeit, vor dem Wettbewerb mit dem für ihn unbekannten Muster zu trainieren. Bei den Trainingsmöglichkeiten hatte er ohnehin Glück, dass sein Heimatverein für dieses Jahr als Gast auf dem Flugplatz Große Höhe bei Delmenhorst aufgenommen wurde und er dort seinem Hobby nachgehen konnte.
