Le Mans/Oldenburg - Es waren die bisher längsten Minuten in ihrem Leben: Abzuwarten, bis die Wertnote auf der Anzeigetafel Gewissheit verschafft – und dann brach der Jubel aus: Lily Warren und Arne Heers sichern sich im französischen Le Mans die Goldmedaille – und damit den Weltmeistertitel als Pas de Deux (französisch: Tanz zu zweit) auf Erfolgswallach Capitano mit Sven Henze an der Longe.
Gr0ßes Miteinander
Völlig überwältigt zog das frischgebackene Weltmeister-Trio der Reit- und Fahrschule Oldenburg (RFO) mit der deutschen Fahne am Sonntag seine Siegerrunde durch die Wettkampfhalle – begleitet vom Klatschen und Jubeln der anderen deutschen Athleten. „Wir brauchen noch ein paar Tage, bis wir das alles realisieren können“, sagt Sven Henze als Trainer und Longenführer.
Draußen vor der Wettkampfhalle brechen schließlich alle Dämme, Freudentränen fließen ungehemmt: „Wir sind Weltmeister, wir haben es geschafft“, flüstert die 16-jährige Lily Warren erschöpft ihrer Mutter zu, während der 15-jährige Arne Heers seinen Eltern in den Armen liegt. Momente, die diese jungen Menschen niemals vergessen werden – getragen von einem deutschen Nationalteam, das in Le Mans durch ein harmonisches Miteinander besticht.
Deutlicher SieG
Bereits am Samstag hatte sich das Oldenburger Pas-de-Deux einen Vorsprung von fast drei Zehntel Punkten auf die Duos aus der Schweiz und den Niederlanden erarbeitet. Doch damit nicht genug: Lily Warren und Arne Heers steigerten ihre Leistung am Sonntag noch einmal: Das achtköpfige internationale Richtergremium vergab für die Abschlusskür sensationelle 8,732. Damit deklassierten die Deutschen die weiteren Starter mit einer Gesamtwertung von 8,578 Punkten deutlich. Österreich belegt mit 8,08 Platz 2, gefolgt von den Niederlanden mit 8,03. Das zweite deutsche Duo mit Liesbeth Erna Fraatz und Finn Gallrein landete auf Platz 5. Unter den 13 Duos am Sonntag waren Nationen aus Russland, Großbritannien, Italien, der Schweiz, Tschechei und den USA vertreten.
Ohne Zuschauer
Zuschauer gab es nahezu keine: Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) hatte die Weltmeisterschaft coronabedingt nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit erlaubt – eine ungewöhnliche Atmosphäre, denn Voltigierveranstaltungen leben von der Stimmung im Publikum.
Dennoch gelang es dem Oldenburger Duo die Menschen in der Halle zu verzaubern. Einfühlsam und fließend turnten die Voltigier-Talente ihre Kür zu den Klängen aus dem Naturfilm „La terre vue du ciel“ („Die Erde von oben gesehen“), mit der die deutschen Eiskunstlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot ein Wintermärchen geschrieben haben.
Teamleistung
„Ich bin so dankbar, dass das Team um uns herum diesen Sieg ermöglicht hat“, resümiert Lily Warren. Denn erst all diese Menschen hätten dazu beigetragen, insbesondere Imke zur Brügge als Trainerin und Maike Zielinski als Bereiterin: „Denn Capitano muss vor allem gut geritten werden, damit er als Voltigierpferd gesund bleibt!“, erklärt die 16-Jährige. Für sie und Arne Heers, der in Hülsen an der Aller lebt und stets mit dem Zug zum Training nach Oldenburg reist, steht fest: „Diese Reise werden wir nie vergessen.“
Im September in Timmel
Wer das Weltmeister-Team selbst erleben will, hat dazu vom 16. bis 19. September – sofern die Corona-Bedingungen es zulassen – die Gelegenheit: Dann werden die beiden voraussichtlich ihre Weltmeister-Kür auf der Deutschen Juniorenmeisterschaft im ostfriesischen Timmel turnen.
