LEMWERDER/NEUSEELAND - Alexander Beilken nutzt seinen Aufenthalt und knüpft viel wertvolle Kontakte. Seine Leidenschaft für das Segeln ist so groß wie noch nie.
von andrea grünhagen
LEMWERDER/NEUSEELAND - Ein Schuljahr im Ausland ist ein Traum für viele Jugendliche. Für den 17-jährigen Alexander Beilken erfüllte sich dieser Wunsch. Im September 2005 reiste der Ritzenbüttler nach Neuseeland, wo er bis Mitte April in der „Kristin School" in Albany in Auckland die Schulbank drückte. Doch nicht nur schulisch konnte er wertvolle Erfahrungen im fernen Inselstaat im Pazifischen Ozean sammeln, auch seglerisch übertrafen die ereignisreichen Monate die Erwartungen des erfolgreichen Regattasportlers.Schon bei der Wahl seiner Gasteltern hatte Alexander großes Glück, denn diese besaßen eine 10-Meter-Segelyacht, mit der sie siegreich an Regatten auf dem Hauraki Golf teilnahmen. Sooft sich die Gelegenheit für Schüler und Gasteltern bot, nahmen sie an Rennen teil, die vom Devonport Yacht Club, dem auch der legendäre Sir Peter Blake angehörte, ausgerichtet wurden. „Wir haben viele Preise gewonnen", erzählte Alexander ein wenig stolz. Dazu arbeitete die Gastmutter auch noch in einem Marineservice-Unternehmen und konnte wertvolle Kontakte zu anderen Seglern herstellen.
So ergab es sich recht schnell, dass Alexander auf einer 16-Meter „Formula One“- Renn-Yacht anheuern konnte. Der Zufall wollte es, dass es jenes Schiff war, auf dem schon sein Vater, Behrend Beilken, den „Formula One-Grand-Prix“ mitsegelte. „Mein Vater hatte bei seinem Besuch im Dezember festgestellt, dass sogar noch dieselbe Seereling von damals montiert ist", fügte Alexander hinzu. Besonders viel Spaß haben ihm die Mittwochsregatten gemacht, den "Wednesday Night Racing Series", die vom Royal New Zealand Yacht Squadron, dem Ausrichter des America's Cup, veranstaltet wurden. Diese Regatten zählen zu den prestigereichsten, aber auch schwersten Rennen. Über 200 Schiffe in den verschiedenen Klassen gehen dort an den Start, Größenordnungen von denen man in Deutschland nur träumen kann. Alexander hatte auf der Formula One den Job auf dem Vorschiff bekommen. Das war zwar richtige Knochenarbeit, doch es ist auch eine wichtige Aufgabe, von der an Bord viel abhängt. Im Januar nahm er dann mit
seiner Crew an der Bay of Islands Racing Week teil, bei der allein über 100 Boote starteten. Die Formula-One-Crew bestand fast nur aus professionellen Seglern, die beinahe alle Erfahrungen beim Volvo Ocean Race oder dem America's Cup gemacht hatten.
Glücklich berichtete Alexander, dass sie auch in dieser Klasse wieder gewinnen konnten. Für ihn war klar, dass diese Regatta nicht nur ein riesiger Erfolg für ihn und seine Crew war, sondern für ihn persönlich wieder eine sehr wertvolle seglerische Erfahrung bedeutete. So blieb es nicht aus, dass er über das Regattasegeln sogar Crewmitglieder von Team New Zealand, wie Rob Waddell, Goldmedaillengewinner von Sydney 2000 im Einerrudern, kennen lernte. Er wurde zu einem seiner besten Freunde in Neuseeland. Es wundert auch nicht, dass der Sohn der Gasteltern ebenfalls eng mit dem Segelsport verbunden ist. Er gehört als Bootsbauer zu dem amerikanischen Oracle Team des America's Cup. Er kam kurz zu einem Besuch nach Neuseeland. Alexander hat sich schon jetzt mit ihm und den vielen anderen America's Cup-Seglern im spanischen Valencia verabredet, wo die Vorbereitungen auf den nächsten Cup laufen.
Aber auch seiner Boots-klasse in Deutschland, der 420er-Jolle, ist er treu geblieben und ging sogar für die „Kristin School“ bei vielen Regatten an den Start. Mit der Schule in Albany war Alexander Beilken mehr als zufrieden, denn sie war dem jungen Sportler sehr zugetan. Doch Alexanders Koffer sind schon gepackt. Bereits Ende der Woche geht es zurück nach Deutschland. Dort wartet bereits die nächste große Herausforderung auf ihn und seinen Bruder Björn, denn schon am Sonnabend, 29. April starten die Brüder in der 420er-Jolle bei der dritten WM-Ausscheidung in Schwerin. Für Alexander Beilken steht nach dieser ereignisreichen Zeit fest: „Meine Leidenschaft für das Segeln war noch nie so groß. Ich freue mich auf die Saison 2006."
