Oldenburg - In den harten Lockdown-Monaten sind sie als eine von nur wenigen Fußball-Mannschaften Oldenburgs in den Genuss von Einzeltraining gekommen. Fast schon ein Hochgenuss war für einige Spielerinnen von TuS Eversten in dieser Woche eine erste gemeinsame Einheit. Seit dem Inkrafttreten der neuen Corona-Regeln am Montag darf kontaktfrei auch wieder kollektiv trainiert werden. Die Idee zu den individuellen Einheiten, die schon seit dem 15. Januar angeboten werden und dafür sorgen, dass das Bezirksliga-Team nicht fast bei Null anfangen muss, hatte Manager Helmut Bartels.
In der neuen Halle am Tegelkamp starteten die TSE-Trainer Holger Oltmanns und Mark Nieswandt Mitte Januar das Einzeltraining-Angebot. „Mark hat viel mit Technik-Übungen gearbeitet. Ich habe den Fokus auf den Torschuss gelegt“, sagt Oltmanns über die Anfänge.
Im Sportpark Donnerschwee ergab sich später die Chance, „einfach ein bisschen zu bolzen. Inhaber Timo Ehle ist uns mit dem Preis sehr entgegengekommen. Das war super“, erzählt Oltmanns.
Auf der Hundsmühler Höhe gab es am 20. März erstmals ein Outdoor-Einzeltraining. Es sei gut angenommen worden, da es konditionell anspruchsvoller und insgesamt mehr wie richtiges Fußballspielen sei, sagt Oltmanns. Dass manche meinen, Individualtraining sei im Fußball nicht effektiv, kann er nicht verstehen: „Es ist hocheffektiv. Die Spielerinnen bekommen ein positionsspezifisches Training, ich kann mit jeder individuell an ihren Schwächen arbeiten.“ Welche Trainingsform sich aktuell dauerhaft anbiete, wird überlegt. Die derzeitigen Test-Auflagen seien noch eine logistische Herausforderung.
Für die Zukunft
„Wir wollten den Zusammenhalt aufrechterhalten, die Spielerinnen an den Verein binden und sie natürlich auch fit halten“, sagt Bartels (52). Er gründete das Team 2017 und fungierte mit Oliver Willms als Trainer. Mittlerweile kümmert er sich als Manager vor allem um die Akquise von Spielerinnen und Sponsoren. Nach dem Durchmarsch von der Kreisklasse in die Bezirksliga soll in der von Corona hoffentlich nicht mehr so geprägten Saison 2021/22 der Klassenerhalt her. In Zukunft soll’s noch höher gehen. „Wir wollen langfristig die höchstspielende Frauen-Mannschaft in der Stadt sein – also mindestens Landesliga.“ Da sind FC Ohmstede und Post SV aktuell aktiv.
Für die Mitglieder
Im Juli 2019 übernahmen Holger Oltmanns und Mark Nieswandt das Team. Nach dem Bezirksliga-Aufstieg in der aufgrund der Pandemie abgebrochenen Saison 2019/20 und der früh gestoppten Spielzeit 2020/21 soll die Entwicklung wieder forciert werden. Dank des Individualtrainings absolvierten seit Januar jeweils acht Spielerinnen pro Woche eine 45-minütige Einheit. Während kaum ein Verein in Oldenburg diese Chance genutzt habe, war dieses Angebot für Oltmanns fast selbstverständlich. „Das sind alles zahlende Mitglieder“, sagt der 53-Jährige.
Für die Taktik
„Das Training gefällt mir total gut. Man hat sonst nie die Möglichkeit, alleine mit einem Trainer zu trainieren – so kann er mir natürlich viel mehr Feedback geben“, schwärmt Friederike Widjaja (21). Die Außenverteidigerin sieht bei sich selbst vor allem starke Verbesserungen bei Flanken und kann nun besser nachvollziehen, was die Trainer taktisch von ihr sehen wollen. Auch deshalb fiebert sie der Wiederaufnahme des Spielbetriebs entgegen: „Ich will das Gelernte endlich mal im Spiel umsetzen.“ Auch Pia Vedder (27) ist von den Individualeinheiten begeistert: „Holger und Mark sind total engagiert. Das Einzeltraining ist sehr vielseitig und macht wirklich Spaß. Ich persönlich habe da total viele Theorie- und Praxis-Verknüpfungen, was mich wirklich weiterbringt.“
Für den Genuss
„Ich lerne die Spielerinnen auch mal viel besser kennen. Das ist somit auch menschlich eine ganz tolle Geschichte“, meint Oltmanns. In einem seien sich alle jedoch einig: „Ein Ersatz für das richtige Mannschaftstraining mit Zweikämpfen und allem Drum und Dran, ist das nicht.“ Wenn die Corona-Inzidenz nachhaltig unter den Wert von 50 sinkt (am Freitag lag sie erstmals darunter: 47,9), ist das aber bald wieder drin. Oltmanns hofft, spätestens im August ein Trainingslager anbieten zu dürfen, in dem „das normale Fußballspielen“ wieder möglich ist. Es wäre für die ganze Mannschaft ganz sicher ein Genuss.
Die Inzidenz in Oldenburg sank am Freitag erstmals wieder unter den Wert von 50 auf 47,9. Nach dem vom Land vorgestellten Stufenplan 2.0 (könnte mit der nächsten Verordnung ab 31. Mai greifen) würde ein Kreis oder eine Stadt nach fünf Werktagen unter der 50 von Stufe 3 auf 2 wechseln.
In Stufe 3 bestehen für den Breitensport diese Regeln, die so aktuell auch in Oldenburg gelten: Drinnen gelten die „normalen“ Kontaktbeschränkungen (ein Haushalt plus zwei Personen, Kinder unter 14 Jahren frei). Draußen ist für Talente bis 18 Jahre Kontaktsport in festen Gruppen bis 30 Personen zulässig. Erwachsene dürfen kontaktfreien Sport betreiben, wenn ein Zwei-Meter-Abstand eingehalten wird oder es je teilnehmender Person eine Fläche von zehn Quadratmetern gibt.
In Stufe 2 würden sich über Stufe 3 hinausgehend diese Möglichkeiten ergeben: Drinnen dürfen 30 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in festen Gruppen Kontaktsport betreiben. Draußen dürfen auch maximal 30 Erwachsene Kontaktsport betreiben.
Bei allen Gruppenangeboten in Stufe 2 und 3 gilt für volljährige Personen sowie Trainer und Betreuer eine Testpflicht. Geimpfte und Genesene zählen immer nicht mit. Duschen/Umkleiden sind geschlossen.
